Wer an Auswanderung in die USA denkt, hat oft Kalifornien, New York oder Florida im Kopf. Doch für viele Fachkräfte aus Deutschland liegt der Weg in die Vereinigten Staaten eher im Südosten des Landes. In Tennessee, South Carolina und Alabama haben deutsche Industrieunternehmen in den vergangenen Jahrzehnten große Werke errichtet. Rund um diese Standorte sind ganze Netzwerke aus Zulieferern, Dienstleistern und deutschsprachigen Gemeinschaften entstanden.
Warum deutsche Unternehmen in den USA produzieren
Die Gründe für eine Fertigung vor Ort sind vielfältig. Wer in den USA verkauft, spart Transportkosten und ist weniger anfällig für Zölle und Lieferengpässe. Hinzu kommen Förderprogramme einzelner Bundesstaaten, verfügbare Industrieflächen und vergleichsweise günstige Energiepreise. Für die Unternehmen bedeutet ein amerikanisches Werk auch Nähe zu ihren Kunden auf dem nordamerikanischen Markt.
Die Werke selbst sind oft hochmodern. In der Qualitätssicherung liefert etwa eine Embedded-Vision-Kamera an vielen Prüfstationen die Bilder, die anschließend von einer Software ausgewertet und von Fachleuten beurteilt werden. Wer aus einem deutschen Werk kommt, findet in den USA deshalb häufig vertraute Abläufe vor, auch wenn Sprache und Arbeitskultur sich unterscheiden.
Drei Bundesstaaten, drei Geschichten
Tennessee
In Chattanooga produziert ein Automobilhersteller aus Niedersachsen seit 2011 Fahrzeuge für den amerikanischen Markt. Die Stadt am Tennessee River hat sich dadurch zu einem wichtigen Industriestandort entwickelt. Zahlreiche Zulieferer haben sich in der Umgebung angesiedelt.
South Carolina
Im Raum Spartanburg betreibt ein bayerischer Autobauer bereits seit den 1990er-Jahren ein großes Werk. Die Region rund um Greenville und Spartanburg gilt inzwischen als eines der Zentren deutscher Industrie in den USA.
Alabama
In der Nähe von Tuscaloosa entstand Ende der 1990er-Jahre das erste Pkw-Werk eines Stuttgarter Herstellers in Nordamerika. Auch hier folgten Zulieferer und Dienstleister, die heute Tausende Menschen beschäftigen.
Was Auswanderer vorbereiten sollten
Ein Neustart in einer amerikanischen Industrieregion will gut geplant sein. Diese Punkte sollten früh geklärt werden:
- Visum: Für eine Beschäftigung in den USA ist ein passendes Visum nötig. Wer innerhalb eines Konzerns versetzt wird, kann unter Umständen ein L-1-Visum nutzen. Die Voraussetzungen sollten mit dem Arbeitgeber oder einer spezialisierten Beratung geklärt werden.
- Anerkennung der Ausbildung: Deutsche Berufsabschlüsse sind in den USA nicht automatisch bekannt. Ein Nachweis über Inhalte und Dauer der Ausbildung auf Englisch erleichtert Bewerbungen.
- Krankenversicherung: In den USA ist die Krankenversicherung meist an den Arbeitgeber gebunden. Leistungen und Eigenanteile unterscheiden sich stark und sollten vor der Vertragsunterzeichnung geprüft werden.
- Mobilität: In vielen Industrieregionen ist ein eigenes Auto unverzichtbar, da der öffentliche Nahverkehr begrenzt ist.
- Englischkenntnisse: Auch in Werken deutscher Unternehmen ist Englisch die Arbeitssprache. Gute Sprachkenntnisse sind deshalb Voraussetzung für einen erfolgreichen Start.
Wer diese Punkte vorab klärt, erspart sich viele Unsicherheiten in den ersten Monaten.
Leben zwischen Werk und Südstaatencharme
Das Leben in den Industrieregionen des Südostens unterscheidet sich deutlich von dem in den großen Metropolen. Die Lebenshaltungskosten sind häufig niedriger, Häuser mit Garten sind erschwinglicher, und die Natur mit Bergen, Seen und Wäldern liegt vor der Haustür. Gleichzeitig ist das Klima im Sommer heiß und feucht, und kulturell gibt es manche Umstellung. Deutsche Vereine, Schulen und Stammtische in den Industrieregionen erleichtern vielen Familien das Ankommen.
Fazit
Für Fachkräfte mit Industrieerfahrung können die deutschen Produktionsstandorte im Südosten der USA ein realistischer Weg in ein neues Leben sein. Vertraute Arbeitsabläufe, gefragte Qualifikationen und eine lebendige deutsche Gemeinschaft bieten einen guten Ausgangspunkt. Entscheidend ist eine sorgfältige Vorbereitung, vom Visum bis zur Versicherung.
