Auswandern nach Odense und Fünen: Dein Guide für die grüne Insel Dänemarks

Wenn du an Dänemark denkst, kommt dir wahrscheinlich zuerst Kopenhagen in den Sinn. Doch für viele Auswanderer ist gerade die Insel Fünen mit ihrer Hauptstadt Odense die deutlich interessantere Wahl. Du bekommst hier eine Großstadt mit Universität, Kulturangebot und guter Infrastruktur, ohne dabei die Hektik und die Immobilienpreise der Hauptstadtregion in Kauf nehmen zu müssen. Odense ist mit rund 185.000 Einwohnern die drittgrößte Stadt Dänemarks und liegt zentral im Land – zwischen Jütland und Seeland, mit kurzen Wegen sowohl nach Kopenhagen als auch nach Aarhus.

Dänemark-Odense-Altstadt
Altstadt von Odense

Was Fünen als Auswanderungsziel besonders macht, ist die Kombination aus urbaner Substanz und ländlicher Ruhe. Odense selbst bietet dir Arbeitsmarkt, Universität, Krankenhaus der Maximalversorgung und eine wachsende Tech- und Robotik-Branche. Gleichzeitig bist du in wenigen Minuten mit dem Rad oder Auto in einer Landschaft aus Streuobstwiesen, Herrenhäusern und Küstenorten, die sich zu Recht „Dänemarks Garten“ nennt. Die Insel gilt zudem als eine der fahrradfreundlichsten Regionen Europas – für viele Auswanderer ein echtes Lebensgefühl, kein Detail am Rande.

In diesem Artikel schauen wir uns die wichtigsten Teilregionen von Odense und Fünen im Detail an: von den zentralen Stadtvierteln über das neue Hafenviertel bis zu den charmanten Küstenstädten der Insel. Danach gehen wir alle praktischen Fragen durch, die für deine Auswanderung wichtig sind – von Visum über Steuern bis zur deutschsprachigen Community vor Ort.

Die wichtigsten Teilregionen von Odense und Fünen

Odense Innenstadt (Indre By)

Das historische Zentrum von Odense ist geprägt von kopfsteingepflasterten Gassen, bunten Fassaden und der Nähe zum Fluss Odense Å. Hier findest du die Fußgängerzone mit dem Hauptteil der Geschäfte, Cafés und Restaurants, dazu die wichtigsten kulturellen Einrichtungen der Stadt. Das Viertel ist kompakt, alles ist zu Fuß oder mit dem Rad erreichbar, und die Anbindung an den Hauptbahnhof ist exzellent.

Für wen geeignet: Berufstätige ohne Auto, die urbanes Flair und kurze Wege schätzen, sowie Paare und Singles, die zentral wohnen wollen.

Besonderheit: Die höchste Wohndichte und damit auch die höchsten Mietpreise der Region – dafür maximale Alltagsbequemlichkeit ohne Auto.

Odense Süd – Dalum und Hjallese

Im Süden der Stadt liegt der Campus der Süddänischen Universität (SDU), umgeben von den Stadtteilen Dalum und Hjallese. Die Gegend hat einen jungen, akademischen Charakter, ist aber gleichzeitig grün und ruhig, mit Blick auf den Fluss und alten Klosteranlagen. Die neue Odense Letbane (Stadtbahn) verbindet das Viertel direkt mit der Innenstadt.

Für wen geeignet: Studierende, Berufstätige im akademischen oder Forschungsumfeld, junge Familien.

Besonderheit: Deutlich günstigere Mieten als in der Innenstadt bei trotzdem kurzer Fahrzeit ins Zentrum.

Odense Havn – das neue Hafenviertel

Der ehemalige Industriehafen von Odense wird seit einigen Jahren zu einem modernen Wohn- und Arbeitsviertel umgebaut. Hier entstehen Neubauwohnungen direkt am Wasser, dazu Büros von Unternehmen wie dem Facebook-Rechenzentrum und der Robotikbranche, für die Odense inzwischen bekannt ist. Das Viertel wirkt noch im Werden, hat aber schon jetzt eine attraktive Mischung aus Wohnen, Arbeiten und Freizeit am Wasser.

Für wen geeignet: Berufstätige in Tech- und Ingenieursberufen, die Wert auf moderne Neubauten legen.

Besonderheit: Wachsender Arbeitsmarkt direkt vor der Haustür, besonders in Robotik und Softwareentwicklung.

Bolbro und Odense West

Westlich der Innenstadt liegt mit Bolbro ein bodenständiges, gemischtes Wohnviertel mit guter Nahversorgung, Schulen und Kindergärten. Die Gegend ist bei Familien beliebt, weil sie deutlich günstiger ist als das Zentrum, aber trotzdem alle wichtigen Alltagswege kurz hält.

Für wen geeignet: Familien mit Kindern, die bezahlbaren Wohnraum mit guter Infrastruktur suchen.

Besonderheit: Solide Mischung aus Reihenhäusern und Wohnungen zu moderaten Preisen, mit direktem Anschluss an die Innenstadt.

Nyborg – Tor zur Ostküste

Etwa 25 Kilometer östlich von Odense liegt Nyborg, historisch bedeutsam als ehemalige Residenzstadt und heute vor allem als Pendlerstadt interessant. Über die Storebæltsbrücke bist du in unter einer Stunde in Richtung Kopenhagen und Seeland unterwegs, der Bahnhof liegt an der Hauptstrecke Kopenhagen–Odense–Jütland.

Für wen geeignet: Pendler, die zwischen Fünen und Seeland flexibel bleiben wollen, sowie Liebhaber historischer Kleinstädte.

Besonderheit: Ausgezeichnete Zuganbindung nach Kopenhagen bei deutlich niedrigeren Immobilienpreisen als dort.

Svendborg – Segeln und Ruhestand im Süden

Svendborg im Süden Fünens ist die zweitgrößte Stadt der Insel und bekannt für ihre maritime Prägung. Der Hafen ist einer der aktivsten Segelhäfen Dänemarks, und von hier aus erreichst du mit der Fähre die vorgelagerten Inseln wie Ærø und Tåsinge. Die Stadt hat ein gepflegtes Zentrum, gute medizinische Versorgung und ein spürbar entspanntes Lebenstempo.

Für wen geeignet: Rentner und Wassersportbegeisterte, die Wert auf Küstennähe und ein ruhigeres Umfeld legen.

Besonderheit: Eines der bekanntesten Segelreviere Nordeuropas, direkt vor der Haustür.

Middelfart – Leben am Kleinen Belt

Middelfart liegt an der Westküste Fünens, dort wo die Brücken über den Kleinen Belt nach Jütland führen. Die Stadt profitiert von ihrer Lage zwischen den beiden Landesteilen und hat sich zu einem attraktiven Wohnort mit Wasserblick entwickelt, ohne die Hektik einer Großstadt.

Für wen geeignet: Berufstätige, die zwischen Fünen und Jütland pendeln, sowie Familien, die Wasserlage schätzen.

Besonderheit: Spektakuläre Ausblicke auf die Beltbrücken und kurze Pendelzeiten in beide Richtungen des Landes.

Kerteminde und die Nordküste

Kerteminde, nur 20 Minuten östlich von Odense, ist ein malerischer Hafenort mit deutlichem Ferienhaus-Charakter, aber auch einer festen Wohnbevölkerung. Die Region um Kerteminde und die Halbinsel Hindsholm gehört zu den landschaftlich schönsten Gegenden Fünens, mit Steilküsten, Stränden und Ausblick auf den Großen Belt.

Für wen geeignet: Rentner und Selbstständige im Homeoffice, die Natur und Küste direkt vor der Tür wollen.

Besonderheit: Kurze Distanz zu Odense bei gleichzeitig sehr ländlichem, maritimem Lebensgefühl.

Assens und Faaborg – der ruhige Südwesten

Im Südwesten der Insel liegen die kleineren Städte Assens und Faaborg, umgeben von der für Fünen typischen Hügellandschaft mit Herrenhäusern und Streuobstwiesen. Beide Orte haben einen eigenen Hafen und ein gepflegtes historisches Zentrum, sind aber deutlich ländlicher und langsamer im Tempo als Odense selbst.

Für wen geeignet: Rentner und Selbstständige, die maximale Ruhe und niedrige Lebenshaltungskosten suchen.

Besonderheit: Die günstigsten Immobilienpreise der gesamten Region bei gleichzeitig hoher Lebensqualität.

Klima & Naturrisiken

Fünen liegt in der gemäßigten Klimazone und hat ein typisches Seeklima: milde Winter zwischen minus zwei und plus vier Grad, kühle Sommer mit Durchschnittstemperaturen um 20 Grad im Juli und August. Extreme Temperaturschwankungen kennst du hier kaum, dafür mit Sicherheit den Wind – die Insellage sorgt für ein wechselhaftes, oft bewölktes Wetter. Im Vergleich zu Seeland und Kopenhagen gilt Fünen zusammen mit Südjütland sogar als eine der regenreicheren Regionen Dänemarks.

Naturkatastrophen im klassischen Sinn – Erdbeben, Hurrikane, ausgeprägte Trockenperioden – spielen in Dänemark praktisch keine Rolle. Das relevanteste Thema ist der Küstenschutz: In tief liegenden Küstenabschnitten, etwa entlang des Odense-Fjords oder in Teilen von Kerteminde und Assens, kann es bei Sturmfluten zu lokalen Überschwemmungen kommen. Wenn du ein Grundstück in Küstennähe kaufst, lohnt sich ein Blick in die kommunalen Hochwasserkarten, bevor du dich festlegst. Insgesamt gehört Dänemark aber zu den klimatisch unaufgeregtesten Ländern Europas.

Visum & Aufenthalt

Als deutscher Staatsbürger profitierst du von der EU-Personenfreizügigkeit, das macht die Auswanderung nach Fünen im Vergleich zu vielen anderen Zielen deutlich unkomplizierter. Ein klassisches Visum brauchst du nicht. Was du brauchst, ist eine Anmeldung: Sobald du länger als drei Monate in Dänemark bleiben willst, musst du dich beim Folkeregister deiner Kommune anmelden und erhältst dort deine CPR-Nummer – die zentrale Identifikationsnummer, die du für so ziemlich alles brauchst, von der Krankenversicherung über das Bankkonto bis zum Mietvertrag.

Für Berufstätige und Selbstständige ist der Weg klar: Arbeitsvertrag oder eine belastbare selbstständige Tätigkeit reichen als Grundlage für die Anmeldung. Für Rentner gibt es keinen speziellen „Rentnervisum“-Weg, weil er als EU-Bürger schlicht nicht nötig ist – du musst allerdings nachweisen können, dass du deinen Lebensunterhalt selbst bestreiten kannst und ausreichend krankenversichert bist, bevor eine dauerhafte Anmeldung unproblematisch läuft. Nach fünf Jahren durchgehendem, rechtmäßigem Aufenthalt kannst du als EU-Bürger eine Daueraufenthaltsbescheinigung beantragen, die dir eine noch stabilere Rechtsposition gibt, auch wenn sie für den Alltag meist keinen großen Unterschied macht.

Familien, die mit Kindern kommen, melden diese im selben Zug beim Folkeregister an. Die Kommune informiert dich danach automatisch über die Kita- und Schulpflichten vor Ort. Insgesamt ist die Bürokratie in Dänemark spürbar schlanker organisiert als in Deutschland – die meisten Behördengänge laufen digital über die Plattform Borger.dk, sobald du deine NemID beziehungsweise MitID eingerichtet hast.

Steuern

Das dänische Steuersystem gehört zu den komplexesten, aber auch transparentesten in Europa – und die Steuerlast ist grundsätzlich hoch. Die Einkommensteuer setzt sich aus mehreren Komponenten zusammen: einer Kommunalsteuer zwischen 22,5 und 27,8 Prozent je nach Wohnort, einem Gesundheitsbeitrag von 2 Prozent, einer Staatssteuer von 12,16 Prozent oberhalb bestimmter Einkommensgrenzen und einer Zusatzsteuer von 15 Prozent für sehr hohe Einkommen. In Odense und den umliegenden Fünen-Kommunen bewegt sich der kommunale Steuersatz meist im Mittelfeld dieser Bandbreite, was Fünen steuerlich etwas günstiger macht als viele Kopenhagener Vororte.

Hinzu kommt eine einheitliche Mehrwertsteuer von 25 Prozent auf die meisten Waren und Dienstleistungen, die sich im Alltag deutlich bemerkbar macht. Zwischen Deutschland und Dänemark besteht ein Doppelbesteuerungsabkommen, das verhindert, dass du dein Einkommen doppelt versteuerst. Wie genau sich das für dich auswirkt, hängt stark von deiner individuellen Situation ab – etwa ob du in Dänemark unbeschränkt steuerpflichtig wirst, weiterhin Einkünfte aus Deutschland beziehst oder eine deutsche Rente erhältst. Für eine verbindliche Einschätzung solltest du dir in jedem Fall einen auf deutsch-dänisches Steuerrecht spezialisierten Berater suchen, bevor du den Umzug endgültig planst.

Krankenversicherung

Deine deutsche gesetzliche Krankenversicherung gilt in Dänemark nicht weiter, sobald du dort deinen Wohnsitz anmeldest. Mit der CPR-Nummer bist du automatisch Teil des dänischen staatlichen Gesundheitssystems und erhältst deine „Sundhedskort“, die gelbe Gesundheitskarte. Die Grundversorgung – Hausarzt, Krankenhausbehandlung, viele Facharztleistungen – ist damit für dich als angemeldeten Einwohner kostenfrei zugänglich, finanziert über die allgemeine Steuerlast.

Was das staatliche System nicht oder nur teilweise abdeckt, sind bestimmte Zahnbehandlungen für Erwachsene, Physiotherapie, Brillen und manche Medikamente. Viele Auswanderer schließen dafür eine private Zusatzversicherung ab, wie sie auch viele Dänen selbst haben – die Kosten dafür bewegen sich meist im Bereich von umgerechnet 20 bis 50 Euro im Monat, je nach Leistungsumfang. Solange du noch nicht angemeldet bist oder eine Übergangszeit überbrückst, brauchst du eine private internationale Krankenversicherung, die diese Lücke abdeckt.

Lebenshaltungskosten

Innerhalb der Region gibt es spürbare Unterschiede. Die Innenstadt von Odense und das neue Hafenviertel sind am teuersten, hier bewegen sich Mieten für eine Zweizimmerwohnung häufig im Bereich von 800 bis 1.100 Euro im Monat. In Stadtteilen wie Bolbro oder Dalum liegst du oft 20 bis 30 Prozent darunter. In den kleineren Fünen-Städten wie Assens, Faaborg oder Middelfart wird es noch einmal deutlich günstiger, besonders beim Immobilienkauf, wo du für den Preis einer Odenser Eigentumswohnung oft schon ein freistehendes Haus mit Garten bekommst.

Im Vergleich zu deutschen Großstädten liegt Odense insgesamt in einer ähnlichen Größenordnung wie mittelgroße deutsche Städte, allerdings mit spürbar höheren Kosten bei Lebensmitteln, Alkohol und Restaurantbesuchen – die 25-prozentige Mehrwertsteuer und die generell hohen Lohnkosten schlagen hier direkt durch. Günstiger als in Deutschland sind dagegen typischerweise die Nebenkosten beim Wohnen, da vieles bereits in der Warmmiete enthalten ist, sowie öffentliche Leistungen wie Kinderbetreuung, die stark subventioniert sind. Größter Kostentreiber für die meisten Auswanderer ist am Ende nicht die Miete, sondern der tägliche Einkauf und die Freizeitgestaltung.

Deutschsprachige Community

Verglichen mit Kopenhagen ist die deutschsprachige Community in Odense und auf Fünen deutlich kleiner und weniger sichtbar organisiert. Es gibt keine große geschlossene deutsche Szene, dafür aber einzelne informelle Stammtische und Netzwerke, die sich meist über soziale Medien und Facebook-Gruppen für „Deutsche in Dänemark“ oder „Deutsche in Odense“ finden lassen. Die Süddänische Universität mit ihrem internationalen Umfeld sorgt zusätzlich dafür, dass du in akademischen Kreisen relativ leicht auf deutschsprachige Kontakte triffst.

Deutschsprachige Dienstleister – Ärzte, Anwälte, Steuerberater mit Spezialisierung auf deutsch-dänische Fälle – findest du eher in Kopenhagen oder im deutsch-dänischen Grenzgebiet in Südjütland als direkt in Odense. Für viele praktische Fragen wirst du daher entweder auf Englisch oder mit wachsenden Dänischkenntnissen unterwegs sein. Das ist allerdings kein großes Hindernis: Englisch wird in Dänemark auf sehr hohem Niveau gesprochen, und gerade unter jüngeren Dänen in Odense kommst du im Alltag fast überall gut zurecht, bis dein Dänisch sitzt.

Autorenkommentar

Odense ist eine jener Städte, die im Schatten der Hauptstadt oft übersehen werden, dabei aber genau die Balance bieten, nach der viele Auswanderer eigentlich suchen: eine echte Stadt mit Universität, Jobs und Kultur, ohne die Preise und die Anonymität einer Millionenmetropole. Was mir an der Region besonders auffällt, ist das Tempo – hier wird nicht weniger gearbeitet als anderswo in Dänemark, aber der Alltag fühlt sich spürbar entspannter an, wenn du morgens mit dem Rad zur Arbeit fährst statt im Stau zu stehen.

Wenn du dich für Fünen entscheidest, würde ich dir raten, dir Zeit für die kleineren Küstenstädte zu nehmen, bevor du dich festlegst. Odense selbst ist die naheliegende Wahl für den Berufseinstieg, aber gerade für Rentner und Selbstständige im Homeoffice lohnt sich der Blick auf Orte wie Kerteminde oder Assens, wo dein Geld deutlich weiter reicht und die Landschaft einen Alltag prägt, den du in Deutschland so kaum findest.

Jan Harmening, Expat seit 2005

Hilfen für einen sorglosen Umzug nach Dänemark

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