Argentinien: Buenos Aires & Gran Buenos Aires als Auswanderungsziel

Wenn du an Auswandern nach Südamerika denkst, kommst du an Buenos Aires kaum vorbei. Die argentinische Hauptstadt gilt seit jeher als „Paris Südamerikas“ – mit ihren breiten Boulevards, den prächtigen Fassaden im europäischen Stil und einer Kulturszene, die es in dieser Dichte auf dem Kontinent kaum ein zweites Mal gibt. Für dich als Auswanderer bedeutet das: eine Millionenmetropole, die sich nicht fremd anfühlt, sondern vertraut – und die trotzdem echtes südamerikanisches Lebensgefühl bietet.

Die Stärken von Buenos Aires und dem umliegenden Gran Buenos Aires liegen auf der Hand. Du bekommst eine hervorragende medizinische Infrastruktur, ein Nahverkehrsnetz, das im südamerikanischen Vergleich vorbildlich ist, eine lebendige Gastronomie- und Kulturszene und – je nach Wechselkurslage – ein Preisniveau, das für Menschen mit Einkommen in Euro oder Dollar sehr attraktiv sein kann. Dazu kommt eine der größten und aktivsten deutschsprachigen Communities Südamerikas, die dir den Einstieg erleichtert.

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Buenos Aires

In diesem Artikel schauen wir uns die wichtigsten Teilregionen von Buenos Aires und Gran Buenos Aires an, damit du weißt, welches Viertel oder welcher Vorort zu deinem Lebensstil passt. Danach gehen wir alle praktischen Fragen durch: Klima, Visum, Steuern, Krankenversicherung, Lebenshaltungskosten und die deutschsprachige Community vor Ort.

Die wichtigsten Teilregionen

Palermo

Palermo ist das angesagteste und gleichzeitig größte Viertel der Stadt, unterteilt in mehrere Subviertel wie Palermo Soho, Palermo Hollywood und Palermo Chico. Hier findest du eine Mischung aus grünen Parks, unzähligen Cafés, Design-Boutiquen und einer pulsierenden Ausgehszene. Die Infrastruktur ist exzellent: mehrere U-Bahn-Linien, gute Ärztedichte, internationale Schulen in der Nähe.

Für wen geeignet: Junge Berufstätige, Digitale Nomaden und alle, die urbanes Flair mit grünen Rückzugsorten kombinieren möchten.

Besonderheit: Die höchste Dichte an Coworking-Spaces und internationaler Gastronomie in ganz Buenos Aires.

Recoleta

Recoleta ist das klassische Nobelviertel mit Haussmann-artiger Architektur, breiten Alleen und dem berühmten Friedhof, auf dem Evita Perón begraben liegt. Hier lebt ein großer Teil der alteingesessenen Oberschicht sowie viele ausländische Fachkräfte und Diplomaten. Die Sicherheitslage gilt als eine der besten der Stadt.

Für wen geeignet: Rentner und Familien, die Wert auf Sicherheit, Ruhe und gehobenes Wohnen legen.

Besonderheit: Höchste Lebensqualität kombiniert mit kurzen Wegen zu Kliniken, Botschaften und Kulturinstitutionen.

Belgrano

Belgrano liegt im Norden der Stadt und wirkt fast wie eine eigene kleine Stadt in der Stadt – mit breiten, baumbestandenen Straßen, ruhigen Wohnstraßen und trotzdem guter Anbindung ans Zentrum. Das Viertel beherbergt zudem ein bedeutendes chinesisches Viertel (Barrio Chino) mit asiatischen Supermärkten und Restaurants.

Für wen geeignet: Familien mit Kindern, die Wert auf ruhige Wohnlage und gute Schulen legen.

Besonderheit: Mehrere renommierte zweisprachige und internationale Schulen befinden sich direkt im Viertel.

San Telmo

San Telmo ist das älteste Viertel der Stadt und Wiege des Tangos. Kopfsteinpflaster, koloniale Gebäude, Antiquitätenmärkte und eine bohemienhafte Atmosphäre prägen das Bild. Die Gentrifizierung schreitet voran, wodurch das Viertel für Auswanderer zunehmend interessanter wird, auch wenn einzelne Ecken noch etwas heruntergekommen wirken.

Für wen geeignet: Kreative, Künstler und alle, die authentisches, historisches Flair suchen und mit einer gewissen Portion Alltagsrauheit leben können.

Besonderheit: Der traditionsreiche Sonntagsmarkt entlang der Defensa gehört zu den größten Straßenmärkten Südamerikas.

Puerto Madero

Puerto Madero ist das modernste und teuerste Viertel der Stadt – ein revitalisiertes Hafenareal mit Glastürmen, Luxuswohnungen und einer der wenigen wirklich sicheren Uferpromenaden Südamerikas. Hier haben sich viele internationale Unternehmen niedergelassen.

Für wen geeignet: Gutverdienende Berufstätige und Führungskräfte, die Wert auf Sicherheit und moderne Infrastruktur legen und einen höheren Mietpreis in Kauf nehmen können.

Besonderheit: Das einzige Viertel der Stadt mit durchgehend neuer Bausubstanz und einem Naturschutzgebiet (Reserva Ecológica) direkt vor der Haustür.

Vicente López (Gran Buenos Aires)

Vicente López liegt nördlich der Stadtgrenze am Río de la Plata und gehört zu den bevorzugten Vororten für Familien, die etwas mehr Platz, Grün und Ruhe suchen, ohne auf Stadtnähe zu verzichten. Die Zugverbindung ins Zentrum ist gut ausgebaut.

Für wen geeignet: Familien und Paare, die ein Einfamilienhaus mit Garten dem Apartmentleben vorziehen.

Besonderheit: Direkter Zugang zur Küstenpromenade am Río de la Plata mit Radwegen und Sportanlagen.

San Isidro (Gran Buenos Aires)

San Isidro gilt als einer der elegantesten Vororte von Gran Buenos Aires, bekannt für seine koloniale Altstadt, den Yachthafen und eine besonders gepflegte Infrastruktur. Viele internationale Schulen und Universitäten haben hier ihren Sitz.

Für wen geeignet: Familien mit schulpflichtigen Kindern und Selbstständige, die eine ruhige, aber gut angebundene Wohnlage suchen.

Besonderheit: Eine der höchsten Dichten an internationalen und zweisprachigen Schulen im gesamten Großraum.

Tigre (Gran Buenos Aires)

Tigre liegt am Delta des Paraná-Flusses, rund eine Stunde vom Zentrum entfernt, und bietet ein völlig anderes Lebensgefühl: Wasser, Boote und subtropische Natur direkt vor der Tür. Viele Grundstücke sind nur per Boot erreichbar, was Tigre zu einem echten Rückzugsort macht.

Für wen geeignet: Naturliebhaber, Rentner und alle, die dem Stadttrubel bewusst entfliehen möchten, ohne ganz auf urbane Infrastruktur zu verzichten.

Besonderheit: Das einzigartige Flussdelta-Ökosystem, das es in dieser Form sonst nirgendwo in Stadtnähe einer südamerikanischen Metropole gibt.

Klima & Naturrisiken

Buenos Aires liegt in der gemäßigten Klimazone der südlichen Hemisphäre, das heißt: Die Jahreszeiten sind gegenüber Deutschland vertauscht. Der Sommer (Dezember bis Februar) ist heiß und schwül mit Temperaturen häufig über 30 Grad, der Winter (Juni bis August) mild mit Temperaturen selten unter 5 Grad, aber durch die hohe Luftfeuchtigkeit oft ungemütlicher als das Thermometer vermuten lässt. Frühling und Herbst gelten als die angenehmsten Reise- und Ankunftszeiten.

Naturkatastrophen im klassischen Sinn – Erdbeben, Hurrikane oder Vulkanausbrüche – spielen für die Region Buenos Aires praktisch keine Rolle, da die Stadt weit entfernt von den tektonisch aktiven Andenregionen liegt. Das größte klimatische Risiko sind stattdessen heftige Sommerstürme mit Starkregen, die in tiefer gelegenen Vierteln und Teilen von Gran Buenos Aires gelegentlich zu lokalen Überschwemmungen führen. Wer eine Wohnung sucht, sollte daher auf die Lage in Bezug auf Entwässerung und Flussnähe achten, insbesondere in Vororten wie Tigre.

Visum & Aufenthalt

Für Deutsche gibt es mehrere realistische Wege nach Argentinien. Die unkomplizierteste Variante ist die sogenannte „Rentista“-Kategorie für Menschen mit nachweisbarem, regelmäßigem Einkommen aus dem Ausland – etwa Rente, Kapitalerträge oder Mieteinnahmen. Diese Option eignet sich besonders gut für Rentner und Menschen mit passivem Einkommen und führt nach einigen Jahren zur dauerhaften Aufenthaltserlaubnis.

Für Berufstätige und Selbstständige bietet sich das Arbeitsvisum an, sofern ein argentinischer Arbeitgeber oder ein eigenes Unternehmen vor Ort vorliegt. Auch eine Investorenkategorie existiert für Personen, die Kapital in ein lokales Unternehmen einbringen. Eine Besonderheit Argentiniens ist zudem die vergleichsweise pragmatische Praxis vieler Auswanderer, zunächst mit einem Touristenvisum einzureisen und den Aufenthaltsstatus anschließend vor Ort zu klären – ein Vorgehen, das in der Praxis häufig funktioniert, rechtlich aber sauberer über die offiziellen Kategorien läuft. Nach zwei Jahren durchgehendem legalem Aufenthalt ist grundsätzlich die dauerhafte Niederlassung (residencia permanente) möglich, nach weiteren Jahren die argentinische Staatsbürgerschaft.

Steuern

Zwischen Deutschland und Argentinien besteht kein Doppelbesteuerungsabkommen, was bei der Steuerplanung besondere Aufmerksamkeit erfordert. Wer in Argentinien steuerlich ansässig wird, unterliegt grundsätzlich der Besteuerung des Welteinkommens, wobei die konkrete Ausgestaltung stark vom individuellen Einkommensmix abhängt. Für Rentner mit deutscher Rente kann sich je nach Konstellation eine Doppelbelastung ergeben, die im Einzelfall geprüft werden sollte.

Positiv ist, dass Argentinien in der Vergangenheit für bestimmte Neuzuzügler und ausländische Investoren steuerliche Anreize geschaffen hat, etwa im Rahmen von Sonderregelungen für ausländisches Kapital. Diese Regelungen ändern sich jedoch angesichts der volatilen argentinischen Wirtschaftspolitik immer wieder, weshalb du dich vor der endgültigen Auswanderung unbedingt von einem auf deutsch-argentinisches Steuerrecht spezialisierten Berater begleiten lassen solltest. Eine pauschale Aussage zur Steuerlast ist angesichts der häufigen Gesetzesänderungen kaum seriös zu treffen.

Krankenversicherung

Die deutsche gesetzliche Krankenversicherung leistet in Argentinien nicht, da kein Sozialversicherungsabkommen zwischen beiden Ländern existiert. Für deinen Aufenthalt benötigst du daher eine private internationale Krankenversicherung, die sowohl ambulante als auch stationäre Behandlungen im Land abdeckt.

Die gute Nachricht: Argentinien, und speziell Buenos Aires, verfügt über eine der besten medizinischen Infrastrukturen Südamerikas mit zahlreichen erstklassigen Privatkliniken. Viele Auswanderer schließen sich zusätzlich einer lokalen „prepaga“ an, einem argentinischen privaten Gesundheitsplan, der monatlich je nach Alter, Leistungsumfang und Anbieter üblicherweise im mittleren zweistelligen bis niedrigen dreistelligen Euro-Bereich liegt. Für Rentner mit Vorerkrankungen kann der Einstieg in solche Pläne mit Wartezeiten oder Risikoaufschlägen verbunden sein, weshalb sich ein früher Abschluss empfiehlt.

Lebenshaltungskosten

Die Lebenshaltungskosten in Buenos Aires unterliegen aufgrund der hohen argentinischen Inflation und der Wechselkursschwankungen stärkeren Bewegungen als in den meisten anderen Auswanderungszielen. Für Menschen mit Einkommen in Euro oder Dollar ist die Stadt dabei tendenziell günstig bis sehr günstig, besonders wenn man zum offiziellen oder parallelen Wechselkurs umtauscht.

Innerhalb der Stadt gibt es deutliche Unterschiede: Viertel wie Puerto Madero und Recoleta liegen bei Mieten und Restaurantpreisen auf einem Niveau, das sich europäischen Großstädten annähert, während Viertel wie San Telmo oder die meisten Vororte in Gran Buenos Aires deutlich günstiger sind. Im Vergleich zu einer deutschen Mittelstadt kannst du in Buenos Aires bei Miete, Personal- und Dienstleistungen, sowie beim Essengehen häufig mit spürbar niedrigeren Kosten rechnen. Die größten Kostentreiber sind importierte Elektronik und Technik, ausländische Markenprodukte sowie internationale Privatschulen, die durchaus europäisches Preisniveau erreichen können.

Deutschsprachige Community

Buenos Aires beherbergt eine der größten und traditionsreichsten deutschsprachigen Communities Südamerikas, deren Wurzeln bis ins 19. Jahrhundert zurückreichen. Es gibt mehrere deutsche Schulen im Großraum, darunter renommierte Einrichtungen in Belgrano und in Vororten wie Florida, die nach deutschem Curriculum unterrichten und international anerkannte Abschlüsse anbieten.

Zahlreiche deutsche Vereine, Kirchengemeinden und Kulturinstitutionen sind über die Stadt verteilt aktiv, ergänzt durch regelmäßige Stammtische, die vor allem in Palermo und Belgrano stattfinden. Auch deutschsprachige Ärzte, Anwälte und Steuerberater sind in Buenos Aires vergleichsweise gut zu finden, was den bürokratischen Einstieg erleichtert. Wer den Kontakt zur Heimat pflegen möchte, findet hier also eine der am besten organisierten deutschen Communities des gesamten Kontinents.

Autorenkommentar

Buenos Aires war für mich immer eine Stadt der Gegensätze, und genau das macht ihren Reiz aus. Du kannst morgens durch eine Straße mit Pariser Fassaden schlendern und mittags in einem Viertel landen, das mit nichts anderem in Südamerika vergleichbar ist. Was ich dir aber ehrlich sagen möchte: Wer nach Argentinien auswandert, sollte finanzielle Flexibilität mitbringen und sich nicht von kurzfristigen Wechselkursvorteilen blenden lassen, denn die wirtschaftliche Lage des Landes bleibt unberechenbar.

Wenn du bereit bist, dich auf diese Unberechenbarkeit einzulassen, bekommst du dafür eine Stadt mit einer Lebensqualität und kulturellen Tiefe zurück, die ihresgleichen sucht. Nimm dir Zeit, mehrere Viertel wirklich zu erleben, bevor du dich festlegst – Buenos Aires zeigt sich in jedem Barrio anders.

Jan Harmening, Expat seit 2005Mehr über mich

Hilfen für einen sorglosen Umzug nach Argentinien

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