Fuerteventura: Auswandern auf die Insel des ewigen Frühlings

Fuerteventura zieht Auswanderer aus einem einfachen Grund an: Die Insel bietet das, was viele in Deutschland erst im Ruhestand zu träumen wagen – Sonne an mehr als 300 Tagen im Jahr, eine entspannte Lebensweise und eine gut ausgebaute Infrastruktur, die den Alltag ohne große Anpassungsschmerzen funktionieren lässt. Gleichzeitig bleibt man als EU-Bürger in einem rechtlich vertrauten Rahmen, was den Schritt erheblich erleichtert. Wer aus Deutschland auswandert, findet hier keine exotische Parallelwelt, sondern ein europäisches Leben mit mediterranem Tempo – und das zu Kosten, die deutlich unter dem Niveau der deutschen Großstädte liegen.

Strand auf Fuerteventura, Kanaren, Spanien
Strand auf Fuerteventura

Die zweitgrößte der Kanarischen Inseln ist dabei kein homogenes Pflaster. Der Norden unterscheidet sich deutlich vom Süden, die Küstenstreifen vom Inselinneren, und die quirligen Touristenhochburgen von den ruhigen Dörfern, in denen Einheimische unter sich sind. Wer hier lebt – ob als Rentner mit Zeit, als Familienmensch auf der Suche nach einer sicheren, überschaubaren Umgebung oder als Selbstständiger mit Laptop – findet je nach Prioritäten eine sehr unterschiedliche Heimat.

Dieser Artikel nimmt die wichtigsten Teilregionen der Insel genau unter die Lupe und liefert dir alle praktischen Informationen, die du für eine fundierte Entscheidung brauchst: Klima, Visum, Steuern, Krankenversicherung, Lebenshaltungskosten und die deutschsprachige Community vor Ort. Kein Reisemagazin-Glanz, sondern ehrliche Einschätzungen für Menschen, die wirklich umziehen wollen.

Die wichtigsten Teilregionen auf Fuerteventura

Corralejo (Norden)

Corralejo ist die lebendigste Gemeinde im Norden der Insel und gleichzeitig der Ort mit der größten internationalen Expat-Gemeinschaft. Die Altstadt hat noch einen echten Dorfkern mit kleinen Läden, Märkten und Lokalen abseits der Tourismuszonen, während der neuere Teil stark von Hotels und Ferienwohnungen geprägt ist. Supermärkte mehrerer Ketten, Ärzte, Apotheken, eine Fähre nach Lanzarote – die Versorgung stimmt.

Für wen geeignet: Singles, Paare und Selbstständige, die Anschluss suchen, internationales Flair schätzen und nicht auf Nachtleben verzichten wollen.

Besonderheit: Direkte Fährverbindung nach Lanzarote und zum spanischen Festland über den Hafen – praktisch für alle, die mobil bleiben wollen.

El Cotillo (Nordwesten)

Wer es ruhiger mag, ohne ins Abseits zu geraten, landet oft in El Cotillo. Das ehemalige Fischerdorf hat seinen Charakter trotz wachsender Beliebtheit bewahrt. Kleine Restaurants am Hafen, Naturstrände mit Lagunencharakter, kaum organisierter Massentourismus. Die Infrastruktur ist begrenzt – der nächste größere Supermarkt ist ein paar Kilometer entfernt – aber das Auto ist auf der Insel ohnehin Pflicht.

Für wen geeignet: Ruhesuchende, Paare ohne schulpflichtige Kinder, Surfer, Kreative und alle, die Abstand vom Trubel brauchen.

Besonderheit: Die Lagunenstrände im Norden des Ortes gehören zu den schönsten der Insel und sind auch im Hochsommer deutlich ruhiger als die großen Strände im Süden.

La Oliva und Villaverde (Inselinneres Nord)

La Oliva ist das administrative Zentrum des Nordens und eine typische kanarische Kleinstadt ohne touristischen Betrieb. Villaverde liegt wenige Kilometer entfernt und ist noch authentischer. Wer hier lebt, lebt wie die Einheimischen: günstigere Mieten, kanarische Nachbarn, keine Touristen-Infrastruktur. Wochenmärkte, lokale Ärzte, eine ruhige Atmosphäre.

Für wen geeignet: Familien, die nach lokalem Alltagsleben suchen, Rentner mit eigenem Fahrzeug und Interesse an echter Integration.

Besonderheit: Günstigste Mietpreise im Norden der Insel – für langfristige Aufenthalte finanziell attraktiv.

Puerto del Rosario (Hauptstadt, Ostküste)

Puerto del Rosario ist die einzige echte Stadt auf der Insel und das Verwaltungszentrum. Hier sitzen Behörden, das Krankenhaus der Insel, Schulen, Universitätsangebote und eine vollständige Versorgungsinfrastruktur. Touristisch unspektakulär, dafür aber funktional wie keine andere Gemeinde der Insel. Wer regelmäßig mit Behörden zu tun hat, Kinder in eine Schule schickt oder auf medizinische Versorgung angewiesen ist, wohnt hier strategisch günstig.

Für wen geeignet: Familien mit Kindern, chronisch Erkrankte, alle die auf vollständige städtische Infrastruktur angewiesen sind.

Besonderheit: Direkter Zugang zum Flughafen (wenige Minuten) und zum einzigen Allgemeinkrankenhaus der Insel – der Hospital General de Fuerteventura.

Caleta de Fuste (Ostküste, Mitte)

Caleta de Fuste ist ein vollständig durchgeplanter Ferienort – ruhig, sicher, mit allem ausgestattet, was man im Alltag braucht. Einkaufszentren, Restaurants, Ärzte, Apotheken, ein kleiner Jachthafen. Der Strand ist gesichert und besonders familienfreundlich. Es fehlt das authentisch Kanarische, dafür stimmt die Funktionalität.

Für wen geeignet: Familien mit kleinen Kindern, Rentner, die unkomplizierte Sicherheit schätzen, und alle, die einen organisierten Neustart bevorzugen.

Besonderheit: Einer der wenigen Orte der Insel mit einer nennenswerten Konzentration deutschsprachiger Dienstleister – von Immobilienmakler bis Steuerberater.

Antigua und Betancuria (Inselinneres Mitte)

Antigua ist die historisch gewachsene Mitte der Insel, Betancuria die alte Hauptstadt – einer der schönsten und ruhigsten Orte Fuerteventuras. Hier schlägt das kulturelle Herz der Insel: alte Kirchen, kanarische Architektur, kaum Touristen. Die Versorgungslage ist eingeschränkt, das Leben erfordert ein Auto und ein gewisses Maß an Eigenorganisation.

Für wen geeignet: Rentner, Schriftsteller, alle, die Ruhe, Geschichte und Authentizität über Komfort stellen.

Besonderheit: Betancuria ist als historisches Ensemble besonders geschützt – bauliche Veränderungen sind stark eingeschränkt, was den Charakter dauerhaft sichert.

Morro Jable und Jandia (Süden)

Der äußerste Süden der Insel bietet kilometerlange weiße Strände – der Playa de Sotavento gehört zu den bekanntesten Windsurf- und Kitesurfrevieren der Welt. Morro Jable ist der Hauptort der Halbinsel Jandia mit guter Infrastruktur, Supermärkten, Ärzten und einer gut vernetzten internationalen Gemeinschaft. Die Entfernung zur Hauptstadt beträgt rund 100 Kilometer.

Für wen geeignet: Sportbegeisterte, Rentner, die Ruhe und gute Infrastruktur kombinieren wollen, Paare ohne Bindung an die Hauptstadt.

Besonderheit: Durch die geografische Abgeschnittenheit von der Nordinsel entsteht ein eigenständiges, sehr ruhiges Gemeinschaftsgefühl – wer hier lebt, bleibt oft jahrelang.

Costa Calma (Südliche Ostküste)

Costa Calma liegt zwischen Caleta de Fuste und Morro Jable und ist ein weiteres stark touristisch geprägtes Küstendorf mit ruhigem Charakter. Die Windverhältnisse sind moderat, die Strände lang und sauber, die Infrastruktur auf Feriengäste ausgelegt. Wer als Langzeitbewohner günstig zur Miete lebt, findet hier außerhalb der Saison gute Konditionen.

Für wen geeignet: Ruhige Paare, Senioren, alle, die in der Nebensaison günstig und zurückgezogen leben wollen.

Besonderheit: Außerhalb der Hochsaison sind die Mietpreise deutlich niedriger als in Corralejo oder Morro Jable – für Langzeitmieter ein echter Vorteil.

Klima & Naturrisiken

Fuerteventura trägt den Beinamen „Insel des ewigen Frühlings“ nicht ohne Grund. Die Temperaturen schwanken ganzjährig wenig: Im Winter liegen sie bei 18–22 °C, im Sommer bei 25–30 °C an der Küste, vereinzelt auch höher im windgeschützten Inland. Regen ist selten – die jährliche Niederschlagsmenge liegt bei unter 150 mm, verteilt auf wenige Tage zwischen November und Februar.

Das größte Alltagsrisiko ist der Wind: Der Nordostpassat, der die Insel dauerhaft prägt, kann besonders zwischen Dezember und März erheblich stark werden. An windgeschützten Küstenabschnitten (Jandia-Südküste, Caleta de Fuste) ist das deutlich weniger spürbar als im Norden oder im Inselinneren. Sandstürme aus der Sahara – die sogenannte Calima – treten mehrmals jährlich auf und können einige Tage lang Sicht und Atemluft einschränken.

Erdbeben sind auf den Kanaren grundsätzlich möglich, die seismische Aktivität auf Fuerteventura selbst ist jedoch gering. Hurrikane berühren die Insel nicht – die Kanaren liegen außerhalb der atlantischen Hurrikan-Zone. Überschwemmungen durch Starkregen sind selten, können im Winter punktuell aber Straßen blockieren. Trockenheit ist strukturell: Fuerteventura ist die trockenste der Kanarischen Inseln, Trinkwasser wird zu einem großen Teil durch Meerwasserentsalzung gewonnen.

Visum & Aufenthalt

Als Deutsche bist du EU-Bürger – und das erleichtert den Schritt auf die Kanaren erheblich. Du darfst ohne Visum einreisen und dich bis zu drei Monate frei aufhalten. Für einen dauerhaften Wohnsitz musst du dich beim zuständigen Ausländeramt (Oficina de Extranjeros) in Puerto del Rosario anmelden und eine sogenannte NIE beantragen – die Identifikationsnummer für Ausländer, die du für praktisch alle Behördengänge, Bankkonten und Mietverträge brauchst.

Wer dauerhaft auf Fuerteventura lebt, sollte sich im Padrón municipal einschreiben – dem kommunalen Melderegister. Diese Anmeldung gibt dir Zugang zu kommunalen Leistungen und ist Voraussetzung für den Aufenthaltstitel (Certificado de Registro de Ciudadano de la UE), den du nach drei Monaten beantragen solltest. Dieser Aufenthaltstitel ist zunächst auf fünf Jahre befristet; danach kannst du eine dauerhafte Aufenthaltsberechtigung beantragen.

Rentner profitieren von denselben EU-Freizügigkeitsrechten. Besondere Rentnervisas wie in manchen Nicht-EU-Ländern gibt es nicht – du brauchst lediglich den Nachweis ausreichender finanzieller Mittel und eine Krankenversicherung. Das spanische Rentensystem ist separat vom deutschen: Wer nie in Spanien gearbeitet hat, erhält keine spanische Rente, behält aber den Anspruch auf seine deutsche Rente.

Steuern

Fuerteventura liegt als Teil der Kanarischen Inseln außerhalb des europäischen Mehrwertsteuerraums. Statt der spanischen IVA (Mehrwertsteuer, 21 %) gilt hier der deutlich niedrigere IGIC (Impuesto General Indirecto Canario) von aktuell 7 % auf die meisten Waren und Dienstleistungen. Das macht den Alltag und bestimmte Anschaffungen spürbar günstiger.

Als steuerlicher Resident in Spanien bist du mit deinem Welteinkommen in Spanien steuerpflichtig. Die Einkommensteuer (IRPF) ist progressiv gestaffelt und liegt je nach Einkommen zwischen 19 % und 47 %. Zwischen Deutschland und Spanien besteht ein Doppelbesteuerungsabkommen (DBA) – das bedeutet, dass du grundsätzlich nicht in beiden Ländern auf dieselben Einkünfte voll besteuert wirst. Welches Land das Besteuerungsrecht hat, hängt von der Einkommensart ab: Renten aus der deutschen gesetzlichen Rentenversicherung werden nach dem aktuellen DBA in Deutschland besteuert, nicht in Spanien. Selbstständige und Kapitalanleger sollten die genaue Aufteilung mit einem Steuerberater vor Ort klären.

Ein wichtiger Begriff für Neuankömmlinge mit höherem Einkommen ist das sogenannte Beckham-Gesetz (Ley Beckham), das unter bestimmten Voraussetzungen ausländischen Zuzüglern ermöglicht, für sechs Jahre als Nicht-Resident besteuert zu werden – mit einem pauschalen Steuersatz von 24 % auf Einkünfte bis 600.000 Euro. Die Voraussetzungen sind an einen Umzug aus beruflichen Gründen gebunden; wer als Rentner oder als reiner Vermögensbezieher kommt, fällt in der Regel nicht darunter.

Krankenversicherung

Als EU-Bürger mit gemeldeten Wohnsitz in Spanien hast du grundsätzlich Zugang zum spanischen Gesundheitssystem – allerdings setzt das voraus, dass du entweder sozialversicherungspflichtig beschäftigt bist, Anspruch auf Arbeitslosengeld hast oder als Rentner eine S1-Bescheinigung deiner deutschen Krankenkasse vorlegst. Die S1 ist der Schlüssel für Rentner: Wer eine deutsche gesetzliche Rente bezieht und sich diese Bescheinigung ausstellen lässt, hat vollen Zugang zur öffentlichen Krankenversorgung auf Fuerteventura – getragen von der deutschen Kasse.

Wer nicht unter diese Kategorien fällt (Selbstständige, Frührentner, Menschen von Ersparnissen), muss sich privat versichern. Der spanische Privatversicherungsmarkt bietet gute Produkte zu vergleichsweise moderaten Preisen: Für eine Person unter 50 Jahren sind 60–120 Euro monatlich realistisch, für Ältere oder mit Vorerkrankungen entsprechend mehr. Das öffentliche Krankenhaus in Puerto del Rosario versorgt die Insel; für komplexere Eingriffe sind Überweisungen nach Gran Canaria oder Las Palmas nicht ungewöhnlich.

Wer von Deutschland auf Fuerteventura umzieht und noch in der deutschen gesetzlichen Krankenversicherung pflichtversichert ist, verliert diesen Schutz in der Regel mit dem Wegzug. Eine freiwillige Weiterversicherung in der GKV ist unter bestimmten Bedingungen möglich, aber teuer und nicht immer sinnvoll. Die Entscheidung sollte vor dem Umzug sorgfältig durchdacht werden.

Lebenshaltungskosten

Fuerteventura ist günstiger als die deutschen Großstädte – aber nicht so günstig, wie viele hoffen. Durch den IGIC sind Alltagseinkäufe und Dienstleistungen preiswerter als auf dem spanischen Festland. Importierte Waren können durch Transportkosten und Zollgebühren jedoch teurer sein als erwartet.

Mieten variieren stark: In Corralejo oder Morro Jable zahlst du für eine möblierte Zweizimmerwohnung mit Meerblick in Urlaubsnähe 900–1.400 Euro monatlich. In La Oliva, Antigua oder Puerto del Rosario sind für vergleichbare Flächen 600–900 Euro realistisch. Außerhalb der Saison und in Ortschaften ohne Tourismusinfrastruktur sinken die Preise weiter.

Lebensmittel kosten im kanarischen Supermarkt (Mercadona, HiperDino, Lidl) rund 20–30 % weniger als in deutschen Städten. Auswärts essen in lokalen Restaurants ist günstig – ein Menü del día mit drei Gängen und Getränk kostet häufig 10–13 Euro. Das Auto ist unverzichtbar; Benzinpreise liegen durch niedrigere kanarische Steuern unter deutschem Niveau. Gesamtkosten für ein Paar ohne großen Luxus: realistisch 1.800–2.600 Euro monatlich, je nach Wohnort und Lebensstil.

Deutschsprachige Community

Die deutschsprachige Community auf Fuerteventura gehört zu den sichtbarsten in Spanien außerhalb des Festlands. Besonders dicht ist sie in Corralejo, Caleta de Fuste und Morro Jable. In diesen Orten gibt es deutschsprachige Immobilienmakler, Steuerberater, Ärzte und Anwälte – wer beim Start auf Deutsch kommunizieren will, findet schnell entsprechende Dienstleister.

Stammtische und informelle Treffen gibt es in mehreren Orten der Insel, teils organisiert über Facebook-Gruppen, teils durch lokale Vereine. Die deutschsprachige Expat-Gemeinschaft ist aktiv, gut vernetzt und – je nach Ort – manchmal auch eine echte Echokammer: Wer nur innerhalb dieser Community bleibt, wird die kanarische Seite der Insel kaum kennenlernen. Wer Integration sucht, muss aktiv Spanisch lernen und Kontakt zu Einheimischen und spanischsprachigen Zugezogenen suchen. Spanischkurse werden in Puerto del Rosario und Corralejo von privaten Anbietern und der Volkshochschule-ähnlichen Escuela Oficial de Idiomas angeboten.

Autorenkommentar

Fuerteventura hat mich nicht durch Spektakel überzeugt, sondern durch Beständigkeit. Die Insel liefert das, was sie verspricht – jeden Tag, ohne Überraschungen. Kein Sommer-Winter-Schock, keine bürokratische Unberechenbarkeit jenseits des Normalen, kein soziales Vakuum für Deutschsprachige. Was ich nach Jahren Auslandserfahrung auf verschiedenen Kontinenten gelernt habe: Der Alltag entscheidet, nicht der Urlaubseindruck. Und der Alltag auf Fuerteventura ist – sofern du Sonne, Wind und ein überschaubares Umfeld magst – erstaunlich angenehm.

Was ich dir mitgeben will: Schau dir die Insel mindestens vier Wochen lang an, bevor du unterschreibst. Komm außerhalb der Hauptsaison, miet dir etwas im Inland, fahr durch die Ortschaften, die du nie als Tourist gesehen hättest. Dann weißt du, ob du hier wirklich leben willst – oder nur gerne Urlaub machst. Der Unterschied ist größer, als die meisten denken.

Jan Harmening, Expat seit 2005

Hilfen für einen sorglosen Umzug auf die Kanaren

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