Lanzarote zieht Auswanderer aus ganz Europa an – und das aus guten Gründen. Die östlichste der Kanarischen Inseln kombiniert ein nahezu perfektes Ganzjahresklima mit einer unverwechselbaren Landschaft, die UNESCO-Biosphärenreservat-Status genießt. Wer auf einer Insel leben möchte, die weder von Massentourismus erdrückt wird noch zu abgelegen ist, findet hier ein ernsthaftes Zuhause: mit funktionierender Infrastruktur, direkten Flugverbindungen nach Deutschland und einer deutschen Community, die seit Jahrzehnten gewachsen ist.

Als Teil Spaniens und damit der Europäischen Union bietet Lanzarote deutschen Staatsbürgern einen entscheidenden Vorteil: Kein Visum, kein kompliziertes Aufenthaltsverfahren – du meldest dich schlicht an. Das macht den Umzug bürokratisch überschaubar, verglichen mit Zielen außerhalb der EU. Dazu kommen niedrigere Lebenshaltungskosten als in deutschen Großstädten, eine ausgebaute medizinische Versorgung und die Möglichkeit, auf Spanisch, Englisch oder Deutsch durch den Alltag zu kommen.
Dieser Artikel zeigt dir die wichtigsten Teilregionen der Insel und ihre Unterschiede – ob du Ruhe suchst, urbanes Leben bevorzugst oder eine familien- oder rentnerfreundliche Umgebung brauchst. Außerdem bekommst du kompakte Informationen zu Klima, Visum, Steuern, Krankenversicherung, Lebenshaltungskosten und der deutschsprachigen Community.
Die wichtigsten Teilregionen auf Lanzarote
Arrecife
Arrecife ist die Inselhauptstadt und das wirtschaftliche Zentrum Lanzarotes. Hier findest du Behörden, Krankenhäuser, Einkaufszentren, das einzige größere Stadtbild der Insel und die lebhafteste lokale Kultur. Es ist keine Touristenstadt – es ist eine spanische Provinzstadt, die zufällig am Meer liegt. Promenaden, Fischerboote, Lokalrestaurants ohne Touristenpreise.
Für wen geeignet: Berufstätige, Selbstständige, alle, die in der Nähe von Infrastruktur und Behörden leben wollen.
Besonderheit: Die Mietpreise sind deutlich niedriger als in den Touristenorten – für Langzeitmieten oft die günstigste Option der Insel.
Puerto del Carmen
Puerto del Carmen ist der touristischste Ort der Insel und gleichzeitig der mit der stärksten internationalen Expat-Community. Entlang der Avenida de las Playas reihen sich Restaurants, Bars und Geschäfte – viele davon auf ein internationales Publikum ausgerichtet. Die Infrastruktur ist gut, die Anbindung an den Flughafen ausgezeichnet (zehn Minuten), und die Atmosphäre ist kosmopolitisch ohne aufdringlich zu sein.
Für wen geeignet: Neu-Auswanderer, die einen sanften Einstieg suchen; Rentner, die keine Isolation wollen; alle, die Englisch und Deutsch als Alltagssprache bevorzugen.
Besonderheit: Größte Konzentration deutschsprachiger Dienstleister, Ärzte, Steuerberater und Stammtische auf der gesamten Insel.
Costa Teguise
Costa Teguise liegt nördlich von Arrecife und war ursprünglich als moderner Ferienort geplant – entsprechend geordnet und gepflegt wirkt die Anlage. Es gibt einen schönen Stadtstrand, ein Aquapark, Supermärkte und eine ruhige Atmosphäre, die gut zwischen Touristenbetrieb und echtem Wohnleben liegt. Beliebt bei Familien und Kitesurfern.
Für wen geeignet: Familien mit Kindern, sportlich aktive Auswanderer, alle, die geordnete Strukturen schätzen ohne im Tourismuszentrum zu leben.
Besonderheit: Gute Schulinfrastruktur und eine aktive Expat-Community mit eigenen Netzwerken.
Playa Blanca
Playa Blanca liegt im Süden der Insel und ist der am stärksten gewachsene Ort der letzten zwanzig Jahre. Die Fährverbindung nach Fuerteventura macht ihn zum Ausgangspunkt für Inselhopping. Wohnquartiere wie Marina Rubicón oder Montaña Roja bieten hochwertige Immobilien in ruhiger Lage. Das Leben ist etwas weniger dynamisch als im Norden, dafür entspannter und sauberer.
Für wen geeignet: Rentner, wohlhabendere Auswanderer, Menschen mit Affinität zu Yachthafen-Atmosphäre und gehobener Infrastruktur.
Besonderheit: Modernste Yachtmarina der Insel mit direkter Fährverbindung nach Fuerteventura (20 Minuten).
Tías (und Umgebung)
Tías ist eine Gemeinde im Inselinneren, zwischen Arrecife und Puerto del Carmen gelegen. Hier wohnen viele Auswanderer, die günstige Häuser mit Grundstück gesucht haben – weg vom Strand, aber nah genug an der Küste. Die Gemeinde selbst ist unspektakulär, dafür authentisch spanisch. Keine Touristenwirtschaft, lokale Preise.
Für wen geeignet: Auswanderer, die Immobilieneigentum mit Garten oder Terrasse suchen; Menschen, die ruhig und trotzdem zentral wohnen wollen.
Besonderheit: Häuser mit großzügigen Außenbereichen und Bergblick sind hier deutlich günstiger als an der Küste.
Haría
Haría liegt im Norden der Insel in einem grünen Tal – für Lanzarote-Verhältnisse fast üppig bepflanzt mit Palmen und Gemüsegärten. Die kleine Stadt hat Künstlercharakter, ein wöchentliches Handwerkermarkt-Flair und eine entspannte, alternative Atmosphäre. Infrastruktur ist begrenzt, Alltag braucht etwas Planung.
Für wen geeignet: Kreative, Ruhesuchende, Auswanderer mit eigenem Fahrzeug, die Wert auf Natur und Originalität legen.
Besonderheit: Haría ist das grünste Dorf der Insel und war Wohnort des Künstlers César Manrique – der Geist dieser Ära ist noch spürbar.
Yaiza
Yaiza liegt zwischen Playa Blanca und dem Timanfaya-Nationalpark und gilt als eines der schönsten traditionellen Dörfer der Insel. Weiß getünchte Häuser, gepflegte Plätze, kaum Tourismus im Ortskern. Trotzdem in akzeptabler Reichweite zum Süden und zur Infrastruktur von Playa Blanca.
Für wen geeignet: Auswanderer, die authentisches Inselleben und Schönheit des Ortsbildes über Praktikabilität stellen.
Besonderheit: Yaiza wurde mehrfach als eines der schönsten Dörfer Spaniens ausgezeichnet – und es sieht tatsächlich so aus.
San Bartolomé
San Bartolomé liegt im geographischen Zentrum der Insel, nahe dem Flughafen, und funktioniert als lebendige Gemeinde mit Wochenmarkt, Lokalen und guter Anbindung in alle Richtungen. Wenig Tourismus, spanisch geprägt, solide Alltagsinfrastruktur. Besonders praktisch für Pendler, die regelmäßig fliegen.
Für wen geeignet: Berufstätige mit häufigen Flugreisen, Selbstständige, Auswanderer, die Zentrallage und lokales Leben kombinieren wollen.
Besonderheit: Kürzeste Distanz zum Flughafen auf der gesamten Insel – gut zehn Autominuten.
Klima & Naturrisiken
Lanzarote gilt klimatisch als eine der angenehmsten Regionen Europas. Die Temperaturen schwanken das ganze Jahr über vergleichsweise wenig: Sommer bringt Werte zwischen 26 und 32 Grad, Winter selten unter 17 Grad. Wind ist ein konstanter Begleiter – der Nordostpassat sorgt dafür, dass die Sommerhitze erträglich bleibt, kann aber an der Küste und auf Terrassen auf Dauer nerven.
Niederschlag ist minimal. Lanzarote ist die trockenste der Kanarischen Inseln – es gibt keine Flüsse, kein permanent stehendes Süßwasser. Trinkwasser kommt aus Meerwasserentsalzungsanlagen. Gärten und Pflanzen brauchen künstliche Bewässerung. Grün im deutschen Sinne wirst du hier nicht finden.
Naturrisiken sind begrenzt, aber real: Der Timanfaya-Nationalpark erinnert daran, dass die Insel vulkanischen Ursprungs ist – der letzte große Ausbruch war 1730 bis 1736. Vulkanische Aktivität gilt heute als gering, wird aber seismologisch überwacht. Hurrikane treffen die Kanaren selten direkt, aber Tropensturmausläufer und Calima-Ereignisse (Sandstürme aus der Sahara) kommen vor und können die Luft tagelang trüben. Überschwemmungen durch Starkregen passieren selten, können aber durch die fehlende Vegetation und hartes Erdreich lokal heftig ausfallen.
Visum & Aufenthalt
Als EU-Bürger hast du das Recht, in Spanien zu leben, ohne ein Visum zu beantragen. Das gilt auch für Lanzarote als Teil des spanischen Staatsgebiets. Was du tun musst: dich im Einwohnermelderegister (Empadronamiento) der zuständigen Gemeinde anmelden und – wenn du länger als drei Monate bleibst – eine Aufenthaltsbescheinigung (Certificado de Registro de Ciudadano de la Unión) bei der Nationalpolizei beantragen. Diese ist kein Visum, sondern eine Registrierung, und sie gibt dir eine NIE-Nummer (Número de Identificación de Extranjero), die du für Bankkonten, Steuern, Versicherungen und Immobilienkäufe brauchst.
Für Rentner gilt dasselbe Verfahren. Wer aus Deutschland eine gesetzliche Rente bezieht, muss nachweisen, dass er sich finanziell selbst versorgen kann – aber formale Einkommensgrenzen wie bei Nicht-EU-Visumsprozessen gibt es nicht. Die Anmeldung ist verwaltungstechnisch einfacher als in vielen anderen Ländern außerhalb der EU.
Selbstständige und Freiberufler müssen sich als Autónomo anmelden, wenn sie auf Lanzarote arbeiten wollen – das ist das spanische Äquivalent zur gewerblichen Selbstständigkeit und bringt monatliche Sozialabgaben mit sich, die in den ersten Jahren durch staatliche Förderung reduziert sein können.
Steuern
Die Kanarischen Inseln haben innerhalb Spaniens einen Sonderstatus, was Steuern betrifft. Statt der auf dem spanischen Festland geltenden Mehrwertsteuer (IVA) gilt auf den Kanaren die IGIC (Impuesto General Indirecto Canario) – mit einem Standardsatz von aktuell 7 Prozent, deutlich unter dem festländischen IVA-Satz. Das macht Einkäufe und Dienstleistungen günstiger.
Die Einkommensteuer (IRPF) gilt auch auf Lanzarote – du wirst steuerlich ansässig in Spanien, sobald du mehr als 183 Tage im Jahr dort lebst. Dann bist du mit deinem Welteinkommen in Spanien steuerpflichtig. Das Doppelbesteuerungsabkommen zwischen Deutschland und Spanien verhindert, dass du auf dieselben Einkünfte doppelt besteuert wirst – aber es schließt nicht aus, dass Spanien höher besteuert als Deutschland. Für Rentenempfänger aus Deutschland: Die gesetzliche Rente wird grundsätzlich in Deutschland besteuert, sofern das DBA dies vorsieht – ein Steuerberater mit Doppelstaaten-Erfahrung sollte das im Einzelfall prüfen.
Wer größere Vermögen mitbringt oder Immobilien kauft, sollte außerdem die Vermögenssteuer (Impuesto sobre el Patrimonio) im Blick haben – die auf den Kanaren gilt, wenn auch mit regionalen Freibeträgen.
Krankenversicherung
Als in Spanien gemeldeter EU-Bürger hast du grundsätzlich Zugang zum spanischen öffentlichen Gesundheitssystem (Sistema Nacional de Salud). Die Voraussetzung: Du bist als Wohnsitzer registriert und entweder erwerbstätig (und zahlst spanische Sozialabgaben), Rentner mit entsprechenden Nachweisen oder du hast eine private Krankenversicherung nachgewiesen.
Das öffentliche System auf Lanzarote ist funktional, hat aber Grenzen: Auf einer Insel mit rund 155.000 Einwohnern ist das medizinische Angebot überschaubar. Für komplexere Eingriffe oder Spezialisierungen wirst du oft nach Gran Canaria oder auf das Festland verwiesen. Wartezeiten beim öffentlichen System können lang sein.
Viele Auswanderer entscheiden sich daher für eine private Zusatz- oder Vollkrankenversicherung. Spanische Anbieter wie Sanitas, Adeslas oder Asisa sind auf den Kanaren gut vertreten. Die Kosten für eine Privatversicherung bewegen sich für gesunde Erwachsene in der Regel zwischen 60 und 150 Euro monatlich, je nach Alter, Tarif und Leistungsumfang. Wer aus Deutschland kommt und gesetzlich versichert war, verliert den Anspruch auf Leistungen der deutschen GKV nach der Abmeldung – die Übergangslösung (EHIC-Karte) ist nur für vorübergehende Aufenthalte gedacht.
Für Rentner gilt das Formular S1 (früher E121): Es ermöglicht, die Krankenversicherungskosten über die deutsche Rentenversicherung abzurechnen, wenn du im EU-Ausland lebst. Das ist ein oft übersehener, aber sehr relevanter Weg.
Lebenshaltungskosten
Lanzarote ist günstiger als deutsche Großstädte – aber teurer als das spanische Festland. Der Inselcharakter bringt Logistikkosten mit sich: Viele Waren müssen importiert werden, was Lebensmittel, Baumaterialien und bestimmte Dienstleistungen verteuert. Der IGIC-Steuervorteil gleicht das teilweise aus.
Mieten variieren stark nach Lage und Qualität. In Arrecife oder Tías bekommst du eine solide Zweizimmerwohnung langfristig für 600 bis 850 Euro monatlich. In Puerto del Carmen oder Costa Teguise mit Meerblick und moderner Ausstattung liegen vergleichbare Objekte schnell bei 900 bis 1.400 Euro. Playa Blanca in gehobenen Lagen übersteigt das noch.
Lebensmittel sind im lokalen Supermarkt (Mercadona, Spar, Hiperdino) bei spanischen Grundprodukten günstig – importierte deutsche Produkte kosten deutlich mehr. Essen gehen in spanischen Lokalen ist erschwinglich, in touristisch ausgerichteten Restaurants deutlich teurer. Ein lokales Mittagsmenü (Menú del día) mit drei Gängen und Getränk kostet oft 10 bis 14 Euro.
Stromkosten sind auf den Kanaren vergleichsweise hoch, da viel Energie importiert oder lokal erzeugt werden muss. Wer Klimaanlage und Warmwasserbereitung elektrisch betreibt, merkt das auf der Jahresrechnung. Als grobe Orientierung für ein Paar mit moderatem Lebensstil – Miete, Lebensmittel, Versicherung, Strom, gelegentliches Essen gehen, lokale Mobilität – sind 2.000 bis 2.800 Euro monatlich ein realistischer Richtwert.
Deutschsprachige Community
Lanzarote hat eine der dichtesten deutschsprachigen Communitys auf den Kanaren außerhalb von Gran Canaria und Teneriffa. Puerto del Carmen ist das Zentrum dieser Präsenz: Hier gibt es deutschsprachige Ärzte, Steuerberater, Immobilienmakler, Anwälte und eine Reihe von Lokalen, die sich bewusst an ein deutsches Publikum richten – ohne dass das negativ gemeint wäre.
Es existieren mehrere deutschsprachige Stammtische und Expat-Gruppen, die sich regelmäßig treffen – teils organisiert über Facebook-Gruppen, teils über persönliche Netzwerke. Wer neu auf die Insel kommt, findet hier schnell Anschluss, wenn er ihn sucht. Deutschsprachige Gottesdienste werden zeitweise von evangelischen Gemeinden angeboten.
Für Kinder gibt es keine deutschsprachige Schule auf Lanzarote selbst – das ist ein relevanter Unterschied zu Teneriffa oder Gran Canaria. Familien, die Wert auf deutschsprachigen Unterricht legen, sind auf internationale Schulen mit Englischunterricht oder Homeschooling-Optionen angewiesen.
Die Community ist aktiv, aber nicht in sich geschlossen. Wer möchte, kann sich vollständig auf Deutsch durch den Alltag bewegen – wer sich integrieren will, findet aber auch dafür gute Voraussetzungen.
Autorenkommentar
Lanzarote ist keine Insel für Menschen, die eine Kopie ihres deutschen Lebens in der Sonne suchen. Was sie bietet, ist echter: eine Landschaft, die durch ihren Charakter überzeugt statt durch Fülle, ein Klima, das verlässlich funktioniert, und ein Lebenstempo, das sich tatsächlich verändert – nicht als Klischee, sondern als Alltag. Es gibt Auswanderer, die hier seit zwanzig Jahren leben und nicht zurückwollen. Aber es gibt auch jene, die nach zwei Jahren gemerkt haben, dass die Insellage mental schwerer wiegt als erwartet. Beides ist valide. Probewohnen für zwei bis drei Monate vor der finalen Entscheidung ist kein Zeichen von Zögern – es ist einfach klug.
Was ich dir konkret mitgeben will: Die Wahl der Teilregion auf Lanzarote entscheidet mehr über deine Lebensqualität als die Entscheidung für die Insel selbst. Wer in Puerto del Carmen lebt, erlebt eine andere Realität als jemand in Haría oder Arrecife. Schau dir mehrere Orte an, bevor du einen Mietvertrag unterschreibst – und rede mit Auswanderern, die schon dort leben, nicht nur mit Immobilienmaklern.
Jan Harmening, Expat seit 2005
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