Was ist in der Folge vom 23. Januar 2026 passiert?
In der siebten Episode der aktuellen Staffel von „Goodbye Deutschland – Die Auswanderer“ (VOX, 20:15 Uhr, Laufzeit 120 Minuten) zeigt VOX zwei Frauengeschichten, die unterschiedlicher kaum sein könnten – und doch denselben Kern haben: den Mut zu einem Neuanfang im Ausland, den schwierigen Alltag danach und die Frage, ob Hoffnung allein trägt.
Hinweis vorab: Die Folge enthält zum Teil ältere Aufnahmen, die VOX im Rahmen des aktuellen Programms erneut ausstrahlt. Svenja Gronaus Geschichte war ursprünglich 2013 zu sehen. Das erklärt, warum manche Zuschauer die Protagonistinnen wiedererkennen.
Janina Wilhöft – Der Liebe gefolgt, im Stich gelassen: Düsseldorf zieht in die Türkei
Janina Wilhöft aus Düsseldorf hat sich Hals über Kopf verliebt – in einen Mann, den sie im letzten Türkeiurlaub kennengelernt hat. Fatih ist 25 Jahre alt, zehn Jahre jünger als Janina, und arbeitet als Animateur an der türkischen Riviera. Gerade einmal zehn gemeinsam verbrachte Tage waren die Grundlage dieser Entscheidung – und trotzdem zog die studierte Sozialpädagogin alle Konsequenzen: Job gekündigt, Wohnung aufgelöst, Koffer gepackt.
Familie und Freundin sind skeptisch – doch Janina plant eine Zukunft mit Fatih. Sie gibt ihren Job auf, kündigt ihre Wohnung und fliegt mit Sack und Pack in die Türkei.
Das Ziel ist Side, eine Touristenstadt an der türkischen Riviera in der Provinz Antalya, bekannt für ihre antiken Ruinen, breiten Sandstrände und die lebhafte Hotelindustrie entlang der Küste. Genau dort, wo Tourismus und türkischer Alltag aufeinandertreffen, beginnt Janinas neues Leben.
Was lief schief?
Janina versucht, in der Türkei Fuß zu fassen. Sie paukt Vokabeln, sucht sich einen Job als Animateurin. Doch schon zwei Monate später kriselt es: Fatih vertraut Janina nicht, liest ihre E-Mails. Und auch Janina ist eifersüchtig – Fatih kommt jeden Tag erst nach Mitternacht von seiner Arbeit als Animateur nach Hause. Und dann der Schock: Fatih trennt sich von Janina. Von einem Tag auf den anderen muss die 35-Jährige aus seiner Wohnung ausziehen. Janina hat kein Dach mehr über dem Kopf, kaum Geld, keine Freunde und spricht nur wenige Worte Türkisch.
Die Geschichte zeigt ein Muster, das in der Auswanderungsberatung immer wieder vorkommt: Wer wegen einer Beziehung auswandert, macht sich komplett abhängig von einer einzigen Person – ohne eigenes soziales Netz, ohne finanzielle Rücklage, ohne Sprachkenntnisse. Wenn die Beziehung bricht, fällt alles auf einmal weg.
Was Janinas Fall besonders drastisch macht: Sie war zuvor in einem stabilen Leben in Deutschland – fester Job, eigene Wohnung, akademischer Abschluss. Das alles für jemanden aufzugeben, den sie insgesamt zehn Tage kannte, war objektiv ein enormes Risiko. Türkisch zu lernen hatte sie erst nach der Ankunft begonnen – ein Fehler, den viele Liebesauswanderer machen.
Was hätte Janina besser machen können?
Wer in ein anderes Land auswandert und dabei auf eine Partnerschaft setzt, sollte sich vorher mindestens in diesen Punkten absichern: eigene finanzielle Rücklagen für mindestens sechs Monate, Grundkenntnisse der Landessprache noch vor der Ausreise, ein eigenes Netzwerk aufbauen (z. B. Expat-Gruppen) und im Idealfall erst einmal für mehrere Monate testen, ob der Alltag zusammenpasiert – nicht nur der Urlaub.
Die Türkei ist kein schlechtes Auswanderungsland – aber Side ist in erster Linie ein Tourismusort, der außerhalb der Saison erheblich ruhiger wird und weniger Jobmöglichkeiten für Ausländerinnen ohne Türkischkenntnisse bietet. Wer dort dauerhaft leben will, braucht entweder tiefe lokale Verwurzelung oder eine solide eigene Einkommensquelle.
Svenja Gronau – Alleinerziehend nach Irland: Siegen zieht nach Lisdoonvarna
Seit die 23-jährige Svenja vor einem halben Jahr zum Praktikum in Irland war, hat sie einen Traum: Sie will unbedingt auf der grünen Insel leben. Zusammen mit ihrer fünfjährigen Tochter verlässt sie ihre Heimatstadt Siegen voller Hoffnung auf eine Perspektive. In Deutschland hat Svenja keinen Job, sie lebt alleinerziehend in einer Sozialwohnung. Im kleinen Küstenstädtchen Lisdoonvarna dagegen kann sie als Kassiererin in einem Supermarkt anfangen.
Lisdoonvarna liegt im County Clare im Westen Irlands, bekannt vor allem für sein alljährliches Matchmaking-Festival. Es ist ein kleines, ruhiges Küstenstädtchen – nicht gerade ein Ballungsraum mit breitem Jobangebot, aber genau das war Svenjas Chance: eine konkrete Stelle, ein konkretes Ziel.
Was lief schief?
Ganz ohne Ersparnisse geht Svenja nach Irland. Doch kaum unterwegs, bekommt sie eine Nachricht von ihrer irischen Vermieterin: Eine Mietkaution ist fällig. Svenjas Job beginnt erst in drei Monaten. Bis dahin will sie von Arbeitslosengeld leben. Damit das Amt in Deutschland das Geld nach Irland überweisen kann, muss Svenja Dokumente von den irischen Behörden organisieren – und das innerhalb von sieben Tagen. Doch die Zeit reicht nicht und Svenja steht vor dem Aus ihres großen Traums.
Für ihr Leben in Irland hat Svenja einen bitteren Tausch gemacht: Sie musste ihre besten Freunde in Deutschland zurücklassen. Als es ihr richtig schlecht geht, fühlt sie sich allein. Svenja zweifelt an ihrer Entscheidung. Hat sie einen großen Fehler gemacht?
Die kleine Ashley hält ihrer Mutter zunächst den Rücken frei. Trotz aller Schwierigkeiten erklärte das Kind in der Sendung: Sie wolle nicht mehr nach Deutschland zurück, sie wolle nur noch hier bleiben. „Wir sind stark!“ – ein Satz, der in der Episode zu einem der einprägsamsten Momente gehört.
Was hätte Svenja besser machen können?
Der Fehler war nicht der Mut zum Auswandern, sondern das Fehlen jedes finanziellen Puffers. Wer ohne Ersparnisse ins Ausland zieht und gleichzeitig auf deutsches Arbeitslosengeld angewiesen ist, bewegt sich auf sehr schmalem Grat – insbesondere wenn Behördenprozesse ins Spiel kommen, die länger dauern als erwartet. Wer Sozialleistungen aus Deutschland ins EU-Ausland transferieren will, braucht in der Regel die sogenannte PD U2 (früher: Formular E 303), die vorab beantragt werden muss. Das ist keine Formalität, sondern ein essenzieller Schritt mit Vorlaufzeit.
Hinzu kommt: Irland hat zwar im EU-Vergleich ein relativ hohes Lohnniveau, aber auch sehr hohe Mietpreise – selbst in ländlichen Regionen. Wer dort ohne Startkapital beginnt, gerät schnell in eine finanzielle Engstelle.
Was wurde aus Svenja und Ashley?
Doch schon nach drei Monaten folgte die Ernüchterung. Der Irland-Traum hielt nicht – aber er hat beide geprägt. Rückblickend bereut Svenja die Auswanderung nicht, auch wenn sie damals nicht einfach war. Nach Irland will sie aber nicht mehr, auch wenn das Land immer in ihrem Herzen bleiben wird. Der neue, große Traum der Familie ist ein Neuanfang in Amerika. Der Auswanderergeist ist geblieben – nur das Ziel hat sich verändert.
Zuschauerreaktionen: Was das Publikum bewegt hat
Die Folge hat online und in Fan-Foren unterschiedliche Reaktionen ausgelöst. Bei Janinas Geschichte dominierte Unverständnis über die Entscheidung, Job und Wohnung für jemanden aufzugeben, den sie kaum kannte – verbunden mit echter Anteilnahme, als klar wurde, wie verletzlich sie am Ende dastand. Viele Zuschauer erkannten das Muster: Urlaubsliebe, große Gefühle, fehlende Alltagsbasis.
Bei Svenja war die Resonanz durchweg wärmer. Ihr Mut, als alleinerziehende Mutter ohne Geld ins Ausland zu ziehen, hat viele bewegt. Gleichzeitig gab es kritische Stimmen, die die fehlende finanzielle Vorbereitung bemängelten. Und der Satz von Ashley – „Wir sind stark!“ – wurde von vielen als der ehrlichste und berührendste Moment der ganzen Folge beschrieben.
Ein wiederkehrendes Thema in der Fan-Community: Zuschauer kritisieren, dass VOX ältere Folgen als neue Episoden tituliert, ohne das transparent zu kennzeichnen. Wer die Protagonistinnen googelt, merkt schnell, dass zumindest Teile des Materials bereits Jahre alt sind. Dieses Vorgehen sorgt regelmäßig für Verdruss bei langjährigen Fans der Sendung.
Was du aus dieser Folge mitnehmen kannst
Beide Geschichten sind lehrreich – nicht weil sie scheitern, sondern weil sie sehr deutlich zeigen, wo Auswanderer am häufigsten straucheln:
Erstens: Finanzielle Rücklagen sind kein Nice-to-have, sondern eine Grundvoraussetzung. Mindestens drei, besser sechs Monatsgehälter als Puffer sind das Minimum, bevor du auswanderst.
Zweitens: Liebe allein ist kein Auswanderungsgrund. Eine Beziehung kann ein Auswanderungsanlass sein – aber nie der einzige Grund und nie die einzige Absicherung.
Drittens: Sprache vor Abflug. Wer im Zielland nicht kommunizieren kann, ist in jeder Krise besonders verletzlich.
Viertens: Bürokratie braucht Vorlauf. Wer auf Sozialleistungen aus Deutschland im Ausland angewiesen ist, muss das Verfahren frühzeitig einleiten – nicht erst nach der Ankunft.
Fünftens: Soziales Netz aufbauen, bevor man es braucht. Einsamkeit ist einer der häufigsten Gründe, warum Auswanderer nach wenigen Monaten aufgeben.
Türkei und Irland als Auswanderungsziele: Ein kurzer Einblick
Die Türkei ist für Deutsche kein klassisches Auswanderungsland, aber sie hat durchaus ihren Reiz, insbesondere für Rentner: niedrige Lebenshaltungskosten im Vergleich zu Westeuropa, ein mildes Klima an der Ägäisküste und der Riviera sowie eine für Touristen gut erschlossene Infrastruktur. Wer allerdings langfristig dort leben will, braucht eine Aufenthalts- und Arbeitserlaubnis, Türkischkenntnisse sind nahezu unverzichtbar, und das Rechtssystem sowie die politische Lage sollten gründlich geprüft werden. Für eine Liebesauswanderung ohne Sprachkenntnisse und ohne eigenes Einkommen ist die Türkei ein riskantes Pflaster.
Irland dagegen ist ein beliebtes Ziel für deutschsprachige Auswanderer, nicht zuletzt wegen der englischen Sprache, der EU-Mitgliedschaft und des vergleichsweise gut bezahlten Arbeitsmarkts. Der irische Alltag unterscheidet sich aber erheblich vom Urlaub: Mieten sind hoch, das Wetter grau und regnerisch, und die gesellschaftliche Integration braucht Zeit. Wer mit Familie und ohne Rücklage einwandert, läuft schnell in dieselbe Falle wie Svenja.
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„Diese Folge zeigt ein Muster auf. Janina und Svenja machen Fehler, die ich in über 20 Jahren als Selbständiger im Ausland bei vielen Menschen beobachtet habe: zu wenig Puffer, zu viel Vertrauen in eine einzige Variable – sei es eine Beziehung oder ein Job, der erst in drei Monaten beginnt.
Was mich bei Janinas Geschichte wirklich beschäftigt: Sie ist Sozialpädagogin, ausgebildet darin, andere Menschen in Krisen zu begleiten und realistische Handlungsoptionen zu entwickeln. Und trotzdem hat sie alles auf eine Karte gesetzt, die sie kaum kannte. Das sagt weniger über ihre Intelligenz aus als über die Kraft, die Verliebtsein auf rationale Entscheidungen haben kann. Svenja hingegen verdient echten Respekt. Ohne Ersparnisse, mit einem Kind, in einem fremden Land – das ist kein blauäugiges Abenteuer, das ist echter Mut. Dass der Irland-Plan nach drei Monaten nicht mehr aufging, macht die Entscheidung nicht falsch. Es zeigt nur, wie dünn die Luft wird, wenn kein Puffer da ist. Wer ohne Sicherheitsnetz über den Abgrund läuft, braucht nicht nur Mut – sondern auch Glück. Und Glück ist kein zuverlässiger Auswanderungsplan.
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