Auswandern nach Korfu: Dein Ratgeber für das grüne Juwel der Ionischen Inseln

Korfu ist nicht einfach eine weitere griechische Insel. Die nordwestlich gelegene Perle der Ionischen Inseln verbindet mediterranes Flair mit üppiger Vegetation, einer reichen venezianischen Geschichte und einer Infrastruktur, die für eine griechische Insel ungewöhnlich gut ausgebaut ist. Wer hier lebt, genießt milde Winter, türkisblaues Wasser und eine Lebensqualität, die sich mit vergleichsweise bescheidenen Mitteln erreichen lässt – vorausgesetzt, man kennt die richtigen Ecken der Insel.

Griechenland, Korfu, Strand
Korfu, Strand

Für Auswanderer aus dem deutschsprachigen Raum bietet Korfu gleich mehrere Trümpfe auf einmal: Die Insel ist von Deutschland aus gut erreichbar, verfügt über einen eigenen internationalen Flughafen, hat eine vergleichsweise stabile Basisinfrastruktur und zählt zu den wenigen griechischen Inseln, auf denen auch außerhalb der Hochsaison ein echtes Gemeinschaftsleben stattfindet. Ob du als Rentner deine Rente in der Sonne strecken möchtest, als Selbstständiger mit Laptop und einem Glas lokalen Weißweins arbeitest oder als Familie eine ruhigere Kindheit im Grünen suchst – Korfu hat für jedes Auswandererprofil ein Angebot.

Dieser Artikel führt dich durch die wichtigsten Teilregionen der Insel, erklärt dir Klimabedingungen und mögliche Naturrisiken, gibt dir einen Überblick zu Visum, Steuern, Krankenversicherung und Lebenshaltungskosten – und benennt, wo auf Korfu die deutschsprachige Community besonders präsent ist. Am Ende weißt du, ob und wo auf dieser Insel dein nächstes Zuhause sein könnte.

Die wichtigsten Teilregionen auf Korfu

Korfu-Stadt (Kerkyra)

Die Inselhauptstadt ist das urbane Herz von Korfu und zugleich eine der am besten erhaltenen venezianischen Altstädte Griechenlands – UNESCO-Welterbe seit 2007. Hier findest du Krankenhäuser, Behörden, internationale Schulen, Supermärkte und ein kulturelles Angebot, das auf einer griechischen Insel seinesgleichen sucht. Das öffentliche Leben pulsiert das ganze Jahr, nicht nur im Sommer.

Für wen geeignet: Berufstätige, Selbstständige und alle, die städtische Infrastruktur nicht missen möchten.

Besonderheit: Die Altstadt mit ihren Liston-Arkaden und der venezianischen Festungsanlage bietet einen Wohnort mit echtem historischen Charakter – kein touristischer Kulissenort, sondern gelebter Alltag.

Dassia & Ipsos (Nordostküste, nahe der Hauptstadt)

Diese Küstenorte liegen rund 12 bis 15 Kilometer nördlich der Stadt und verbinden gute Erreichbarkeit mit etwas mehr Ruhe als im urbanen Zentrum. Die Infrastruktur ist solide: Supermärkte, Arztpraxen, Tavernen und Apotheken sind vorhanden. Die Strände sind flach und familienfreundlich, der Busanschluss zur Hauptstadt funktioniert zuverlässig.

Für wen geeignet: Familien und Berufstätige, die Stadtentfernung schätzen, aber auf schnelle Erreichbarkeit der Hauptstadt angewiesen sind.

Besonderheit: Ipsos ist bekannt für seine lebhafte, internationale Gemeinschaft und eines der aktivsten Wassersport-Zentren der Insel.

Paleokastritsa (Westküste, Zentralkorfu)

Wer dramatische Meereskulissen sucht, findet sie hier. Paleokastritsa liegt an einer Bucht mit türkisblauem Wasser, umgeben von Olivenhainen und Klippen. Tagsüber ist es in der Saison touristisch belebt, abseits der Hauptmonate aber ruhig und ursprünglich. Die Infrastruktur ist begrenzt – wer hier lebt, braucht ein Auto.

Für wen geeignet: Rentner und Selbstständige, die Abgeschiedenheit und Natur dem städtischen Trubel vorziehen.

Besonderheit: Das Kloster Paleokastritsa thront über der Bucht und gehört zu den fotografisch meistfestgehaltenen Orten Griechenlands – dein Ausblick vom Wohnzimmer kann hier buchstäblich atemberaubend sein.

Sidari & Acharavi (Nordküste)

Der nördlichste Teil der Insel zieht mit flachen, sandigen Stränden und entspannter Atmosphäre vor allem Familien und Ruhesuchende an. Sidari ist bekannt für seinen sogenannten „Kanal der Liebe“, Acharavi für breitere Strände und ein ruhigeres Ortsklima. Beide Orte haben eine handvoll gut funktionierender Läden, Restaurants und medizinischer Basisversorgung.

Für wen geeignet: Rentner und Familien, die Tourismus in Maßen akzeptieren und Wert auf Natur und Entschleunigung legen.

Besonderheit: Im Vergleich zur Ostküste ist hier das Mietpreisniveau nochmals günstiger – ein klarer Vorteil für Auswanderer mit begrenztem Budget.

Kassiopi (Nordostspitze)

Kassiopi war einst ein Fischerdorf, hat seinen Charakter aber weitgehend bewahrt. Der kleine Hafen, das byzantinische Kastell und die engen Gassen verleihen dem Ort eine Authentizität, die viele Touristenhochburgen längst verloren haben. Gleichzeitig gibt es Supermärkte, Restaurants und einen Arzt – die Grundversorgung stimmt. Bis zur Hauptstadt sind es rund 40 Kilometer.

Für wen geeignet: Rentner und Paare, die historisches Ambiente mit Meeresnähe verbinden möchten.

Besonderheit: Kassiopi ist einer der wenigen Orte auf Korfu, der auch im Winter eine erkennbare Gemeinschaft bietet – kein Geisterort nach Saisonende.

Benitses & Moraitika (Südostküste)

Diese beiden kleinen Küstenorte südlich der Hauptstadt gelten als ruhigere, günstigere Alternative zum städtischen Wohnen. Moraitika hat einen hübschen Sandstrand, Benitses wurde in den 1980ern von Pauschaltouristen überrannt, hat sich inzwischen aber beruhigt und zeigt wieder mehr Dorfcharakter. Die Anbindung an Korfu-Stadt per Bus ist gegeben.

Für wen geeignet: Rentner und Paare in der zweiten Lebenshälfte, die Ruhe, Natur und Preiswürdigkeit kombinieren möchten.

Besonderheit: Benitses beherbergt das Achilleion-Schloss in nächster Nähe – Kaiserin Sisis einstiger Rückzugsort, heute Museum, ist praktisch vor der Haustür.

Agios Gordios & Sinarades (Westküste, Zentralbereich)

Agios Gordios ist ein langer, breiter Sandstrand an der Westküste, flankiert von steilen Hügeln und kleinen Dörfern im Hinterland. Das Dorf Sinarades in der Nähe ist ein typisches korfiotisches Bergdorf mit lokaler Atmosphäre, niedrigen Lebenshaltungskosten und kaum Tourismus. Wer hier lebt, taucht tief in das griechische Alltagsleben ein.

Für wen geeignet: Selbstständige und Paare, die Abgeschiedenheit, niedrige Kosten und Authentizität suchen.

Besonderheit: Die Kombination aus Strand in Gehnähe und ruhigem Dorfleben im Hinterland ist auf Korfu selten – und hier besonders gut gelungen.

Kavos (Südspitze)

Kavos ist kein klassisches Auswandererziel – der Ort lebt primär vom Partytourismus junger Briten und ist im Sommer entsprechend laut. Außerhalb der Saison ist es jedoch sehr ruhig, die Mieten sind günstig und die Landschaft im äußersten Süden der Insel hat ihren eigenen Reiz. Eine Überlegung wert für alle, die günstig einsteigen und die Isolation im Winter ertragen können.

Für wen geeignet: Junge Auswanderer oder Sparfüchse mit hoher Toleranz für saisonale Gegensätze.

Besonderheit: Wer in Kavos günstig mietet und im Sommer für Einnahmen sorgt – etwa durch Vermietung oder saisonale Arbeit – kann die Winterruhe produktiv nutzen.

Klima & Naturrisiken

Korfu gehört zu den grünsten Inseln Griechenlands – und das hat einen Grund: Der Niederschlag ist im Vergleich zu anderen ägäischen Inseln deutlich höher. Die Insel liegt in der ionischen Klimazone, die durch milde, feuchte Winter und trockene, heiße Sommer geprägt ist.

Die Sommer sind lang und sonnig, von Mai bis Oktober mit kaum Regen. Temperaturen von 30 bis 35 Grad im Juli und August sind normal. Die Winter sind mild, selten unter 8 bis 10 Grad, aber regnerisch – besonders von November bis Februar kann es über Wochen bewölkt bleiben. Schnee ist eine Ausnahme.

Zu den Naturrisiken zählt in erster Linie die seismische Aktivität. Die Ionischen Inseln liegen in einer der seismisch aktivsten Zonen Europas. Leichte bis mittlere Erdbeben kommen regelmäßig vor, schwere Beben sind selten, aber nicht auszuschließen – wie das Erdbeben vor Kefalonia 2014 zeigt. Waldbrandgefahr besteht im Sommer, ist auf Korfu aufgrund der feuchteren Vegetation jedoch etwas geringer als auf anderen griechischen Inseln. Starke Regenfälle im Winter können lokale Überschwemmungen und Erdrutsche auf Hanglagen verursachen.

Visum & Aufenthalt

Als EU-Bürger hast du das Recht, in Griechenland zu leben und zu arbeiten – ohne Visum, ohne Einschränkungen. Die formale Hürde ist niedrig: Du meldest dich beim zuständigen Einwohnermeldezentrum an und beantragst eine griechische Steuernummer (AFM) sowie eine Sozialversicherungsnummer (AMKA), sofern du diese benötigst.

Für einen dauerhaften Wohnsitz – also wenn du deinen deutschen Hauptwohnsitz abmeldest und dauerhaft auf Korfu lebst – ist die Anmeldung bei der zuständigen Gemeinde (Dimos Kerkyras) erforderlich. Rentner beantragen dort auch ihre Bescheinigung als EU-Bürger mit Daueraufenthaltsrecht nach fünf ununterbrochenen Jahren.

Besonders relevant für Nicht-EU-Partner oder für Drittstaatsangehörige: Diese benötigen je nach Herkunftsland ein Visum. Für deutsche Staatsangehörige mit griechischem Wohnsitz entfällt dieser Schritt vollständig. Wer langfristig plant, sollte dennoch frühzeitig klären, ob sein Lebensmittelpunkt steuerlich und sozialversicherungsrechtlich in Griechenland oder Deutschland liegt – das hat erhebliche Konsequenzen für Krankenversicherung und Rentenansprüche.

Steuern

Griechenland hat in den vergangenen Jahren aktiv an Steueranreizen für ausländische Einwanderer gearbeitet. Besonders interessant ist das sogenannte Non-Dom-Regime für ausländische Rentner: Wer seinen steuerlichen Wohnsitz nach Griechenland verlegt und bislang nicht in Griechenland ansässig war, kann unter bestimmten Voraussetzungen eine Pauschalsteuer von 7 % auf ausländische Einkünfte in Anspruch nehmen – für einen Zeitraum von bis zu 15 Jahren. Das ist insbesondere für Rentner mit deutschen Rentenzahlungen attraktiv.

Das Doppelbesteuerungsabkommen zwischen Deutschland und Griechenland besteht und regelt, welchem Staat das Besteuerungsrecht für bestimmte Einkommensarten zusteht. Deutsche Renten aus der gesetzlichen Rentenversicherung werden nach dem DBA grundsätzlich in Deutschland besteuert – das Non-Dom-Regime greift hier also möglicherweise nicht vollständig. Eine individuelle steuerliche Beratung durch einen Steuerberater mit DBA-Kenntnissen ist unbedingt zu empfehlen, bevor du deinen Wohnsitz offiziell verlegst.

Selbstständige und Freiberufler profitieren in Griechenland von einem flachen Einkommensteuertarif, der je nach Einkommensart und -höhe unterschiedlich ausfällt. Die Mehrwertsteuer beträgt in Griechenland 24 % (Standardsatz), auf den Inseln gibt es historisch reduzierte Sätze, die jedoch nach und nach angeglichen wurden.

Krankenversicherung

Die deutsche gesetzliche Krankenversicherung gilt nicht dauerhaft für Auswanderer, die ihren Wohnsitz dauerhaft nach Griechenland verlegen. Mit Aufgabe des deutschen Wohnsitzes erlischt in der Regel der Anspruch auf Leistungen der deutschen GKV.

Als EU-Bürger hast du Zugang zum griechischen öffentlichen Gesundheitssystem (EOPYY), sobald du dort angemeldet und sozialversicherungsrechtlich erfasst bist. Die Qualität der öffentlichen Versorgung auf Korfu ist im Vergleich zu anderen griechischen Inseln überdurchschnittlich – es gibt ein Krankenhaus in Korfu-Stadt mit Notaufnahme und Fachabteilungen. Für spezialisierte Eingriffe wird man jedoch häufig auf das Festland (Athen, Patras) verwiesen.

Private Krankenversicherung ist für Auswanderer auf Korfu daher sehr empfehlenswert. Internationale Tarife für eine Person im Alter von 50 Jahren beginnen je nach Leistungsumfang bei rund 80 bis 150 Euro monatlich. Für Familien sind 200 bis 400 Euro monatlich ein realistischer Richtwert. Anbieter wie Cigna, Allianz Care oder AXA bieten entsprechende internationale Policen an. Rentner sollten prüfen, ob sie die europäische Krankenversicherungskarte (EHIC) aus Deutschland übergangsweise nutzen können – dauerhaft ist das keine Lösung.

Lebenshaltungskosten

Korfu ist eine der teureren griechischen Inseln, wenn man sie mit Festlandstandorten oder weniger touristischen Inseln vergleicht. Trotzdem liegt das Kostenniveau deutlich unter dem deutscher Großstädte.

Mieten: In Korfu-Stadt zahlst du für eine möblierte 2-Zimmer-Wohnung in guter Lage zwischen 500 und 900 Euro monatlich, je nach Ausstattung und Jahreszeit (Jahresmieten sind günstiger als saisonale). In Dörfern im Inselinneren oder an der Nordküste sind 300 bis 550 Euro realistisch.

Lebensmittel: Im Supermarkt liegst du als Einzelperson mit rund 200 bis 300 Euro monatlich gut, als Paar mit 350 bis 500 Euro. Lokale Produkte – Olivenöl, Fisch, Gemüse, Oliven – sind deutlich günstiger als in Deutschland. Importierte Markenprodukte können teurer sein.

Restaurants: Ein einfaches Mittagessen in einer lokalen Taverne kostet 8 bis 14 Euro. Ein Abendessen mit Wein für zwei Personen liegt bei 30 bis 55 Euro.

Mobilität: Ein Auto ist auf Korfu nahezu unverzichtbar, wenn du nicht in der Hauptstadt lebst. Benzin kostet ähnlich wie in Deutschland. Gebrauchtwagen sind auf der Insel verfügbar, aber das Angebot ist überschaubar.

Gesamtbudget: Ein Paar ohne Miete kann auf Korfu mit 1.200 bis 1.800 Euro monatlich komfortabel leben. Mit Miete und privatem Krankenversicherungsschutz sind 2.000 bis 2.800 Euro ein realistischer Richtwert für ein angenehmes Leben ohne Verzicht.

Deutschsprachige Community

Korfu zählt zu den Inseln mit einer erkennbar gewachsenen deutschsprachigen Gemeinschaft – wenn auch nicht so strukturiert wie in manchen Festlandsstädten. Die Deutschen, Österreicher und Schweizer, die hier dauerhaft oder langfristig leben, konzentrieren sich vor allem in und um Korfu-Stadt sowie an der Nordost- und Nordküste (Ipsos, Kassiopi, Acharavi).

Organisierte Vereine im klassischen Sinne sind auf Korfu rar – das Gemeinschaftsleben der deutschsprachigen Expats findet eher informell statt: in Facebook-Gruppen (etwa „Deutsche auf Korfu“), in Stammtischrunden, die sich in bestimmten Tavernen treffen, oder über deutsch- und österreichischgeführte Unternehmen wie Immobilienmakler, Reiseanbieter und einzelne Gastronomien.

Wer aktiv nach Kontakt sucht, findet ihn – aber du musst selbst die Initiative ergreifen. Die Community ist eher lose vernetzt, was für manche ein Nachteil, für andere aber gerade der Reiz ist: kein Expat-Ghetto, sondern echter Kontakt mit der griechischen Bevölkerung und anderen internationalen Bewohnern.

Autorenkommentar

Korfu ist keine Insel, die sich sofort erschließt – sie hat Schichten. Die venezianische Geschichte, die britische Kolonialperiode, das griechische Alltagsleben in den Dörfern im Inselinneren: Das alles überlagert sich, und wer dauerhaft hier lebt, bekommt Zugang zu einem Lebensraum, der weitaus komplexer ist als das Urlaubsbild vermuten lässt. Für Auswanderer bedeutet das: Du musst bereit sein, dich einzulassen – dann gibt die Insel wirklich etwas zurück.

Was ich dir praktisch mitgeben möchte: Schau dir Korfu unbedingt in der Nebensaison an, bevor du eine Entscheidung triffst. Zwischen November und März zeigt die Insel ihr wahres Gesicht – mit Regen, geschlossenen Lokalen und einer Stille, die viele unterschätzen. Wer das aushält und es sogar genießt, hat auf Korfu langfristig mehr gewonnen als verloren. Wer das nicht aushält, sollte ehrlich mit sich sein – und vielleicht eher eine Insel mit ganzjährigem Betrieb ins Auge fassen.

Jan Harmening, Expat seit 2005

Hilfen für einen sorglosen Umzug nach Griechenland

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