Graubünden ist nicht einfach nur ein Kanton – es ist ein eigenes Universum. Mit über 150 Tälern, drei Amtssprachen und einer Fläche, die größer ist als manch ein europäisches Kleinland, bietet der südöstliche Zipfel der Schweiz eine Lebensqualität, die in Europa ihresgleichen sucht. Wer hier lebt, hat Berge vor der Haustür, saubere Luft als Standard und eine Infrastruktur, die trotz alpiner Lage erstaunlich gut funktioniert. Für Auswanderer aus Deutschland ist Graubünden ein logischer Kandidat: keine Sprachbarriere im Alltag, kurze Entfernungen zur alten Heimat und ein stabiles, sicheres Umfeld.

Das Engadin ist dabei das Herzstück und der bekannteste Teil Graubündens – ein langes Hochtal auf über 1.700 Metern Höhe, das von St. Moritz bis Scuol reicht und durch sein besonderes Licht, die türkisblauen Seen und die klare Bergluft eine fast unwirkliche Schönheit entwickelt hat. Aber Graubünden ist mehr als das Engadin: Chur als urbanes Zentrum, das Rheintal, die Surselva, das Prättigau oder das Calancatal – jede Teilregion hat ihren eigenen Charakter und ihre eigene Klientel. Hier findest du nicht nur einen Rückzugsort, sondern eine neue Heimat mit echter Substanz.
Dieser Artikel gibt dir einen strukturierten Überblick über die wichtigsten Teilregionen Graubündens und des Engadins als Auswanderungsziele – mit praktischen Informationen zu Klima, Visum, Steuern, Krankenversicherung, Lebenshaltungskosten und der deutschsprachigen Community. Ob du als Rentner, Berufstätiger, Selbstständiger oder mit Familie auswanderst: Du findest hier die relevante Orientierung für deine Entscheidung.
Die wichtigsten Teilregionen in Graubünden und dem Engadin
Chur
Als einzige Großstadt Graubündens und Kantonshauptstadt ist Chur der urbane Pol der Region. Mit rund 40.000 Einwohnern bietet die Stadt ein vollständiges Dienstleistungsangebot – vom internationalen Bahnhof über Spitäler bis zu Universitätsfilialen und einem lebhaften Gastronomieangebot in der gut erhaltenen Altstadt. Chur liegt im Rheintal auf nur 600 Metern Höhe, hat damit das mildeste Klima Graubündens und trotzdem Skigebiete in weniger als 30 Minuten Fahrzeit.
Für wen geeignet: Berufstätige, Familien, alle die städtisches Flair mit Alpinnähe verbinden wollen.
Besonderheit: Chur ist der ideale Einstiegspunkt ins Bündner Auswandererleben – mit guter Bahnverbindung nach Zürich in 75 Minuten.
Davos
Davos ist international bekannt, aber als Wohnort wird es gerne unterschätzt. Mit knapp 11.000 Einwohnern ist es die höchstgelegene Stadt Europas – das Klima ist rau, der Winter lang, aber die Infrastruktur für eine solche Höhenlage (1.560 m) bemerkenswert gut. Das Weltwirtschaftsforum gibt Davos eine internationale Strahlkraft, die sich im Dienstleistungsangebot, in den Sprachkenntnissen der Bevölkerung und in einer gut vernetzten Expat-Szene niederschlägt. Krankenhäuser, Schulen und Sportanlagen sind auf internationalem Niveau.
Für wen geeignet: Gut verdienende Berufstätige, digital Nomaden, Gesundheitstouristen mit Langzeitperspektive.
Besonderheit: Davos hat eine historisch gewachsene Tradition als Kurort für Atemwegserkrankungen – die Luft ist ausnahmslos gut.
Klosters
Klosters liegt keine 15 Kilometer von Davos entfernt, hat aber eine völlig andere Atmosphäre: leiser, exklusiver, dorfartiger. Der Ort ist seit Jahrzehnten bei wohlhabenden Briten und Europäern beliebt – nicht zufällig, denn die Verbindung zwischen Diskretion, Weltklasseinfrastruktur und Dorfcharme ist hier besonders gelungen. Klosters ist teuer, aber bietet eine Wohnqualität, die kaum anderswo in den Alpen replizierbar ist.
Für wen geeignet: Wohlhabende Rentner, Selbstständige mit internationaler Klientel, Familien mit hohem Budget.
Besonderheit: Klosters ist einer der diskretesten Wohnorte der Alpen – hohes Sozialprestige bei geringer Öffentlichkeit.
St. Moritz und Oberengadin
St. Moritz ist eine Marke, kein Ort. Wer hier wohnt, weiß das – und wer hierher zieht, zieht aus einem Grund: Prestige, Lage, Lebensstil. Das Oberengadin auf über 1.800 Metern bietet mit dem Silsersee, dem Silvaplanersee und dem Engadiner Seenplateau eine Kulisse, die im europäischen Vergleich einmalig ist. Die Infrastruktur ist auf internationalem Niveau, die Preise entsprechend. Die Lebenshaltungskosten gehören zu den höchsten in der Schweiz – und die Schweiz ist ohnehin schon teuer.
Für wen geeignet: Vermögende Rentner, Unternehmer, Menschen die das Beste wollen und sich das leisten können.
Besonderheit: Wer einen günstigen Pauschalsteuersatz (Lump-sum-Besteuerung) aushandeln kann, findet in St. Moritz und Umgebung ein legales Steuermodell von internationalem Rang.
Pontresina
Pontresina liegt wenige Kilometer von St. Moritz entfernt, ist aber deutlich entspannter und zugänglicher. Hier wohnen tatsächlich Menschen, nicht nur Ferienhäuserbesitzer. Das Ortsbild ist charmant, die Lage am Fuß des Berninamassivs atemberaubend, und die Mieten bewegen sich einen Tick unter St. Moritzer Niveau. Für Familien, die das Engadin lieben, aber keine St. Moritz-Preise zahlen wollen, ist Pontresina eine ehrliche Alternative.
Für wen geeignet: Familien, Naturliebhaber, aktive Rentner, die eine echte Dorfgemeinschaft suchen.
Besonderheit: Pontresina hat eine starke Wintersportinfrastruktur und ist gleichzeitig Ausgangspunkt für einige der schönsten Wanderrouten der Alpen.
Scuol und Unterengadin
Das Unterengadin ist der vergessene Teil des Engadins – und genau das macht es interessant. Scuol, das Zentrum dieser Region, ist ein authentisches Engadiner Dorf mit charakteristischer Sgraffito-Architektur, Thermalquellen und einer intakten romanischen Kultur. Die Preise sind deutlich moderater als im Oberengadin, die Lebensqualität hoch. Die Anbindung an Innsbruck ist gut, Zürich ist weiter weg.
Für wen geeignet: Auswanderer mit mittlerem Budget, die Authentizität vor Glamour stellen, Rentner, ruhesuchende Selbstständige.
Besonderheit: Scuol hat eine funktionierende Thermalbadeanlage, die das Gesundheits- und Wellnessangebot aufwertet – relevant für Rentner und gesundheitsbewusste Auswanderer.
Surselva (Vorderrheintal)
Die Surselva ist das romanischsprachige Herz Graubündens, mit Disentis und Ilanz als Hauptorten. Hier ist die Schweiz noch günstiger und ursprünglicher. Wer eine echte Alpingemeinschaft sucht, ohne touristisches Drumherum, ist hier richtig. Die Infrastruktur ist solide, aber nicht so ausgebaut wie in den Tourismusorten. Die Region ist durch die Rhätische Bahn gut ans Schienennetz angebunden.
Für wen geeignet: Selbstständige, Homeoffice-Berufstätige, Naturliebhaber mit niedrigem Budgetrahmen.
Besonderheit: In der Surselva kann man in der Schweiz zu vergleichsweise moderaten Preisen leben – ein echter Vorteil in einem der teuersten Länder der Welt.
Prättigau (Landquart bis Davos)
Das Prättigau ist ein breites Tal zwischen Landquart und Davos, das von Touristen kaum wahrgenommen wird, aber als Wohntal zunehmend geschätzt wird. Orte wie Küblis, Saas im Prättigau oder Grüsch bieten ruhiges alpines Wohnen mit guter Bahnverbindung nach Chur und Davos. Wer in Davos arbeitet oder im Oberland, aber nicht die dortigen Preise zahlen will, schaut sich zunehmend im Prättigau um.
Für wen geeignet: Pendler, Familien, Berufstätige im mittleren Preissegment.
Besonderheit: Das Prättigau ist einer der Geheimtipps für preiswerteres Wohnen in der Nähe von Davos – die Fahrzeit ins Zentrum beträgt weniger als 30 Minuten.
Klima & Naturrisiken
Graubünden hat ein ausgeprägtes Kontinentalklima mit erheblichen regionalen Unterschieden. Das Engadin ist durch seine Höhenlage geprägt: Die Winter sind lang, schneereich und kalt, mit Temperaturen die im Januar regelmäßig unter minus 15 Grad sinken können. Die Sommer sind kurz, aber intensiv – mit vielen Sonnenstunden und angenehmen Temperaturen zwischen 20 und 28 Grad. Das Engadin gehört zu den sonnenreichsten Regionen der Alpen, was paradoxerweise bedeutet, dass die UV-Strahlung auf 1.800 Metern deutlich stärker ist als im Flachland.
Das Churer Rheintal ist deutlich milder: Temperaturen unter minus 10 Grad sind selten, die Vegetationsperiode ist länger, und der Föhn sorgt im Frühjahr und Herbst für ungewöhnlich warme Tage. Surselva und Unterengadin liegen klimatisch dazwischen.
Die relevantesten Naturrisiken in Graubünden sind:
- Lawinen: In exponierten Tallagen ein ernstes Thema. Wohnbebauung ist reguliert, aber wer wandert oder fährt, muss die Lawinenbulletins kennen.
- Erdrutsche und Murgänge: Insbesondere in engen Tälern nach Starkregen oder Schneeschmelze. Die Region hat gut ausgebaute Frühwarnsysteme.
- Überschwemmungen: Der Inn und der Vorderrhein können bei extremen Niederschlägen anschwellen. Die meisten Ortschaften sind durch Schutzbauten gut gesichert.
- Erdbeben: Die Schweiz ist kein Hochrisikogebiet, aber Graubünden liegt in einer tektonisch aktiven Zone. Leichte Beben kommen vor, schwere sind selten.
- Starker Schneefall: Straßen können kurzfristig gesperrt sein – ein Auto mit Winterreifen ist in fast allen Teilen Graubündens Pflicht, nicht Option.
Visum & Aufenthalt
Als Deutsche hast du durch das Freizügigkeitsabkommen zwischen der EU und der Schweiz ein klares Recht auf Einreise, Wohnsitznahme und Arbeit. Das Abkommen gilt zwar bilateral und nicht über die EU-Mitgliedschaft, ist aber für Deutsche praktisch gleichwertig: Du meldest dich bei der Gemeindeverwaltung an, weist ein gültiges Aufenthaltsmotiv nach (Arbeit, Selbstständigkeit, ausreichende Mittel) und erhältst die Aufenthaltsbewilligung B.
Die wichtigsten Wege im Überblick:
Erwerbstätigkeit (Angestellt): Die häufigste Route. Du benötigst einen Arbeitsvertrag mit einem Schweizer Arbeitgeber. Die Bewilligung ist an das Arbeitsverhältnis geknüpft, verlängerbar und nach fünf Jahren in eine Niederlassungsbewilligung C umwandelbar.
Selbstständigkeit: Möglich, aber bürokratisch anspruchsvoller. Du musst die Selbstständigkeit nachweisen, ein Gewerbe anmelden und ausreichende Mittel belegen. Die Gemeinden haben einen gewissen Ermessensspielraum.
Rentner und Vorruheständler: Auch ohne Arbeit kannst du in der Schweiz wohnen, wenn du ausreichende finanzielle Mittel nachweisen kannst und krankenversichert bist. Eine Faustregel: circa 30.000 bis 40.000 CHF pro Jahr als liquide Mittel oder entsprechende Rente gelten als Richtwert, sind aber nicht gesetzlich fixiert. Dazu kommt der obligatorische Nachweis einer Schweizer Krankenversicherung.
Niederlassungsbewilligung C: Nach fünf Jahren ununterbrochenen Aufenthalts kannst du die C-Bewilligung beantragen – mit deutlich mehr Rechten, insbesondere bei Wechsel des Wohnkantons oder der Arbeitsstelle.
Eine besondere Regelung existiert nicht speziell für Graubünden, aber die Steuerbehörden einiger Gemeinden – insbesondere in St. Moritz und Umgebung – sind bekannt dafür, bei vermögenden Zuzüglern Pauschalsteuerlösungen (globale Besteuerung nach Aufwand) zu ermöglichen. Das ist keine Selbstverständlichkeit und bedarf individueller Vereinbarung.
Steuern
Die Schweiz hat ein dreistufiges Steuersystem: Bund, Kanton, Gemeinde. Graubünden liegt steuerlich im Mittelfeld der Schweizer Kantone – nicht so günstig wie Zug oder Schwyz, aber deutlich günstiger als Genf oder Basel. Innerhalb des Kantons gibt es erhebliche Unterschiede zwischen den Gemeinden. St. Moritz hat einen der niedrigsten Gemeindesteuersätze im Engadin, was einen Teil der hohen Immobilienkosten kompensiert.
Für Deutsche wichtig: Zwischen Deutschland und der Schweiz besteht ein Doppelbesteuerungsabkommen (DBA). Das bedeutet vereinfacht, dass du nicht für dieselben Einkünfte in beiden Ländern Steuern zahlen musst. Für Rentenempfänger gilt: Gesetzliche Renten aus Deutschland (gesetzliche Rentenversicherung) werden in der Regel weiterhin in Deutschland besteuert. Private Renten, Betriebsrenten und Kapitaleinkünfte unterliegen dem DBA-Verteilungsschlüssel – hier ist steuerliche Beratung durch einen in der Schweiz ansässigen Steuerberater mit Deutschland-Erfahrung unbedingt empfehlenswert.
Ein weiterer relevanter Aspekt: die Vermögenssteuer. Die Schweiz erhebt – anders als Deutschland seit 1997 – eine jährliche Vermögenssteuer. Die Sätze sind moderat, aber für Wohlhabende relevant. In Graubünden liegen die Sätze je nach Gemeinde zwischen etwa 0,1 und 0,3 Prozent des steuerbaren Nettovermögens.
Die Einkommenssteuer ist insgesamt niedriger als in Deutschland. Der kombinierte Spitzensatz aus Bund, Kanton und Gemeinde liegt in den meisten Bündner Gemeinden zwischen 25 und 35 Prozent – für viele Deutsche ein spürbarer Vorteil.
Krankenversicherung
Wer in der Schweiz wohnt, ist zur Krankenversicherung nach dem Schweizer Krankenversicherungsgesetz (KVG) verpflichtet. Die deutsche gesetzliche Krankenversicherung gilt in der Schweiz nicht – du musst dich bei einer Schweizer Krankenkasse anmelden. Das gilt für alle, die einen Schweizer Wohnsitz haben, unabhängig von Alter oder Beschäftigung.
Das Schweizer Grundversicherungssystem bietet ein sehr gutes Leistungsniveau, ist aber teuer. Die monatlichen Prämien für Erwachsene in Graubünden liegen im Jahr 2025 je nach Kasse, Franchisestufe und Modell zwischen ca. 350 und 550 CHF pro Monat – pro Person. Familien zahlen entsprechend mehr, Kinder unter 18 Jahren haben niedrigere Prämien.
Wichtige Details:
- Die Prämie ist einkommensunabhängig – du zahlst den gleichen Betrag, unabhängig davon, was du verdienst. Das ist für Gutverdiener ein Vorteil, für Geringverdiener eine Belastung.
- Prämienverbilligungen sind für Haushalte mit niedrigem Einkommen möglich und werden kantonal geregelt.
- Wer eine Grenzgängertätigkeit ausübt (Wohnsitz Schweiz, Arbeit in Deutschland oder umgekehrt), hat besondere Regelungen zu beachten.
- Zusatzversicherungen für Zahnmedizin, Naturheilkunde oder internationale Krankenhausbehandlung sind separat erhältlich und sinnvoll für Auswanderer, die regelmäßig in Deutschland behandelt werden wollen.
Lebenshaltungskosten
Die Schweiz ist teuer – das ist kein Geheimnis. Graubünden ist innerhalb der Schweiz gemischt: St. Moritz und Klosters gehören zu den teuersten Pflastern Europas, das Unterengadin oder die Surselva sind dagegen vergleichsweise erschwinglich – für Schweizer Verhältnisse.
Mieten: In St. Moritz und Davos kosten Zweizimmerwohnungen locker 2.500 bis 4.000 CHF im Monat – und mehr. In Scuol, Ilanz oder den Prättigauer Gemeinden sind 1.500 bis 2.200 CHF für eine Zweizimmerwohnung realistisch. Chur liegt dazwischen: 1.800 bis 2.800 CHF für eine Zweizimmerwohnung sind typisch.
Lebensmittel: Im Supermarkt liegt das Preisniveau etwa 50 bis 80 Prozent über deutschen Supermärkten. Wer nahe der deutschen oder österreichischen Grenze wohnt (z.B. im Raum Chur oder Unterengadin), fährt regelmäßig zum Einkaufen über die Grenze – das ist in der Region völlig normal und wird einkalkuliert.
Restaurantbesuch: Ein einfaches Mittagessen kostet in Graubünden 20 bis 35 CHF, Abendessen in einem mittleren Restaurant 40 bis 70 CHF pro Person ohne Getränke.
Mobilität: Das Schweizer ÖV-System ist ausgezeichnet. Ein GA Travelcard (Generalabonnement) kostet etwa 3.860 CHF pro Jahr und gilt für alle Züge, Busse und Bergbahnen im ÖV-Netz – ein echter Vorteil, gerade in einer Region wie Graubünden, wo Mobilität sonst mit Aufwand verbunden ist.
Als grober Orientierungsrahmen: Ein Einzelperson braucht in Graubünden außerhalb der Touristenzentren realistisch 3.500 bis 5.000 CHF monatlich für ein komfortables, aber nicht luxuriöses Leben. Paare kommen mit etwa 5.000 bis 7.000 CHF gut aus. In St. Moritz und Klosters liegt die Untergrenze für ein normales Leben deutlich höher.
Deutschsprachige Community
Graubünden ist de facto deutschsprachig dominiert – zumindest in den touristischen Zentren und im Rheintal. Chur, Davos, Klosters und das Oberengadin haben traditionell starke deutschsprachige Bevölkerungsanteile, zu denen auch viele deutschstämmige Zuzügler gehören. Die sprachliche Integration ist für Deutsche minimal aufwändig: Hochdeutsch wird überall verstanden, der Schweizerdeutsche Dialekt ist das Alltagsmedium, aber keine Barriere.
In Davos und St. Moritz gibt es seit Jahrzehnten internationale Expat-Gemeinschaften, darunter viele Deutsche. Stammtische und informelle Netzwerke für deutschsprachige Neuzuzügler sind in Davos, Chur und St. Moritz bekannt. Formelle Vereine für Deutsche in Graubünden sind weniger prominent als in anderen Schweizer Städten – die Schweiz-Deutschland-Nähe macht den Bedarf nach formeller Community-Struktur geringer.
Wer in den romanischsprachigen Tälern wie der Surselva oder dem Unterengadin lebt, wird eine stärker lokale Gemeinschaft vorfinden – die Bereitschaft zur Integration in die lokale Kultur ist dort ein klarer Vorteil. Deutschsprachige Dienstleister (Ärzte, Anwälte, Steuerberater) sind in allen größeren Orten Graubündens gut vertreten. Für spezialisierte Fragen mit Deutschlandbezug – insbesondere Steuer- und Rentenrecht – gibt es in Chur und Davos auf Expatriates spezialisierte Kanzleien.
Autorenkommentar
Graubünden ist eine Region, die sich nicht vermarkten muss – sie spricht für sich selbst. Ich habe in über zwei Jahrzehnten als Auswanderer viele Zieldestinationen von innen kennengelernt, und Graubünden gehört zu den wenigen Regionen, in denen der Ruf mit der Realität übereinstimmt: Es ist teuer, es ist alpinrauh, und es verlangt eine echte Entscheidung für diesen Lebensstil. Wer diese Entscheidung bewusst trifft – und sie sich finanziell leisten kann – findet hier eine Kombination aus Sicherheit, Naturqualität und Infrastruktur, die in Europa kaum replizierbar ist.
Was mich an Graubünden als Zielregion für Auswanderer aus Deutschland besonders überzeugt, ist die Ehrlichkeit des Angebots: Es gibt keine Steuertricks für jedermann, keine übertriebenen Versprechungen, keine Investorenprogramme. Du kommst, du meldest dich an, du zahlst Steuern und Krankenkasse – und dafür bekommst du ein funktionierendes Staatswesen, saubere Natur und eine Gesellschaft, die Verlässlichkeit als Selbstverständlichkeit betrachtet. Für Menschen, die nach Jahren in bürokratisch schwierigen Ländern zurück zu klaren Verhältnissen wollen, ist die Schweiz – und Graubünden im Besonderen – eine ernsthafte Option.
Jan Harmening, Expat seit 2005
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