Tamarin & Südwesten: Mauritius‘ Surfer Paradies für Auswanderer mit Bodenhaftung

Wer Mauritius auswandern will und dabei mehr sucht als Hotelanlagen und Poolbars, landet früher oder später im Südwesten der Insel. Tamarin und die umliegenden Küstenorte zwischen Black River und Rivière Noire haben sich zu einer der beliebtesten Regionen für Langzeitresidenten entwickelt – nicht wegen künstlicher Lagunen, sondern wegen echter Wellen, echter Berge und einer Lebensart, die deutlich unaufgeregter ist als im touristischen Norden.

Blick auf den Tourelle-Du-Tamarin
Blick auf den Tourelle Du Tamarin

Der Südwesten punktet mit einer Kombination, die auf Mauritius selten ist: dramatische Landschaft (die Bergkette rund um den Black River Gorges Nationalpark liegt praktisch vor der Haustür), erstklassige Wellen für Surfer und Kitesurfer, ein trockeneres Mikroklima als im Rest der Insel und eine der größten und am besten organisierten Expat-Communitys überhaupt. Wer hier lebt, verbringt seine Nachmittage eher am Strand von La Preneuse als im Einkaufszentrum – und genau das zieht Auswanderer an, die Ruhe und Natur höher gewichten als Shopping-Malls.

Dieser Artikel nimmt dich mit durch die wichtigsten Teilregionen von Tamarin und dem Südwesten, von Küstenorten mit Surferflair bis zu ruhigen Wohnvierteln im Hinterland. Danach klären wir alle praktischen Fragen: Klima, Visum, Steuern, Krankenversicherung, Lebenshaltungskosten und wie stark die deutschsprachige Community vor Ort tatsächlich vertreten ist.

Die wichtigsten Teilregionen von Tamarin & Südwesten

Tamarin

Tamarin ist das Herzstück der Region und gleichzeitig ihr bekanntester Name. Der Ort liegt an der Mündung des Rivière Tamarin, wo Fluss und Meer aufeinandertreffen und regelmäßig Delfine vor der Küste zu beobachten sind. Die Atmosphäre ist unprätentiös: kleine Villen und Bungalows, ein paar Cafés und Restaurants, keine Hochhäuser, kein Nachtleben im großen Stil. Die Infrastruktur ist solide, aber nicht überladen – ein Supermarkt, mehrere Ärzte, gute Restaurants und der bekannte „Tamarin Beach“ für den Sonnenuntergang.

Für wen geeignet: Surfer, Familien mit älteren Kindern, alle, die naturnahes Wohnen ohne touristischen Trubel suchen.

Besonderheit: Tamarin Bay gilt als einer der besten Surfspots der Insel und zieht seit Jahrzehnten eine internationale Surfszene an.

La Preneuse

Direkt südlich von Tamarin schließt sich La Preneuse an, ein ruhigerer, noch dörflicherer Küstenabschnitt mit einem langen, öffentlich zugänglichen Sandstrand. Hier stehen mehr traditionelle mauritische Häuser neben modernen Neubauten, und das Preisniveau liegt spürbar unter dem von Tamarin selbst. Die Strandpromenade wird abends zum Treffpunkt für Einheimische und Zugezogene gleichermaßen.

Für wen geeignet: Auswanderer mit kleinerem Budget, die trotzdem in Strandnähe wohnen wollen.

Besonderheit: Einer der wenigen Orte im Südwesten mit einem wirklich langen, freien Sandstrand direkt am Ort.

Black River (Rivière Noire)

Black River ist administratives und logistisches Zentrum der Region – hier befinden sich der Yachthafen, mehrere Bootsverleiher für Delfin- und Angeltouren sowie der Eingang zum Black River Gorges Nationalpark. Der Ort selbst ist funktional statt pittoresk, dafür mit guter Anbindung an Ärzte, Apotheken und Behörden. Wer im Südwesten ein Boot besitzen oder häufig wandern gehen möchte, wohnt am liebsten in der Nähe.

Für wen geeignet: Boots- und Wassersportfans, alle, die Zugang zum Nationalpark schätzen.

Besonderheit: Ausgangspunkt für die Bergwanderwege der Black River Gorges mit Blick bis zur Südküste.

Grande Rivière Noire

Etwas weiter südlich, in Richtung Nationalpark, liegt Grande Rivière Noire – ruhiger, grüner und deutlich weniger dicht besiedelt als Tamarin. Die Straße windet sich zwischen Zuckerrohrfeldern und Bergausläufern, Nachbarschaften sind hier eher verstreut als kompakt. Wer Privatsphäre und Grundstück statt Nachbarschaftsleben sucht, wird hier fündig.

Für wen geeignet: Rentner und Berufstätige im Homeoffice, die Abgeschiedenheit und Grün dem Trubel vorziehen.

Besonderheit: Direkter Zugang zu den Wanderwegen des Black River Gorges Nationalparks, oft mit Blick auf die Bergkette der „Trois Mamelles“.

Case Noyale

Case Noyale ist ein kleines, noch ursprüngliches Dorf zwischen Black River und dem Süden der Insel, geprägt von traditionellen Kreolhäusern und einer markanten Kirche. Für Auswanderer ist der Ort eher ein Wohnort im Hintergrund als ein eigenes Zentrum – wer hier lebt, pendelt für Einkäufe und Ausgehen meist nach Tamarin oder Flic en Flac.

Für wen geeignet: Auswanderer, die authentisches mauritisches Dorfleben abseits der Expat-Blase suchen.

Besonderheit: Bekannt für die farbenfrohe Hindu-Kirche „Notre Dame de la Salette“ und einen der schönsten Ausblicke auf die Bucht.

La Gaulette

La Gaulette liegt im äußersten Südwesten, näher an Le Morne, und hat sich zu einem kleinen Zentrum für Kitesurfer entwickelt. Der Ort ist überschaubar, mit wenigen, aber guten Restaurants und einer entspannten, fast schon abgelegenen Stimmung. Wer hier wohnt, ist auf ein Auto angewiesen, wird dafür aber mit einer der spektakulärsten Küstenkulissen der Insel belohnt – direkt gegenüber liegt die Halbinsel Le Morne Brabant.

Für wen geeignet: Wassersportler, alle, die maximale Ruhe und Naturnähe suchen und mobil sind.

Besonderheit: Sprungbrett zu den Kitesurf-Spots rund um Le Morne, einer der windreichsten und fotogensten Küstenabschnitte der Insel.

Bambous & Hinterland

Wer weiter ins Landesinnere zieht, landet in Orten wie Bambous – deutlich mauritischer geprägt, mit niedrigeren Miet- und Kaufpreisen, aber auch weniger direktem Strandzugang. Für Auswanderer, die vor allem günstiger wohnen und trotzdem in 10 bis 15 Autominuten am Meer sein wollen, ist das Hinterland eine unterschätzte Option.

Für wen geeignet: Preisbewusste Auswanderer und alle, die im echten mauritischen Alltag ankommen wollen.

Besonderheit: Deutlich günstigere Immobilienpreise bei kurzer Fahrzeit zur Küste.

Klima & Naturrisiken

Der Südwesten von Mauritius profitiert von einem der trockensten Mikroklimas der Insel. Während der Osten und Süden häufiger Regen und Wind abbekommen, liegt Tamarin im Windschatten der zentralen Bergketten – das macht die Region besonders sonnenreich und ist einer der Hauptgründe für ihre Beliebtheit bei Surfern und Sonnenanbetern.

Der mauritische Sommer von November bis April ist warm bis heiß, feucht und die eigentliche Zyklonsaison. Tropische Wirbelstürme können in dieser Zeit auftreten, meist mit einigen Tagen Vorwarnung, und führen gelegentlich zu Schulschließungen und vorübergehenden Ausgangsbeschränkungen. Direkttreffer sind selten, aber Starkregen und starker Wind gehören in dieser Jahreszeit zur Normalität. Der Winter von Mai bis Oktober ist trockener, milder und windiger – ideal für Wanderungen im Black River Gorges Nationalpark, aber auch die Hauptsaison für Wellenreiter, da der Südwesten dann besonders konstanten Swell abbekommt.

Erdbeben spielen auf Mauritius praktisch keine Rolle, die Insel liegt fernab aktiver Verwerfungslinien. Lokale Überschwemmungen können nach heftigen Regenfällen in tiefer gelegenen Straßenabschnitten auftreten, betreffen aber eher einzelne Straßenzüge als ganze Ortschaften. Insgesamt gehört der Südwesten zu den klimatisch günstigeren Regionen der Insel – ein Argument, das bei der Standortwahl nicht unterschätzt werden sollte.

Visum & Aufenthalt

Für Deutsche gibt es auf Mauritius mehrere realistische Wege in einen längeren Aufenthalt. Der einfachste Einstieg ist das Premium-Visum: kostenlos, online beantragbar, für zunächst ein Jahr gültig und verlängerbar, solange das Einkommen nachweislich aus dem Ausland stammt. Es eignet sich hervorragend, um die Region ein Jahr lang zu testen, bevor größere Entscheidungen anstehen – Voraussetzung ist eine gültige Krankenversicherung sowie der Nachweis stabiler Auslandseinkünfte.

Für einen dauerhafteren Aufenthalt kommen mehrere Optionen infrage. Berufstätige mit Arbeitsvertrag bei einem mauritischen Arbeitgeber beantragen ein Occupation Permit, das an ein Mindestgehalt gekoppelt ist. Selbstständige können ein Self-Employed Permit erhalten, wenn sie ein Mindesteinkommen aus ihrer Tätigkeit auf Mauritius nachweisen. Für Rentner ab 50 Jahren gibt es das Retired Permit: Voraussetzung ist ein monatlicher Transfer von rund 1.500 Euro beziehungsweise 18.000 Euro jährlich auf ein mauritisches Bankkonto. Diese Mittel sind frei verfügbar und nicht gesperrt.

Wer investieren möchte, kann über den Kauf einer Immobilie im Rahmen der staatlichen Property-Development-Programme (PDS) direkt einen dauerhaften Aufenthaltstitel für sich und die Familie erhalten – ab einem Kaufpreis von rund 375.000 US-Dollar. Diese Programme sind im Südwesten, gerade rund um Tamarin und Black River, mit mehreren Projekten vertreten. Für EU-Bürger gelten keine besonderen Beschränkungen, die Antragswege sind vergleichsweise unbürokratisch, auch wenn die Bearbeitung von Permits mehrere Monate dauern kann.

Steuern

Bei der Rentenbesteuerung lohnt sich ein genauer Blick, denn hier unterscheidet das Doppelbesteuerungsabkommen zwischen den Rentenarten. Die gesetzliche Rente aus der Deutschen Rentenversicherung bleibt nach Artikel 17 Absatz 2 des Abkommens ausschließlich in Deutschland steuerpflichtig, da sie zu einem Sozialversicherungssystem gehört – daran ändert auch ein Wohnsitz auf Mauritius nichts. Gleiches gilt für Beamtenpensionen, die nach dem Kassenstaatsprinzip ebenfalls in Deutschland versteuert werden.

Anders sieht es bei Betriebsrenten und privaten Rentenversicherungen aus: Diese werden nach Artikel 17 Absatz 1 des Abkommens grundsätzlich nur im Wohnsitzstaat besteuert – bei dauerhaftem Wohnsitz auf Mauritius also dort, und zwar nach dem dortigen Remittance-Prinzip, bei dem nur tatsächlich auf die Insel überwiesene Beträge steuerpflichtig sind.

Die mauritische Einkommensteuer selbst ist vergleichsweise moderat und einfach zu handhaben, die jährliche Steuererklärung lässt sich in relativ kurzer Zeit online erledigen, eine Gewerbesteuer wie in Deutschland existiert nicht. Steuerlich ansässig wird, wer mindestens 183 Tage im Jahr auf der Insel verbringt oder über einen festen Wohnsitz verfügt. Da die Zuordnung zwischen gesetzlicher Rente, Betriebsrente und privater Vorsorge im Einzelfall komplex sein kann und zusätzliche Einkunftsarten wie Kapitalerträge oder Immobilienbesitz in Deutschland eine Rolle spielen, führt an einer individuellen Steuerberatung kein Weg vorbei.

Krankenversicherung

Die deutsche gesetzliche Krankenversicherung gilt auf Mauritius grundsätzlich nicht – wer dauerhaft auswandert, muss sich privat absichern. Für die meisten Visa- und Permit-Kategorien ist der Nachweis einer gültigen Krankenversicherung ohnehin Voraussetzung für die Antragstellung.

In der Praxis greifen Auswanderer entweder auf internationale Krankenversicherungen mit Weltschutz zurück oder auf lokale mauritische Policen, die günstiger, aber im Leistungsumfang oft eingeschränkter sind. Die Kosten variieren stark je nach Alter, Vorerkrankungen und gewünschtem Deckungsumfang – grob ist mit einigen Hundert bis über tausend Euro im Jahr für jüngere, gesunde Einzelpersonen zu rechnen, während ältere Auswanderer und Familien deutlich mehr einplanen sollten. Die medizinische Versorgung im Südwesten selbst ist solide: Es gibt mehrere gute Kliniken in erreichbarer Nähe, für spezialisierte Behandlungen wird häufig auf die größeren Krankenhäuser im Großraum Port Louis oder Réunion ausgewichen.

Lebenshaltungskosten

Innerhalb von Tamarin und dem Südwesten schwanken die Lebenshaltungskosten deutlich je nach Teilregion. Tamarin selbst und La Preneuse gehören zu den teureren Expat-Hotspots der Insel – Mieten für Villen mit Meerblick oder Poolzugang liegen spürbar über dem Inselschnitt. Wer stattdessen ins Hinterland Richtung Bambous oder in ruhigere Teile von Grande Rivière Noire zieht, zahlt für vergleichbaren Wohnraum oft deutlich weniger.

Im Vergleich zu deutschen Mittelstädten liegt das allgemeine Preisniveau auf Mauritius insgesamt niedriger, besonders bei lokalen Lebensmitteln, Personal (Haushaltshilfe, Gärtner) und Restaurantbesuchen abseits der Touristenorte. Ein Paar kommt in der Region – inklusive Miete – häufig mit rund 2.000 bis 3.000 Euro im Monat komfortabel aus, wer in einer der gehobenen PDS-Residenzen mit Concierge-Service wohnt, muss deutlich mehr einplanen. Kostentreiber sind vor allem importierte Waren aus Europa, ein eigenes Auto (praktisch unverzichtbar im Südwesten) sowie internationale Privatschulen, sofern Kinder mitgebracht werden.

Deutschsprachige Community

Der Südwesten, allen voran Tamarin und Black River, gehört zu den Regionen mit der sichtbarsten deutschsprachigen Präsenz auf Mauritius. Viele Auswanderer aus Deutschland, Österreich und der Schweiz haben sich hier über die letzten Jahrzehnte niedergelassen, angezogen vom Surf- und Naturprofil der Gegend. Es gibt regelmäßige Stammtische und informelle Treffen, die vor allem über soziale Netzwerke und Expat-Gruppen organisiert werden, sowie mehrere deutschsprachige Dienstleister – von Immobilienmaklern über Steuerberater bis zu Handwerkern, die sich auf die Bedürfnisse europäischer Zuzügler spezialisiert haben. Wer den direkten Austausch sucht, findet im Südwesten leichter Anschluss als in vielen anderen Teilen der Insel, ohne dass die Region dabei den Charakter einer „deutschen Kolonie“ annimmt.

Autorenkommentar

Tamarin ist für mich einer der Orte auf Mauritius, an dem man am schnellsten versteht, warum Menschen ihr altes Leben aufgeben. Es ist kein Ort für Hochglanz-Sehnsüchte, sondern für alle, die morgens lieber ins Wasser springen als ins Auto steigen. Genau diese Bodenständigkeit unterscheidet den Südwesten von den touristischeren Küstenabschnitten im Norden – hier wird gelebt, nicht nur Urlaub gemacht.

Was ich dir mitgeben will: Schau dir die Teilregionen genau an, bevor du dich festlegst. Der Unterschied zwischen einer Villa in Tamarin und einem Haus im Hinterland bei Bambous ist nicht nur eine Frage des Budgets, sondern der ganzen Lebensrealität, die dich hier erwartet.

Jan Harmening, Expat seit 2005Mehr über mich

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