Tokio & Greater Tokyo: Auswandern in die pulsierendste Metropolregion der Welt

Kaum eine Region der Welt vereint so viel Kontrast wie Tokio und sein Umland. Auf der einen Seite ultramoderne Wolkenkratzer, U-Bahn-Netze, die auf die Minute pünktlich funktionieren, und eine Technologiedichte, die ihresgleichen sucht. Auf der anderen Seite jahrhundertealte Schreine, ruhige Wohnviertel mit engen Gassen und eine Alltagskultur, die auf Respekt, Ordnung und Gemeinschaft baut. Genau diese Mischung macht Greater Tokyo für Auswanderer aus Deutschland so attraktiv: Du bekommst westlichen Komfort, asiatische Sicherheit und eine der spannendsten Städte der Welt in einem Paket.

Japan-Yokohama-Berg Fuji
Yokohama mit dem Berg Fuji im Hintergrund

Die Vorzüge sind vielfältig. Die Sicherheitslage gehört zu den besten weltweit, das öffentliche Verkehrsnetz ist so dicht und zuverlässig, dass viele Bewohner ganz ohne Auto auskommen, und das Gesundheitssystem zählt trotz aller Sprachbarrieren zu den leistungsfähigsten Asiens. Hinzu kommt eine enorme Jobvielfalt für Fachkräfte, Selbstständige und Unternehmer, während Rentner von niedrigen Lebenshaltungskosten außerhalb der Innenstadt und einem exzellenten medizinischen Angebot profitieren. Familien wiederum finden ein Bildungssystem mit wachsender Auswahl an internationalen Schulen und eine kinderfreundliche, sichere Umgebung vor.

Greater Tokyo ist dabei keineswegs nur „die eine Stadt“ – die Metropolregion erstreckt sich über mehrere Präfekturen mit sehr unterschiedlichem Charakter. In diesem Artikel zeige ich dir die wichtigsten Teilregionen, gehe auf Klima, Visum, Steuern, Krankenversicherung und Lebenshaltungskosten ein und erkläre dir, wie stark die deutschsprachige Community vor Ort ist.

Die wichtigsten Teilregionen

Minato-ku & Shibuya-ku (Zentraler Innenbezirk)

Diese beiden Bezirke bilden das internationale Herz Tokios. Hier konzentrieren sich Botschaften, internationale Unternehmen und eine große Expat-Community. Die Infrastruktur ist erstklassig: U-Bahn-Anschluss im Minutentakt, internationale Supermärkte, Restaurants aus aller Welt und ein pulsierendes Nachtleben rund um Roppongi und Shibuya.

Für wen geeignet: Berufstätige in internationalen Unternehmen, Selbstständige mit Kundenkontakt zur internationalen Community, gut situierte Familien.

Besonderheit: Höchste Mietpreise der Region, dafür maximale internationale Anbindung und kurze Wege zu Botschaften und internationalen Schulen.

Setagaya-ku

Der bevölkerungsreichste Bezirk Tokios gilt als grüne, familienfreundliche Wohngegend mit ruhigeren Straßenzügen abseits der Hauptachsen. Viele Parks, gute Grundschulen und eine überschaubare, aber wachsende Expat-Präsenz prägen das Bild.

Für wen geeignet: Familien mit Kindern, die Wert auf ruhige Wohnlagen bei gleichzeitig guter Anbindung legen.

Besonderheit: Deutlich günstigere Mieten als in Minato oder Shibuya, dabei trotzdem zentral genug für Pendler.

Yokohama (Präfektur Kanagawa)

Japans zweitgrößte Stadt liegt nur rund 30 Minuten südlich von Tokio und bietet eine eigenständige, etwas entspanntere Atmosphäre mit einer der größten Chinatowns Asiens und einer langen Geschichte als internationaler Hafen. Die Infrastruktur ist ausgezeichnet, die Anbindung an Tokio über mehrere Bahnlinien nahezu lückenlos.

Für wen geeignet: Familien und Berufstätige, die Großstadtqualität ohne die Enge des Tokioter Zentrums suchen.

Besonderheit: Traditionell hohe internationale Präsenz durch den Hafen, dazu spürbar niedrigere Lebenshaltungskosten als im Tokioter Zentrum.

Kawasaki (Präfektur Kanagawa)

Direkt zwischen Tokio und Yokohama gelegen, ist Kawasaki ein wichtiger Industrie- und Wirtschaftsstandort mit zunehmend modernisierten Wohnvierteln, besonders rund um den Bahnhof Musashi-Kosugi mit seinen Hochhaussiedlungen.

Für wen geeignet: Berufstätige in Industrie, Technik und Logistik, die eine zentrale Lage zwischen zwei Wirtschaftszentren schätzen.

Besonderheit: Vergleichsweise günstige Mieten bei hervorragender Zuganbindung in beide Richtungen.

Saitama-Stadt (Präfektur Saitama)

Nördlich von Tokio gelegen, ist Saitama eine der am schnellsten wachsenden Präfekturen im Speckgürtel der Hauptstadt. Die Stadt selbst bietet solide Infrastruktur, spürbar mehr Platz und ein ruhigeres Lebenstempo, ohne die Anbindung an Tokio zu verlieren.

Für wen geeignet: Familien und Rentner, die mehr Wohnraum für weniger Geld suchen und Wert auf gute Zuganbindung legen.

Besonderheit: Deutlich niedrigere Immobilien- und Mietpreise bei Fahrzeiten von 30 bis 45 Minuten ins Zentrum.

Chiba-Stadt & Umgebung (Präfektur Chiba)

Östlich von Tokio gelegen, verbindet Chiba städtische Infrastruktur mit Nähe zur Küste und zum Flughafen Narita. Die Region ist bekannt für ihre Ausgewogenheit zwischen urbaner Anbindung und ruhigeren Wohnlagen, teils sogar mit Strandnähe.

Für wen geeignet: Familien, Rentner und Berufstätige mit häufigen internationalen Reisen dank Nähe zum Flughafen.

Besonderheit: Günstige Mieten kombiniert mit direktem Zugang zu Küste, Golfplätzen und dem internationalen Flughafen.

Musashino & Mitaka (Westliches Tokio)

Diese Gegend im Westen der Stadt, bekannt durch den beliebten Kichijoji-Bahnhof, gilt regelmäßig als eine der beliebtesten Wohngegenden unter den Tokiotern selbst. Grünflächen wie der Inokashira-Park, ein entspanntes Kleinstadtgefühl und trotzdem gute Zuganbindung machen den Reiz aus.

Für wen geeignet: Familien und Berufstätige, die urbanes Flair mit einem dörflicheren, grünen Lebensgefühl kombinieren möchten.

Besonderheit: Hohe Lebensqualität bei moderateren Mietpreisen als im eigentlichen Zentrum.

Kamakura & Shonan-Küste (Präfektur Kanagawa)

Für alle, die etwas Abstand vom Großstadttrubel suchen, ohne auf gute Anbindung zu verzichten, bietet sich die Küstenregion südlich von Yokohama an. Kamakura punktet mit historischen Tempeln, Stränden und einem entschleunigten Lebensrhythmus, ist aber innerhalb einer Stunde in Tokio erreichbar.

Für wen geeignet: Rentner und Selbstständige mit ortsunabhängiger Tätigkeit, die Ruhe, Natur und Küste schätzen.

Besonderheit: Einzigartige Kombination aus Kulturerbe, Strandnähe und Großstadtanbindung.

Klima & Naturrisiken

Greater Tokyo liegt in der gemäßigt-subtropischen Klimazone mit vier deutlich ausgeprägten Jahreszeiten. Der Frühling von März bis Mai bringt die berühmte Kirschblüte und mildes, angenehmes Wetter. Der Sommer von Juni bis September ist heiß, feucht und drückend – Temperaturen um 35 Grad bei hoher Luftfeuchtigkeit sind keine Seltenheit, dazu kommt die Regenzeit im Juni. Der Herbst gilt vielen als schönste Jahreszeit mit stabilem, mildem Wetter und Laubfärbung, während die Winter kühl, aber meist trocken und sonnig verlaufen, mit gelegentlichem, selten dauerhaftem Schnee.

Naturrisiken solltest du realistisch einordnen. Japan liegt in einer der aktivsten Erdbebenzonen der Welt, und auch Greater Tokyo ist regelmäßig von leichteren Beben betroffen. Die Bausubstanz ist jedoch auf hohem Niveau erdbebensicher konstruiert, und Katastrophenschutz sowie Frühwarnsysteme gehören zu den besten weltweit. Zwischen August und Oktober ziehen zudem gelegentlich Taifune über die Region, die zu Starkregen und lokalen Überflutungen führen können, meist aber gut vorhersehbar und beherrschbar sind. Wer sich mit den örtlichen Notfallprotokollen vertraut macht, kann diese Risiken gut managen.

Visum & Aufenthalt

Als deutscher Staatsbürger kannst du ohne Visum bis zu 90 Tage visumfrei nach Japan einreisen, für einen dauerhaften Aufenthalt brauchst du jedoch einen passenden Aufenthaltstitel. Für Berufstätige ist das Arbeitsvisum der klassische Weg, meist gebunden an ein konkretes Jobangebot und eine entsprechende Qualifikation. Selbstständige und Unternehmer können über ein Business-Manager-Visum einreisen, das allerdings gewisse Kapital- und Geschäftsplan-Anforderungen mit sich bringt. Für hochqualifizierte Fachkräfte existiert zudem ein Punktesystem, das bei ausreichender Punktzahl schnellere Wege zur unbefristeten Niederlassungserlaubnis eröffnet.

Für Rentner gibt es in Japan anders als in vielen südostasiatischen Ländern kein spezielles Rentnervisum. Wer im Ruhestand dauerhaft bleiben möchte, braucht daher meist familiäre Bindungen, ein Studien- oder Kulturvisum, oder muss über andere Wege wie Investitionen einen passenden Status finden – realistischerweise ist der Ruhestand in Japan ohne bestehende Verbindung ins Land eher die Ausnahme. Nach in der Regel zehn Jahren durchgehendem Aufenthalt ist eine unbefristete Niederlassungserlaubnis möglich, bei Ehe mit japanischen Staatsangehörigen verkürzt sich diese Frist deutlich.

Steuern

Japan besteuert Ansässige grundsätzlich nach dem Welteinkommensprinzip, sobald du deinen gewöhnlichen Aufenthalt im Land hast. Die Einkommensteuer ist progressiv gestaffelt und kann in Kombination mit lokalen Steuern (Präfektur- und Gemeindesteuer) in höheren Einkommensklassen spürbar über deutschem Niveau liegen. Für die ersten fünf Jahre gilt für Nicht-Dauerhaft-Ansässige eine vereinfachte Regelung, nach der nur in Japan erzieltes sowie nach Japan überwiesenes Auslandseinkommen besteuert wird – ein Punkt, den du bei der Finanzplanung unbedingt berücksichtigen solltest.

Zwischen Deutschland und Japan besteht ein Doppelbesteuerungsabkommen, das eine doppelte Besteuerung von Einkommen grundsätzlich vermeidet und regelt, welchem Land welches Besteuerungsrecht zusteht. Für konkrete Fragen zu deiner individuellen Situation, insbesondere bei Kapitaleinkünften, Renten oder selbstständiger Tätigkeit, empfiehlt sich in jedem Fall eine Beratung durch einen auf deutsch-japanisches Steuerrecht spezialisierten Experten.

Krankenversicherung

Die deutsche gesetzliche Krankenversicherung leistet in Japan grundsätzlich nicht, da Japan nicht zu den Ländern mit Sozialversicherungsabkommen zählt, das die deutsche Auslandskrankenversicherung abdeckt. Wer sich in Japan niederlässt, wird in der Regel pflichtversichert, entweder über die arbeitgebergebundene Krankenversicherung oder über die nationale Krankenversicherung (Kokumin Kenko Hoken) für Selbstständige und Nichterwerbstätige. Die Beiträge richten sich nach dem Einkommen und liegen für die nationale Variante meist im mittleren dreistelligen Euro-Bereich pro Monat, decken dafür aber rund 70 Prozent der Behandlungskosten ab.

Für die Übergangsphase bis zur lokalen Versicherung sowie als Ergänzung empfiehlt sich eine private internationale Krankenversicherung, die auch Sprachmittlung und höherwertige medizinische Standards absichert. Das japanische Gesundheitssystem selbst gilt als sehr leistungsfähig, allerdings sprechen längst nicht alle Ärzte Englisch, weshalb englischsprachige oder internationale Kliniken besonders in Tokio, Yokohama und den zentralen Bezirken eine wichtige Rolle spielen.

Lebenshaltungskosten

Die Kostenunterschiede innerhalb von Greater Tokyo sind erheblich. In zentralen Bezirken wie Minato oder Shibuya zahlst du für eine kleine Ein-Zimmer-Wohnung schnell 1.200 bis 1.800 Euro Miete im Monat, vergleichbar mit Preisen in München oder sogar darüber. In Vororten wie Saitama, Chiba oder weiter außerhalb liegenden Teilen Kanagawas sinken die Mieten deutlich, oft auf 600 bis 900 Euro für vergleichbaren Wohnraum, bei gleichzeitig mehr Platz.

Lebensmittel und Restaurantbesuche sind im Vergleich zu deutschen Großstädten oft überraschend günstig, besonders bei japanischer Küche und lokalen Supermärkten, während importierte westliche Produkte deutlich teurer ausfallen können. Größter Kostentreiber neben der Miete ist meist die Bildung: Internationale Schulen für Familien können mehrere tausend Euro Jahresgebühren kosten, während der Nahverkehr dank dichtem Netz vergleichsweise günstig und effizient bleibt. Unterm Strich lässt sich Greater Tokyo je nach gewählter Region zwischen dem Kostenniveau von Berlin und dem von Zürich einordnen.

Deutschsprachige Community

Die deutschsprachige Community in Greater Tokyo ist überschaubar, aber gut organisiert und historisch gewachsen. Deutsche Unternehmen, die Deutsche Botschaft sowie mehrere deutsch-japanische Handelskammern und Kulturinstitutionen sorgen für ein festes Netzwerk an Kontaktpunkten. Konzentriert findet sich die Community vor allem rund um Minato-ku, wo auch die Deutsche Schule Tokyo Yokohama mit ihrem Campus in Yokohama ein zentraler Anlaufpunkt für deutschsprachige Familien ist.

Regelmäßige Stammtische, das Deutsch-Japanische Kulturinstitut sowie diverse Vereine rund um Sport, Kultur und Wirtschaft bieten gute Gelegenheiten, Anschluss zu finden. Auch wenn die Szene kleiner ist als etwa in Bangkok oder Dubai, profitierst du von einer sehr aktiven und langjährig etablierten deutschsprachigen Infrastruktur, die von Kirchengemeinden bis zu deutschsprachigen Ärzten reicht.

Autorenkommentar

Tokio ist eine Stadt, die dir am Anfang das Gefühl gibt, alles gleichzeitig verstehen zu müssen – und genau das macht sie so reizvoll. Ich habe selbst erlebt, wie unterschiedlich sich das Leben in einer Metropole je nach Stadtteil anfühlen kann, und Greater Tokyo treibt dieses Prinzip auf die Spitze. Zwischen dem Tempo von Shibuya und der Ruhe von Kamakura liegen Welten, obwohl beide Orte in derselben Metropolregion liegen. Wer glaubt, Tokio sei nur eine riesige, anonyme Stadt, hat meistens nur den Bahnhofsvorplatz gesehen.

Was ich dir mitgeben will: Nimm dir Zeit, bevor du dich für einen Stadtteil entscheidest. Die Unterschiede in Miete, Alltag und Tempo sind größer, als es von außen den Anschein hat, und die richtige Wahl entscheidet maßgeblich darüber, ob du dich in Japan wohlfühlst oder ständig gegen das System ankämpfst. Wer sich darauf einlässt, findet in Greater Tokyo eine der sichersten, effizientesten und zugleich kulturell reichsten Regionen der Welt zum Leben.

Jan Harmening, Expat seit 2005Mehr über mich

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