Worum geht es in der Folge vom 01.05.2026?
Gut ein Jahr nach dem ersten Kids-Special kehrt VOX mit dem zweiten Teil von „Auswanderer-Kids: Jetzt reden wir!“ zurück zu den Kindern, die die Auswanderungsentscheidung ihrer Eltern nicht selbst getroffen haben – aber trotzdem mittragen mussten. Die Folge 30 der Goodbye-Deutschland-Staffel 2026 (Erstausstrahlung 1. Mai 2026, 20:15 Uhr) bündelt Rückblick-Clips aus mehreren Jahren und fragt: Wie haben Kinder und Jugendliche diese Erfahrung wirklich erlebt? Was bleibt hängen – Abenteuer oder Trauma?
Im Zentrum stehen diesmal die Heidtke-Geschwister aus Südafrika sowie Kiana Gülpen von Mallorca. Beide Familiengeschichten zeigen sehr unterschiedliche Facetten des Aufwachsens in der Fremde.
Die Heidtkes in Südafrika – Internat statt Elternhaus
Ende 2014 wanderten Olaf (58) und Marie Heidtke (45) mit ihren Söhnen Samuel und Aaron nach Südafrika aus – ihre jüngere Tochter Emily (heute 10) wurde dort geboren. Inzwischen sind die Eltern getrennt und zerstritten, die Farm läuft weiter – doch das Leben der Kinder hat sich fundamental verändert.
Weil es in der Nähe der Farm keine weiterführenden Schulen gibt, mussten beide Brüder auf Internate – aufgrund ihrer unterschiedlichen Interessen und Begabungen sogar auf verschiedene Einrichtungen.
Samuel (heute 19) hatte sich als Zwölfjähriger vehement gegen die Farmerschule gesperrt, auf die seiner Meinung nach nur „dumme Jungen“ gingen – und drohte, alles zu tun, um da wieder rauszukommen. Doch Marie setzte ihren Willen durch. Im Rückblick lachte Samuel selbst über seinen damaligen Wutanfall – die Schule mit Schwerpunkt Technik und Farming stellte sich als genau richtig für ihn heraus.
Nun ist es Aaron (heute 16), dem während der Dreharbeiten oft das Heimweh plagte. Mama Marie sah darin eine „ganz gute Life Lesson“ – wer lerne, sich durchzubeißen, mache aus seinem Leben mehr. Ob sie auch diesmal richtig lag? Die Folge lässt das bewusst offen.
„Die ganze Welt war ein Spielplatz“, erinnert sich Samuel nachdenklich – und bringt damit auf den Punkt, was viele Auswanderer-Kinder erst im Nachhinein begreifen: Das Aufwachsen in einer anderen Kultur ist Geschenk und Bürde zugleich.
Kiana Gülpen auf Mallorca – zwischen Langeweile und New York
Kiana Gülpen (heute 18) war bereits im ersten Kids-Special durch ihre Aussage aufgefallen, sie habe seit ihrem achten Lebensjahr ihr „Leben verpasst“. Das Leben auf Mallorca, wohin sie mit Mutter Deniz Gülpen (57) und Stiefvater Sascha Winkels (52) gezogen war, empfand sie damals als „so langweilig“.
Der Wendepunkt kam durch ein ungewöhnliches Angebot: Als Model für Designerin Pia Bolte (48) durfte Kiana auf der New York Fashion Week laufen – ein Abenteuer, bei dem sie aufblühte und viel Zuspruch erhielt. Doch selbst auf dem internationalen Laufsteg blieb Mama Deniz ihrer Linie treu: Sie wollte ihrer Tochter zwischendurch eine Banane andrehen und erinnerte sie daran, vielleicht noch mal auf die Toilette zu gehen. Kianas genervte Reaktion: „Leider begreift sie nicht, dass ich keine acht mehr bin!“
Inzwischen ist Kiana volljährig – und hat sich offenbar mit ihrer Mutter gut arrangiert. Statt einer Model-Karriere strebt sie nun eine Ausbildung als Tattoo-Künstlerin an. Erst kürzlich veröffentlichte Deniz auf Instagram eine liebevolle Geburtstagsvideobotschaft ihrer Tochter, in der Kiana beteuerte, sich „keine bessere Mutter wünschen“ zu können.
Reaktionen der Zuschauer – zwischen Mitleid und Respekt
Die Folge löste gemischte Gefühle aus: In Social-Media-Kommentaren überwog zunächst Mitgefühl für die Kinder, wie etwa „Das arme Kind!“ – doch wer genauer hinsieht, erkennt, dass sich alle Protagonisten gut entwickelt haben.
Viele Zuschauer lobten die ehrliche Perspektive der Folge: Zum ersten Mal standen nicht die Träume der Eltern im Vordergrund, sondern die unverblümte Sichtweise der Kinder auf eine Entscheidung, die über ihre Köpfe hinweg getroffen wurde. Gerade Aarons Heimweh und Samuels rückblickend belächelter Trotz berührten viele Fans.
Gleichzeitig wurde in der Community diskutiert, ob es verantwortungsvoll ist, Kinder dauerhaft vor laufenden Kameras zu zeigen – eine Debatte, die VOX mit diesem Format selbst anheizt. Manche Zuschauer empfanden das Internat-Leben beider Brüder als zu hart für ihr Alter, andere sahen es als wertvolle Charakterschule.
Was können Auswanderer aus dieser Folge lernen?
Diese Sonder-Folge ist mehr als TV-Unterhaltung – sie ist ein seltenes, ehrliches Dokument darüber, was Auswanderung mit Kindern wirklich bedeutet. Die wichtigsten Lernpunkte:
Kinder haben keine Wahl – aber eine Stimme. Wer mit Kindern auswandert, trifft eine Entscheidung stellvertretend für Menschen, die sie selbst nicht treffen könnten. Diese Verantwortung verdient mehr als ein „Es wird ihnen schon gut gehen.“
Schule im Ausland ist oft eine unterschätzte Hürde. Sprache, soziale Eingewöhnung, fremde Schulsysteme – was Erwachsene als „Chance auf Mehrsprachigkeit“ verbuchen, ist für Kinder oft zunächst schmerzhafter Alltag. Die Heidtke-Brüder zeigen, dass Internate als einzige Option für ländliche Auswanderer-Familien eine echte emotionale Belastung sein können.
Überbehütung im Ausland ist ein echter Risikofaktor. Kianas Geschichte zeigt, wie schnell Eltern – aus Sorge vor dem Unbekannten – ihre Kinder enger führen als nötig. Das Gegenteil dessen, was gerade Teenager brauchen: Freiraum, um sich in der neuen Heimat wirklich anzukommen.
Resilienz wächst – aber nicht automatisch. Samuel ist heute ein Beispiel dafür, dass die richtige Schulwahl der Eltern (auch gegen den Willen des Kindes) langfristig fruchten kann. Und Kiana zeigt, dass Kinder, die im Ausland großgeworden sind, oft kreativ und weltoffen werden – wenn man ihnen irgendwann die nötige Luft zum Atmen lässt.
Trennung der Eltern nach der Auswanderung trifft Kinder doppelt. Die zerstrittenen Heidtkes stehen exemplarisch für ein Phänomen, das in der Auswanderer-Community häufiger vorkommt als man denkt: Der Druck des Neuanfangs in der Fremde kann Beziehungen belasten bis zum Bruch – die Kinder tragen die Konsequenzen beider Entscheidungen.
Fazit: Eine Folge, die unter die Haut geht
„Auswanderer-Kids: Jetzt reden wir! (2)“ ist kein typisches Goodbye-Deutschland-Format – und das ist seine Stärke. Es geht nicht um Businesspläne, Visumsprobleme oder Immobilienpreise. Es geht um das, was selten gezeigt wird: die menschliche Seite hinter dem Auswanderer-Abenteuer, erzählt von denen, die am wenigsten gefragt wurden.
Wer mit Kindern auswandert, sollte diese Folge als Pflichtprogramm betrachten – nicht als Abschreckung, sondern als Einladung, die Perspektive seiner Kinder früh und ernsthaft in die Planung einzubeziehen.
Autorenkommentar von Jan Harmening
Ich erlebe immer wieder, dass Auswanderung vor allem aus der Erwachsenen-Perspektive erzählt wird – Freiheit, Neubeginn, Lebensqualität. Diese Folge reißt das Bild auf und zeigt die Kehrseite ohne Schönfärberei. Was mich an Aaron und Kiana nachdenklich stimmt: Beide hätten sich mehr Mitsprache gewünscht, nicht weniger Liebe. Das ist ein feiner, aber entscheidender Unterschied. Wer Kinder mitnimmt ins Auswanderer-Leben, schuldet ihnen keine perfekte Kindheit in der Sonne – aber echtes Zuhören.
Jan Harmening, Expat seit 2005
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