Wenn du beim Wort „Rumänien“ an graue Plattenbauten denkst, kennst du Siebenbürgen noch nicht. Zwischen den Karpatenbögen liegt eine Region, die auf den ersten Blick mehr an Bayern oder Sachsen erinnert als an das, was Klischees über Osteuropa versprechen: befestigte Kirchenburgen, Fachwerkgiebel, gotische Türme und Ortsnamen, die neben dem rumänischen auch einen deutschen Klang tragen. Kronstadt, Hermannstadt, Klausenburg – das sind keine Übersetzungsspielereien, sondern 800 Jahre gelebte Geschichte der Siebenbürger Sachsen, die hier seit dem Mittelalter Städte gründeten, Zünfte organisierten und eine Kultur hinterließen, die bis heute sichtbar ist.

Für dich als Auswanderer bedeutet das einen seltenen Vorteil: Du fängst nicht bei null an. Deutsche Schulen, deutschsprachige Gottesdienste und ein Kulturraum, der vertraut und exotisch zugleich wirkt, machen die Region zu einem sanften Einstieg in ein Land, das oft unterschätzt wird. Dazu kommen praktische Argumente – die Lebenshaltungskosten liegen deutlich unter deutschem Niveau, Sibiu war Kulturhauptstadt Europas, die Kirchenburgenlandschaft gehört zum UNESCO-Welterbe, und Cluj-Napoca hat sich zu einem der dynamischsten IT- und Studentenzentren Osteuropas entwickelt. Von München nach Sibiu bist du in der Luft kürzer unterwegs als nach Mallorca.
Dieser Artikel nimmt dich mit durch die wichtigsten Teilregionen Siebenbürgens – von der Studentenstadt Cluj-Napoca über das mittelalterliche Sibiu bis zum bergumrahmten Brasov – und liefert dir alle praktischen Informationen, die du für deine Auswanderung brauchst: Visum, Steuern, Krankenversicherung, Lebenshaltungskosten und die Frage, wie stark die deutschsprachige Community vor Ort wirklich ist.
Die wichtigsten Teilregionen Siebenbürgens
Brasov (Kronstadt)
Brasov ist die Stadt, die die meisten Rumänien-Reisenden zuerst kennenlernen, und das aus gutem Grund. Eingebettet zwischen bewaldeten Karpatenhängen, mit einem intakten mittelalterlichen Altstadtkern rund um die Schwarze Kirche und die enge Gasse „Strada Sforii“, hat Brasov diesen seltenen Mix aus Kleinstadt-Charme und großstädtischer Infrastruktur. Die Seilbahn auf den Tampa-Berg, direkt am Stadtrand, bringt dich in wenigen Minuten von der Fußgängerzone in den Wald. Von hier aus erreichst du Schloss Bran und die Kirchenburgenroute in unter einer Stunde, ebenso die Skigebiete von Poiana Brasov.
Für wen geeignet: Familien und Berufstätige, die Naturnähe mit guter Infrastruktur verbinden wollen, sowie Aktivsportler, die Wandern, Skifahren und Mountainbiken vor der Haustür schätzen.
Besonderheit: Brasov hat eine wachsende internationale Community und mehrere internationale Schulen, was den Umzug mit Kindern erleichtert.
Sibiu (Hermannstadt)
Sibiu ist das kulturelle Herzstück Siebenbürgens und für viele Deutsche der emotionalste Ankerpunkt der Region. Die Altstadt mit ihren „Augen“ in den Dachfenstern, den beiden ineinander verschachtelten Plätzen und der Brückenlügenbrücke wurde 2007 als Kulturhauptstadt Europas ausgezeichnet – und die Stadt hat diesen Schub seither gehalten. Hier ist die deutsche Geschichte am greifbarsten: Straßennamen, Kirchen, Schulen und ein Alltagsleben, das bis heute Spuren der sächsischen Vergangenheit trägt.
Für wen geeignet: Rentner und Kulturinteressierte, die eine ruhigere, überschaubare Stadt mit hoher Lebensqualität suchen, ohne auf urbane Annehmlichkeiten zu verzichten.
Besonderheit: Die aktivste deutschsprachige evangelische Kirchengemeinde Rumäniens hat hier ihren Sitz, inklusive Altersheim und sozialen Angeboten für deutschsprachige Senioren.
Cluj-Napoca (Klausenburg)
Cluj ist das Gegenstück zu Sibius beschaulicher Eleganz: eine pulsierende Universitätsstadt mit über 100.000 Studierenden, einer der stärksten IT-Branchen Osteuropas und einer Ausgehszene, die durchaus mit westeuropäischen Großstädten mithalten kann. Internationale Tech-Unternehmen haben hier Niederlassungen aufgebaut, die Gehälter liegen über dem rumänischen Durchschnitt, und die Stadt wächst schnell – was sich auch an steigenden Mieten bemerkbar macht.
Für wen geeignet: Berufstätige und Selbstständige, insbesondere aus IT, Beratung und kreativen Branchen, die ein dynamisches Arbeitsumfeld mit guter Anbindung suchen.
Besonderheit: Cluj hat den mit Abstand größten Coworking- und Startup-Sektor Siebenbürgens und eine spürbar internationale Expat-Szene.
Sighisoara (Schäßburg)
Wer sich ein mittelalterliches Städtchen wie aus dem Bilderbuch vorstellt, findet es in Sighisoara: enge Kopfsteinpflastergassen, ein Stundenturm, bunte Fassaden und die Geburtsstätte Vlad Tepes‘, besser bekannt als Vorbild für Dracula. Die Stadt ist deutlich kleiner und ruhiger als Brasov oder Cluj, touristisch geprägt in der Hochsaison, aber im Alltag ein sehr beschauliches Pflaster.
Für wen geeignet: Rentner und Menschen, die Ruhe, Geschichte und ein überschaubares Umfeld einer pulsierenden Großstadt vorziehen.
Besonderheit: Die Altstadt gehört zum UNESCO-Weltkulturerbe, was für stabile Immobilienpreise im historischen Kern sorgt, aber auch strenge Bauauflagen mit sich bringt.
Die Kirchenburgenroute (Viscri, Biertan, Malancrav)
Zwischen den großen Städten liegt das eigentliche Herzstück der sächsischen Kulturlandschaft: kleine Dörfer mit wehrhaften Kirchenburgen, die einst Schutz vor Angriffen boten. Viscri, Biertan und Malancrav sind die bekanntesten, teils mit Unterstützung von Stiftungen und internationalen Initiativen liebevoll restauriert. Das Leben hier ist ländlich, ruhig und in vielen Fällen ohne verlässliches Internet oder tägliche Einkaufsmöglichkeiten vor Ort.
Für wen geeignet: Aussteiger und naturverbundene Rentner, die ein authentisches, sehr ländliches Leben suchen und mit begrenzter Infrastruktur zurechtkommen.
Besonderheit: Mehrere Dörfer gehören zum UNESCO-Welterbe, was die Region zu einem Anziehungspunkt für nachhaltigen Tourismus und Landwirtschaftsprojekte macht.
Medias (Mediasch)
Zwischen Sibiu und Sighisoara gelegen, ist Mediasch ein kleineres Industriestädtchen mit einem historischen Kern, der die alte Stadtbefestigung und einen von schönen Häusern gesäumten Marktplatz bewahrt hat. Die Stadt ist deutlich weniger touristisch als ihre Nachbarn, dafür bodenständiger und günstiger.
Für wen geeignet: Menschen, die eine ruhige Kleinstadt mit kurzen Wegen und niedrigen Lebenshaltungskosten suchen, ohne komplett auf dem Land zu leben.
Besonderheit: Die zentrale Lage zwischen Sibiu und Sighisoara macht Tagesausflüge in beide Richtungen unkompliziert.
Alba Iulia (Karlsburg)
Alba Iulia ist historisch und politisch bedeutend – hier wurde 1918 die Vereinigung Siebenbürgens mit Rumänien besiegelt – und heute eine ruhige, gepflegte Kleinstadt mit einer imposanten Sternfestung im Zentrum. Das Tempo ist merklich langsamer als in Cluj oder Brasov, die Infrastruktur solide, aber ohne den internationalen Anstrich der größeren Städte.
Für wen geeignet: Rentner und Familien, die Wert auf ein sicheres, überschaubares Umfeld mit guter Basisversorgung legen und internationale Trubel nicht brauchen.
Besonderheit: Die Festungsanlage und die historische Bedeutung machen die Stadt zu einem beliebten Ziel für kulturell interessierte Neuankömmlinge, trotz geringer Expat-Präsenz.
Targu Mures
Targu Mures liegt am Übergang zwischen Siebenbürgen und dem Szeklerland und ist geprägt von einer starken ungarischen Minderheit, was sich in Architektur, Sprache und Alltagskultur zeigt. Die Stadt hat ein renommiertes Universitätsklinikum mit deutschsprachigem Medizinstudiengang, was sie für medizinisch interessierte Auswanderer und deren Familien attraktiv macht.
Für wen geeignet: Familien mit Bezug zu medizinischen Berufen oder Ausbildung sowie Menschen, die eine multikulturelle Kleinstadt mit ungarisch-rumänischem Doppelcharakter suchen.
Besonderheit: Die Universität von Targu Mures bietet einen deutschsprachigen Medizin- und Zahnmedizinstudiengang, der Studierende und deren Familien aus Deutschland anzieht.
Klima & Naturrisiken
Siebenbürgen hat ein gemäßigt-kontinentales Klima mit deutlich ausgeprägten Jahreszeiten – kälter und schneereicher im Winter, wärmer im Sommer, als du es aus Norddeutschland kennst, aber ohne die Extreme mediterraner Regionen. Die Winter bringen regelmäßig Schnee, besonders in den höheren Lagen um Brasov und im Karpatenbogen, mit Temperaturen, die durchaus zweistellig im Minusbereich liegen können. Die Sommer sind warm bis heiß, mit Tageshöchstwerten um 28 bis 32 Grad, aber ohne die drückende Schwüle, die du aus südlicheren Regionen kennst. Frühling und Herbst sind mild und gelten unter Einheimischen als die angenehmsten Reisezeiten.
Nennenswerte Naturrisiken gibt es in Siebenbürgen kaum. Erdbeben sind in Rumänien vor allem im Vrancea-Gebiet im Osten des Landes ein Thema, weniger in Siebenbürgen selbst, auch wenn stärkere Beben in der ganzen Landesmitte spürbar sein können. Hochwasser tritt gelegentlich an kleineren Flüssen nach starken Regenfällen im Frühjahr auf, betrifft aber typischerweise ländliche Gebiete und selten die großen Städte. Hurrikane oder tropische Stürme spielen in dieser Klimazone keine Rolle. Insgesamt zählt die Region zu den naturklimatisch unproblematischeren Ecken Europas – ein Pluspunkt, den viele Auswanderer bei der Standortwahl unterschätzen.
Visum & Aufenthalt
Als deutscher Staatsbürger profitierst du in Rumänien von der EU-Freizügigkeit. Du brauchst kein Visum, um einzureisen, dich niederzulassen oder zu arbeiten – ein Personalausweis oder Reisepass genügt. Ab einem Aufenthalt von mehr als drei Monaten musst du dich allerdings bei der zuständigen Ausländerbehörde (Inspectoratul General pentru Imigrări) registrieren und eine Bescheinigung über den Aufenthalt (certificat de înregistrare) beantragen. Diese ist an einen Zweck gebunden – Arbeit, Selbstständigkeit, Studium, ausreichende finanzielle Mittel für Rentner oder Familienzusammenführung.
Für Rentner ist der Weg unkompliziert: Du musst lediglich nachweisen, dass du über ausreichende finanzielle Mittel und eine Krankenversicherung verfügst. Eine Mindestrente ist nicht gesetzlich festgeschrieben, in der Praxis solltest du aber realistisch kalkulieren, dass die Behörde plausible, regelmäßige Einkünfte sehen möchte. Für Berufstätige, die remote für einen deutschen Arbeitgeber arbeiten, oder Selbstständige mit eigenem Gewerbe ist die Registrierung ebenfalls unproblematisch, da EU-Bürger keinen gesonderten Arbeitsmarktzugang beantragen müssen. Nach fünf Jahren durchgehendem, rechtmäßigem Aufenthalt kannst du eine Daueraufenthaltserlaubnis beantragen, die dir noch mehr Sicherheit gibt, auch wenn sie als EU-Bürger ohnehin selten notwendig ist.
Steuern
Rumänien gilt steuerlich als vergleichsweise attraktiv, vor allem wegen der Flat Tax: Die Einkommensteuer liegt pauschal bei 10 Prozent, unabhängig von der Höhe deines Einkommens – deutlich unter dem progressiven deutschen System. Für Selbstständige gibt es zusätzlich das Modell der Mikrounternehmen (microîntreprindere), bei dem statt des Gewinns der Umsatz besteuert wird, mit Sätzen zwischen 1 und 3 Prozent je nach Umsatzhöhe und Branche – ein Modell, das viele Freelancer und digitale Nomaden aus Deutschland gezielt nutzen.
Zwischen Deutschland und Rumänien besteht ein Doppelbesteuerungsabkommen, das verhindert, dass du dieselben Einkünfte in beiden Ländern versteuern musst. Entscheidend ist dabei, wo dein steuerlicher Lebensmittelpunkt liegt – in der Regel dort, wo du dich mehr als 183 Tage im Jahr aufhältst und deinen gewöhnlichen Wohnsitz hast. Wenn du deinen Lebensmittelpunkt tatsächlich nach Rumänien verlagerst, wirst du dort steuerpflichtig, nicht mehr in Deutschland. Die konkrete Ausgestaltung hängt stark von deiner individuellen Situation ab – Rentenbezug, Kapitaleinkünfte, selbstständige oder unselbstständige Arbeit werden unterschiedlich behandelt. Eine verbindliche Einschätzung für deinen Fall solltest du daher mit einem Steuerberater klären, der sich mit deutsch-rumänischen Sachverhalten auskennt.
Krankenversicherung
Die deutsche gesetzliche Krankenversicherung gilt in Rumänien nicht automatisch weiter, sobald du deinen Wohnsitz dauerhaft verlagerst. Solange du in Deutschland gesetzlich rentenversichert bist und eine deutsche Rente beziehst, kannst du über das EU-Sozialversicherungsabkommen und Formulare wie die S1-Bescheinigung Zugang zum rumänischen öffentlichen Gesundheitssystem erhalten – ein Weg, den viele deutsche Rentner in der Region nutzen. Für Berufstätige und Selbstständige, die in Rumänien arbeiten, greift in der Regel die rumänische gesetzliche Krankenversicherung (CNAS), sobald du dort Sozialabgaben zahlst.
Das öffentliche Gesundheitssystem in Rumänien ist funktionsfähig, aber regional unterschiedlich ausgestattet – in Cluj-Napoca und Sibiu findest du moderne Kliniken mit gut ausgebildetem Personal, in ländlicheren Gegenden ist die Versorgung dünner. Viele Auswanderer, gerade wenn sie es sich leisten können, setzen zusätzlich auf eine private Krankenversicherung oder Zusatzversicherung, um kürzere Wartezeiten und Zugang zu Privatkliniken zu haben. Die Kosten dafür bewegen sich, abhängig von Alter und Absicherungsumfang, häufig im Bereich von 30 bis 150 Euro monatlich – deutlich günstiger als vergleichbare private Absicherung in Deutschland. Wichtig: Kläre vor dem Umzug konkret mit deiner Krankenkasse und gegebenenfalls einem spezialisierten Versicherungsberater, welche Variante für deine individuelle Situation passt.
Lebenshaltungskosten
Innerhalb Siebenbürgens gibt es spürbare Preisunterschiede. Cluj-Napoca ist mittlerweile die teuerste Stadt der Region – getrieben durch die starke IT-Branche, internationale Zuzügler und eine wachsende Studierendenschaft, die den Wohnungsmarkt unter Druck setzt. Eine Zwei-Zimmer-Wohnung im Zentrum kann hier durchaus 500 bis 700 Euro Miete kosten, in Randlagen entsprechend weniger. Brasov und Sibiu liegen spürbar darunter, mit vergleichbaren Wohnungen häufig zwischen 350 und 550 Euro. In kleineren Städten wie Sighisoara, Mediasch oder Alba Iulia sinken die Mieten oft auf 250 bis 400 Euro, und in den ländlichen Kirchenburgendörfern kannst du ganze Häuser für einen Bruchteil dessen finden, was du in Deutschland für eine Wohnung zahlst.
Als grobe Orientierung: Das Preisniveau für Miete, Lebensmittel und Restaurantbesuche liegt in Siebenbürgen insgesamt deutlich unter deutschem Durchschnitt, in vielen Bereichen bewegt sich der Unterschied im Bereich von 40 bis 60 Prozent günstiger als etwa in München oder Hamburg. Wichtige Kostentreiber sind vor allem die Miete in den größeren Städten, importierte Produkte im Supermarkt sowie Auto und Sprit, während lokale Lebensmittel, Restaurantbesuche und Dienstleistungen wie Handwerksarbeiten spürbar günstiger sind. Energie- und Heizkosten solltest du für den Winter realistisch einkalkulieren, da die kalten Monate in Siebenbürgen durchaus anspruchsvoll ausfallen können.
Deutschsprachige Community
Siebenbürgen ist die Region Rumäniens mit der historisch tiefsten deutschen Verwurzelung. Schätzungen gehen von rund 12.000 verbliebenen Deutschstämmigen in der Region aus, vor allem Siebenbürger Sachsen, mit Schwerpunkten in Hermannstadt, Kronstadt, Mediasch und Klausenburg. Zusätzlich leben schätzungsweise 175.000 Nachkommen der Siebenbürger Sachsen in der weiteren Region, von denen viele noch Deutsch sprechen oder zumindest einen kulturellen Bezug pflegen, auch wenn ein großer Teil in den 1990er-Jahren nach Deutschland ausgewandert ist.
Sibiu hat die aktivste institutionelle Struktur: Die evangelische Kirchengemeinde A.B. betreibt hier seit Jahrhunderten deutschsprachige Gottesdienste, es gibt deutsche Schulen, Kindergärten und soziale Einrichtungen speziell für die verbliebene sächsische Gemeinschaft. In Brasov und Cluj-Napoca findest du zusätzlich eine wachsende Schicht internationaler Expats und Remote-Worker, die eine eigene, eher informelle deutschsprachige Szene bilden – über Stammtische, Sprachcafés und Online-Communities, weniger über traditionelle Vereine. Deutschsprachige Dienstleister, etwa Ärzte, Notare oder Immobilienmakler mit Deutschkenntnissen, sind in den größeren Städten grundsätzlich zu finden, in kleineren Orten und Dörfern wird es dünner, dort hilft dir häufig eher die persönliche Vernetzung vor Ort weiter.
Autorenkommentar
In Siebenbürgen erwartet man osteuropäisches Flair und findet stattdessen Kirchenburgen, gotische Stadttore und eine Kulturgeschichte, die man sonst eher in Süddeutschland verortet – nur eben mit rumänischen Preisen, rumänischer Bürokratie und einem gänzlich anderen Lebenstempo. Genau diese Mischung macht die Region interessant: Du bekommst kulturelle Nähe, ohne auf die Vorteile eines südosteuropäischen Lebens verzichten zu müssen.
Wenn du überlegst, hierher auszuwandern, würde ich dir raten, dir mindestens zwei der drei großen Städte vor Ort anzuschauen, bevor du dich festlegst. Sibiu und Cluj könnten unterschiedlicher kaum sein – das eine ruhig und traditionsbewusst, das andere schnell und durchdigitalisiert. Beide haben ihre Berechtigung, aber sie sprechen völlig unterschiedliche Lebensentwürfe an, und das merkst du erst, wenn du selbst durch die Straßen gelaufen bist.
Jan Harmening, Expat seit 2005 – Über uns
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