Illinois & Chicago: Auswandern in die Metropole am Michigansee

Wenn du beim Auswandern in die USA an Illinois denkst, hast du wahrscheinlich sofort ein Bild im Kopf: die gewaltige Skyline von Chicago, der Wind vom Michigansee und eine Stadt, die internationaler tickt als die meisten anderen Metropolen des Mittleren Westens. Genau das macht Illinois für viele deutsche Auswanderer so interessant – hier triffst du auf eine Mischung aus Großstadtleben, bezahlbaren Vororten und einer langen deutschen Einwanderungsgeschichte, die bis heute spürbar ist.

Chicago River, Illinois
Chicago River, Illinois

Illinois ist mehr als nur Chicago, auch wenn die Stadt mit Abstand der wirtschaftliche und kulturelle Mittelpunkt des Bundesstaates ist. Rund um Chicago erstreckt sich ein riesiges Einzugsgebiet mit Vororten, die von ruhigen Familiensiedlungen bis zu Unternehmenszentralen internationaler Konzerne reichen. Im Vergleich zu den Küstenmetropolen New York, Los Angeles oder San Francisco sind die Lebenshaltungskosten in weiten Teilen von Illinois deutlich moderater – bei gleichzeitig hervorragender Infrastruktur, einem der größten Flughäfen der Welt (O’Hare) und einer Wirtschaft, die von Finanzdienstleistungen über Logistik bis hin zu Technologie und Industrie breit aufgestellt ist.

Für Berufstätige bietet die Region einen der größten Arbeitsmärkte der USA, für Familien gute Schulen in den Vororten, für Selbstständige eine zentrale Lage mit exzellenten Verkehrsanbindungen, und für Rentner gibt es – wie du weiter unten sehen wirst – sogar steuerliche Argumente, die Illinois interessanter machen, als man auf den ersten Blick denkt. In diesem Artikel schauen wir uns die wichtigsten Teilregionen rund um Chicago an und decken anschließend alle praktischen Themen ab, die für deine Auswanderung relevant sind: Klima, Visum, Steuern, Krankenversicherung, Lebenshaltungskosten und die deutschsprachige Community vor Ort.

Die wichtigsten Teilregionen

The Loop & Near North Side – das urbane Herz Chicagos

Wenn du mitten im Geschehen leben möchtest, führt dich dein Weg ins Stadtzentrum. The Loop ist das Finanz- und Geschäftsviertel mit seinen markanten Hochhäusern, während der Near North Side mit der berühmten Magnificent Mile, exklusiven Geschäften und einer dichten Restaurant- und Kulturszene aufwartet. Hier lebst du in Hochhauswohnungen mit Blick auf den See oder den Fluss, alles ist fußläufig oder mit der U-Bahn (der „L“) erreichbar, und das Tempo ist hoch.

Für wen geeignet: Berufstätige in Finanzwesen, Beratung, Recht oder Tech, die kurze Wege zur Arbeit und ein urbanes Lebensgefühl schätzen.

Besonderheit: Direkter Zugang zum Lakefront Trail entlang des Michigansees – Joggen, Radfahren und Strandfeeling mitten in der Großstadt.

Lincoln Square & Ravenswood – das deutsche Erbe Chicagos

Im Norden der Stadt liegt mit Lincoln Square jenes Viertel, in dem sich um die Jahrhundertwende besonders viele deutsche Einwanderer ansiedelten. Bis heute prägen deutsche Architektur, Geschäfte und Vereine das Straßenbild. Die Atmosphäre ist deutlich entspannter als in der Innenstadt, mit gemütlichen Cafés, Boutiquen und einer lebendigen Nachbarschaftskultur entlang der Lincoln Avenue.

Für wen geeignet: Familien und alle, die einen ruhigeren, grüneren Alltag mit guter Anbindung an die Innenstadt suchen – und gerne in der Nähe deutscher Communitys leben.

Besonderheit: Heimat des DANK Haus German American Cultural Center und Schauplatz des jährlichen Maifests.

Wicker Park, Logan Square & Bucktown – kreativ und jung

Diese drei zusammenwachsenden Viertel im Nordwesten der Stadt gelten als das kreative Zentrum Chicagos. Ehemalige Industriegebäude wurden zu Lofts umgebaut, an jeder Ecke gibt es unabhängige Cafés, Galerien und Live-Musik-Locations. Die Stimmung ist jung, international und gentrifiziert, mit entsprechend steigenden Mieten.

Für wen geeignet: Selbstständige, Kreative und jüngere Berufstätige ohne Kinder, die Wert auf Lifestyle und kulturelles Angebot legen.

Besonderheit: Eine der dichtesten Konzentrationen an unabhängigen Restaurants und Bars in ganz Chicago.

Naperville & die westlichen Vororte – Familienleben mit Top-Schulen

Etwa 45 Minuten westlich von Chicago liegt Naperville, regelmäßig unter den bestbewerteten Städten der USA für Familien gelistet. Breite Straßen, große Grundstücke, hervorragende öffentliche Schulen und ein historisches Stadtzentrum entlang des DuPage River machen die Region attraktiv für alle, die mehr Platz und Ruhe suchen, ohne den Anschluss an die Großstadt zu verlieren.

Für wen geeignet: Familien mit Kindern, die Wert auf Schulqualität, Sicherheit und Wohnraum legen und mit dem Auto oder Pendlerzug zur Arbeit fahren.

Besonderheit: Der Riverwalk in der Innenstadt ist eines der schönsten kleinen Naherholungsgebiete im Großraum Chicago.

Evanston & die North Shore – gehoben und akademisch

Direkt nördlich von Chicago am Seeufer gelegen, ist Evanston Sitz der Northwestern University und Teil der sogenannten North Shore – einer Kette wohlhabender Seengemeinden wie Wilmette, Winnetka und Lake Forest. Die Architektur ist geprägt von historischen Villen, die Bevölkerung tendenziell akademisch und international.

Für wen geeignet: Familien und Berufstätige mit höherem Budget, die akademisches Umfeld, Seenähe und kurze Pendelzeiten in die Stadt schätzen.

Besonderheit: Direkte Zugverbindung (Metra) in die Innenstadt in unter 30 Minuten, dabei deutlich grüner und ruhiger als Chicago selbst.

Oak Park – Architektur und Vorstadtcharme direkt vor der Tür

Oak Park grenzt unmittelbar an die Westseite Chicagos und ist berühmt für seine Häuser im Stil von Frank Lloyd Wright. Die Gemeinde ist kompakt, gut mit der „L“ an die Innenstadt angebunden und bietet eine angenehme Mischung aus städtischem Flair und vorstädtischer Ruhe.

Für wen geeignet: Familien und Berufstätige, die nah an Chicago wohnen möchten, aber ein eigenes Haus mit Garten dem Apartment vorziehen.

Besonderheit: Eine der höchsten Dichten architektonisch bedeutsamer Wohnhäuser in den gesamten USA.

Schaumburg & die Northwest Suburbs – Wirtschaftsstandort mit deutscher Prägung

Rund um den O’Hare International Airport und entlang des sogenannten „Golden Corridor“ haben sich zahlreiche internationale Unternehmen angesiedelt – darunter auch etliche deutsche Firmen mit US-Niederlassungen. Schaumburg, Hoffman Estates und Arlington Heights bieten moderne Bürokomplexe, große Einkaufszentren und vergleichsweise erschwinglichen Wohnraum.

Für wen geeignet: Berufstätige, die für ein deutsches oder internationales Unternehmen mit Standort in der Region arbeiten, sowie Familien, die Wert auf kurze Wege zum Flughafen legen.

Besonderheit: Hohe Konzentration internationaler Firmenniederlassungen – oft ein direkter Anknüpfungspunkt für Entsendungen aus Deutschland.

Hyde Park & der Süden Chicagos – akademisch und im Wandel

Hyde Park, Heimat der University of Chicago, ist eine akademische Insel im Süden der Stadt mit beeindruckender historischer Architektur, Museen und einer internationalen Bewohnerschaft. Der Süden Chicagos insgesamt bietet günstigere Mieten, befindet sich aber teilweise noch in städtebaulichem Wandel.

Für wen geeignet: Akademiker, Forscher und alle, die eine Verbindung zur University of Chicago haben oder günstigeren Wohnraum mit kultureller Substanz suchen.

Besonderheit: Das Museum of Science and Industry und die Nähe zum Jackson Park direkt am Seeufer.

Rockford & Nordwest-Illinois – ländlich und preiswert

Etwa zwei Stunden nordwestlich von Chicago liegt Rockford, die zweitgrößte Stadt des Bundesstaates, umgeben von ländlichem Illinois mit Farmland, kleinen Städten und deutlich niedrigeren Lebenshaltungskosten. Die Region eignet sich für alle, die mehr Abstand zur Großstadt suchen, aber dennoch in erreichbarer Nähe bleiben möchten.

Für wen geeignet: Rentner und Selbstständige mit ortsunabhängiger Tätigkeit, die niedrige Lebenshaltungskosten und mehr Platz schätzen.

Besonderheit: Deutlich günstigere Immobilienpreise als im Großraum Chicago bei ähnlicher Infrastruktur in den Stadtzentren.

Springfield & Zentral-Illinois – die Landeshauptstadt und ihr Umland

Springfield, die Hauptstadt von Illinois, liegt rund dreieinhalb Stunden südlich von Chicago im landwirtschaftlich geprägten Zentral-Illinois. Die Region ist deutlich ruhiger, mit niedrigen Lebenshaltungskosten, einer überschaubaren Stadtgröße und engem Bezug zur Geschichte Abraham Lincolns.

Für wen geeignet: Rentner, die ein ruhiges, kostengünstiges Leben mit kurzen Wegen suchen, sowie Selbstständige mit Bezug zur Landwirtschaft oder zum öffentlichen Sektor.

Besonderheit: Mit Abstand die günstigsten Lebenshaltungskosten innerhalb von Illinois, kombiniert mit guter medizinischer Versorgung durch mehrere große Krankenhäuser.

Klima & Naturrisiken

Illinois liegt mitten im Kontinent und ist daher von ausgeprägten Jahreszeiten geprägt – ein deutlicher Unterschied zu vielen anderen US-Auswanderungszielen an den Küsten. Die Sommer in Chicago sind warm bis heiß, mit Temperaturen häufig über 30 Grad und gelegentlichen Hitzewellen, die durch die Nähe zum See aber meist erträglicher bleiben als im Inland. Der Winter dagegen ist lang, kalt und schneereich. Temperaturen deutlich unter dem Gefrierpunkt sind über Wochen normal, dazu kommt der berüchtigte Wind vom See, der gefühlte Temperaturen noch einmal deutlich senken kann – der Spitzname „Windy City“ ist hier durchaus wörtlich zu verstehen.

Frühling und Herbst sind in der Regel mild und wechselhaft, mit teils kräftigen Temperaturschwankungen innerhalb weniger Tage. Niederschlag ist über das Jahr verteilt relativ gleichmäßig, sodass Trockenheit im Vergleich zu vielen anderen US-Regionen kein großes Thema ist.

Bei den Naturrisiken steht für Illinois vor allem ein Thema im Vordergrund: Tornados. Der Bundesstaat liegt am Rand der sogenannten „Tornado Alley“, und besonders im Frühling und Frühsommer kommt es regelmäßig zu schweren Gewittern mit Tornado-Warnungen, vor allem in den ländlicheren Regionen Zentral- und Süd-Illinois. In Chicago selbst sind direkte Treffer seltener, Warnungen und vorsorgliche Maßnahmen gehören aber zum Alltag. Hurrikane spielen wegen der Binnenlage keine Rolle, und auch Erdbeben sind ein Randthema – allerdings liegt der äußerste Süden des Bundesstaates in der Nähe der New-Madrid-Verwerfungszone, sodass dort ein gewisses, wenn auch geringes Erdbebenrisiko besteht. Lokale Überschwemmungen entlang von Flüssen wie dem Illinois River oder dem Des Plaines River kommen nach starken Regenfällen oder Schneeschmelze gelegentlich vor und sollten bei der Wohnortwahl mitbedacht werden.

Visum & Aufenthalt

Für die Einreise und den Aufenthalt in den USA gelten bundesweite Regelungen – ein spezielles „Illinois-Visum“ gibt es nicht. Für die meisten Auswanderer aus Deutschland kommen folgende Wege infrage:

Für Berufstätige, die von einem Unternehmen entsandt oder neu eingestellt werden, sind das H-1B-Visum (für Fachkräfte mit Hochschulabschluss, allerdings über ein jährliches Losverfahren kontingentiert) und das L-1-Visum (für Mitarbeiter, die innerhalb eines Konzerns von Deutschland in die USA wechseln) die gängigsten Optionen. Gerade die hohe Dichte internationaler Unternehmen im Großraum Chicago, etwa im Bereich Schaumburg, macht den Weg über eine konzerninterne Versetzung für viele realistisch.

Für Selbstständige und Unternehmer ist das E-2-Investorenvisum relevant, da Deutschland zu den Ländern gehört, die ein entsprechendes Abkommen mit den USA haben. Voraussetzung ist eine „substantielle“ Investition in ein US-Unternehmen, das du aktiv leitest. Eine feste Mindestsumme gibt es nicht, in der Praxis bewegen sich realistische Investitionen aber meist im Bereich von mehreren Zehntausend bis hunderttausend Dollar, abhängig von der Geschäftsart.

Für eine dauerhafte Niederlassung führt der Weg in der Regel über eine Green Card, entweder familienbasiert (etwa durch Heirat mit einem US-Staatsbürger), arbeitgeberbasiert (über eine Greencard-Sponsoring durch den Arbeitgeber nach einer gewissen Zeit im Land) oder über das jährliche Green-Card-Lottery-Programm (DV Lottery), an dem sich auch deutsche Staatsbürger beteiligen können.

Für Rentner gibt es in den USA – anders als in einigen anderen Ländern – kein spezielles Rentnervisum. Wer dauerhaft in Illinois leben möchte, benötigt entweder eine Green Card über familiäre Bindungen oder muss über andere Kategorien (etwa Investorenvisum) einen Aufenthaltsstatus erlangen. Für längere, aber zeitlich begrenzte Aufenthalte als Rentner – etwa mehrmonatige Winteraufenthalte – bleibt meist nur das visumfreie Programm im Rahmen des ESTA, das touristische Aufenthalte von bis zu 90 Tagen erlaubt, aber keine dauerhafte Niederlassung darstellt.

Steuern

In den USA fallen grundsätzlich Bundessteuern und zusätzlich bundesstaatliche Steuern an. Illinois gehört zu den wenigen US-Bundesstaaten mit einer einheitlichen Einkommensteuer von 4,95 Prozent – unabhängig von der Höhe deines Einkommens. Das macht die Steuerplanung vergleichsweise einfach, auch wenn die Gesamtbelastung durch Bundessteuer, Bundesstaatssteuer und teils zusätzliche lokale Steuern am Ende durchaus spürbar ist.

Ein Punkt, der für Rentner besonders interessant ist: Illinois besteuert Renteneinkommen grundsätzlich nicht auf bundesstaatlicher Ebene. Das betrifft sowohl Bezüge aus der gesetzlichen Sozialversicherung (Social Security) als auch private Renten, IRA- und 401(k)-Auszahlungen. Damit gehört Illinois zu den steuerlich günstigeren Bundesstaaten für den Lebensabend – ein Aspekt, der bei der oft hohen Belastung durch Grundsteuern (Property Tax) in Illinois zumindest teilweise ausgeglichen wird.

Für die Beziehung zu Deutschland ist das Doppelbesteuerungsabkommen zwischen Deutschland und den USA relevant. Es regelt, welches Land bei welchen Einkommensarten das Besteuerungsrecht hat, und verhindert grundsätzlich eine doppelte Besteuerung derselben Einkünfte. US-Bürger und Green-Card-Inhaber müssen zudem unabhängig vom Wohnsitz weltweite Einkünfte in den USA deklarieren (Stichwort „Citizenship-Based Taxation“) – ein Punkt, der besonders für Selbstständige mit Einkünften aus Deutschland frühzeitig mit einem Steuerberater besprochen werden sollte, der sich mit beiden Steuersystemen auskennt. Dieser Artikel ersetzt keine individuelle Steuerberatung, gibt dir aber eine erste Orientierung für deine Planung.

Krankenversicherung

Die deutsche gesetzliche Krankenversicherung (GKV) leistet bei einem dauerhaften Umzug in die USA grundsätzlich nicht – ein Wohnsitzwechsel in die USA führt in aller Regel zum Ende der Pflichtmitgliedschaft. Auch private deutsche Krankenversicherungen bieten meist nur für begrenzte Zeiträume oder im Rahmen spezieller Auslandskrankenversicherungen Schutz in den USA, und selbst dann oft nur mit deutlich höheren Beiträgen, da die medizinischen Kosten in den USA zu den höchsten der Welt zählen.

In der Praxis bedeutet das: Für einen dauerhaften Aufenthalt in Illinois führt kaum ein Weg an einer US-amerikanischen Krankenversicherung vorbei. Wer angestellt arbeitet, erhält in den meisten Fällen eine Versicherung über den Arbeitgeber – das ist der Standardweg und meist auch der günstigste, da Arbeitgeber einen erheblichen Teil der Prämien übernehmen. Für Selbstständige, Rentner oder Personen ohne Arbeitgeberversicherung kommen Policen über den Krankenversicherungsmarktplatz (Affordable Care Act / „Obamacare“) infrage. Die monatlichen Prämien variieren stark nach Alter, Einkommen und gewähltem Tarif, bewegen sich für Einzelpersonen ohne Subventionen aber häufig im Bereich von 300 bis 700 US-Dollar, bei Familien entsprechend höher. Hinzu kommen oft hohe Selbstbeteiligungen (Deductibles), die je nach Tarif mehrere Tausend Dollar pro Jahr betragen können.

Wichtig zu wissen: Anders als in Deutschland gibt es in den USA keine allgemeine Versicherungspflicht mit zentraler Abdeckung für alle Lebenslagen – die Wahl des richtigen Tarifs und das Verständnis von Netzwerken (welche Ärzte und Krankenhäuser im jeweiligen Tarif „in-network“ sind) ist ein zentraler Bestandteil der Vorbereitung auf das Leben in Illinois.

Lebenshaltungskosten

Innerhalb von Illinois gibt es erhebliche Unterschiede bei den Lebenshaltungskosten – Chicago selbst ist deutlich teurer als die meisten Vororte und vor allem als der ländliche Rest des Bundesstaates. In begehrten Innenstadtlagen wie The Loop oder dem Near North Side bewegen sich die Mieten für eine Wohnung häufig zwischen 1.900 und 2.600 US-Dollar im Monat, was je nach Wechselkurs grob 1.600 bis 2.200 Euro entspricht. In etwas weiter vom Zentrum entfernten, aber gut angebundenen Vierteln wie Lincoln Square oder Logan Square liegen die Mieten meist deutlich darunter.

In den westlichen und nördlichen Vororten wie Naperville, Schaumburg oder Oak Park kannst du für ähnliches oder sogar niedrigeres Budget oft ein ganzes Haus mit Garten mieten oder kaufen, statt eine Wohnung in der Stadt. In Rockford, Springfield und dem übrigen Zentral- und Nordwest-Illinois sinken die Wohnkosten noch einmal deutlich – hier bewegt sich das Preisniveau teilweise auf dem Niveau mittelgroßer deutscher Städte oder sogar darunter.

Im direkten Vergleich zu Deutschland gilt: Die Lebenshaltungskosten in den USA liegen insgesamt häufig spürbar über dem deutschen Durchschnitt, wobei die Spannbreite je nach Region enorm ist. Während eine Wohnung in der Chicagoer Innenstadt eher mit München oder Hamburg vergleichbar – teils sogar teurer – ausfällt, liegen die Kosten in Zentral-Illinois oft unterhalb des Niveaus mittlerer deutscher Städte. Größere Kostentreiber im Alltag sind vor allem die Krankenversicherung, das Auto (in den meisten Teilen von Illinois außerhalb Chicagos praktisch unverzichtbar), sowie Lebensmittel, die im Schnitt teurer ausfallen als in Deutschland – besonders bei frischen und biologischen Produkten. Günstiger als in Deutschland sind dagegen häufig Kleidung, Elektronik und viele Konsumgüter durch den großen US-Massenmarkt. Öffentliche Verkehrsmittel in Chicago selbst, etwa die „L“-Bahnen und Busse der CTA, sind im Vergleich zu einem eigenen Auto sehr günstig und eine sinnvolle Alternative für alle, die in der Stadt oder den inneren Vororten leben.

Deutschsprachige Community

Kaum eine Region in den USA hat eine so tief verwurzelte deutsche Geschichte wie der Großraum Chicago. Im Stadtviertel Lincoln Square siedelten sich bereits im 19. und frühen 20. Jahrhundert besonders viele deutsche Einwanderer an, und bis heute prägt dieses Erbe das Viertel – von der Architektur über deutsche Geschäfte bis hin zu einem original erhaltenen Stück der Berliner Mauer, das die Stadt Berlin Chicago im Jahr 2008 schenkte.

Zentraler Anlaufpunkt für die deutschsprachige Community ist das DANK Haus German American Cultural Center in Lincoln Square, das seit den 1950er-Jahren besteht und mit über 150 Programmen im Jahr – von Sprachkursen über ein Museum bis zu gesellschaftlichen Veranstaltungen – einer der aktivsten deutsch-amerikanischen Treffpunkte der gesamten USA ist. Daneben gibt es zahlreiche Vereine wie den Rheinischen Verein, den St. Hubertus Jagd Club, die American Aid Society oder verschiedene Trachten- und Tanzgruppen, die unter dem Dach der United German-American Societies of Greater Chicago organisiert sind und gemeinsam Veranstaltungen wie das jährliche Maifest in Lincoln Square ausrichten.

Auch über die klassischen Vereine hinaus gibt es in Chicago eine aktive deutsche Präsenz: ein Goethe-Institut, deutsche Konsulatsdienste mit regelmäßigen Informationsveranstaltungen etwa zu Staatsbürgerschaftsfragen, sowie diverse zweisprachige Bildungsangebote für Kinder. Wer also Anschluss an andere deutschsprachige Auswanderer sucht, findet im Großraum Chicago – allen voran in und um Lincoln Square – eine der lebendigsten und am besten organisierten deutschen Communitys in den gesamten USA.

Autorenkommentar

Wenn ich an Illinois denke, fällt mir vor allem auf, wie sehr die Region zwischen zwei Welten pendelt: die pulsierende, internationale Skyline von Chicago auf der einen Seite, und nur eine Stunde weiter draußen schon das flache, weite Farmland des Mittleren Westens. Diese Bandbreite innerhalb eines einzigen Bundesstaates ist selten – und sie bedeutet, dass du als Auswanderer wirklich die Wahl hast, ob du mitten im Trubel oder lieber in einer ruhigen Vorstadt mit eigenem Garten leben möchtest, ohne dabei den Anschluss an eine internationale Wirtschaftsmetropole zu verlieren.

Was mir bei der Recherche zu diesem Artikel besonders aufgefallen ist: Die steuerliche Behandlung von Renteneinkommen in Illinois ist ein Detail, das viele bei der Planung übersehen, das aber für jeden, der seinen Ruhestand teilweise oder ganz in den USA verbringen möchte, einen handfesten finanziellen Unterschied machen kann. Kombiniere das mit der Tatsache, dass es kaum einen Ort in den USA gibt, an dem die deutsche Auswanderungsgeschichte so greifbar ist wie in Lincoln Square, und du bekommst ein Bild davon, warum Illinois für mich eines der unterschätzten Ziele unter den klassischen US-Bundesstaaten ist.

Jan Harmening, Expat seit 2005

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