Warum Canterbury (Christchurch) als Auswanderungsziel?

Canterbury ist die größte Region der Südinsel Neuseelands und wird von Christchurch als wirtschaftlichem und kulturellem Zentrum geprägt. Nach dem verheerenden Erdbeben von 2011 hat sich die Stadt komplett neu erfunden – moderne Architektur, innovative Stadtplanung und eine spürbare Aufbruchsstimmung prägen heute das Bild. Für dich als Auswanderer bedeutet das: eine Stadt, die sich in den letzten Jahren rasant weiterentwickelt hat, ohne dabei den entspannten neuseeländischen Lebensstil zu verlieren.

Neuseeland-Christchurch
Christchurch

Die Region punktet mit einer Mischung, die du so selten findest: pulsierendes Stadtleben in Christchurch, unmittelbarer Zugang zu den Southern Alps für Wintersport und Wandern, malerische Küstenorte wie Akaroa und Lyttelton sowie weite, fruchtbare Ebenen, die Canterbury zur landwirtschaftlichen Kornkammer Neuseelands machen. Die Lebenshaltungskosten liegen spürbar unter denen von Auckland oder Wellington, während du gleichzeitig von einer soliden Infrastruktur, guten Schulen und einem wachsenden Jobmarkt profitierst.

In diesem Artikel nehmen wir dich mit durch die wichtigsten Teilregionen Canterburys, zeigen dir, welche Gegend zu welchem Lebensstil passt, und liefern dir alle praktischen Informationen zu Visum, Steuern, Krankenversicherung, Lebenshaltungskosten und der deutschsprachigen Community vor Ort.

Die wichtigsten Teilregionen

Christchurch Central City

Das Herz der Region ist nach dem Wiederaufbau ein spannender Mix aus Glas-Neubauten, Kunstinstallationen und historischen Gebäuden, die den Wiederaufbau überstanden haben. Der Cathedral Square bildet das symbolische Zentrum, umgeben von Cafés, Coworking-Spaces und dem wiedererstandenen Einkaufsviertel entlang der Cashel Street. Die Stadt hat sich bewusst als „Garden City“ mit viel Grünfläche und dem Botanic Garden direkt am Stadtrand positioniert.

Für wen geeignet: Berufstätige und Selbstständige, die urbanes Leben mit kurzen Wegen schätzen.

Besonderheit: Zahlreiche Start-ups und eine wachsende Tech-Szene haben sich seit dem Wiederaufbau angesiedelt.

Riccarton und Ilam

Dieser Stadtteil im Westen Christchurchs ist geprägt durch die University of Canterbury und ein entsprechend junges, internationales Publikum. Riccarton selbst bietet mit seinem großen Einkaufszentrum und guter Anbindung an die Innenstadt eine praktische Basis für den Alltag.

Für wen geeignet: Studierende, Akademiker und Familien mit Kindern im Schulalter.

Besonderheit: Hohe Dichte an Bildungseinrichtungen von der Grundschule bis zur Universität.

Fendalton und Merivale

Die etablierten, grünen Vororte im Norden der Stadt gelten als eine der gehobeneren Adressen Christchurchs. Breite Straßen, große Grundstücke und eine ruhige, gediegene Atmosphäre prägen das Bild, ergänzt durch exklusive Boutiquen und Restaurants entlang der Papanui Road.

Für wen geeignet: Familien mit höherem Budget und Rentner, die Wert auf Ruhe und Prestige legen.

Besonderheit: Einige der besten staatlichen und privaten Schulen der Südinsel liegen hier.

Selwyn District (Rolleston, Lincoln, Prebbleton)

Südwestlich von Christchurch gelegen, zählt der Selwyn District zu den am schnellsten wachsenden Distrikten Neuseelands. Rolleston hat sich von einem kleinen Landstädtchen zu einer modernen Vorstadtgemeinde mit eigener Infrastruktur entwickelt, während Lincoln durch seine landwirtschaftliche Universität geprägt ist.

Für wen geeignet: Junge Familien, die bezahlbaren Wohnraum und kurze Pendelzeiten nach Christchurch suchen.

Besonderheit: Neubaugebiete mit moderner Ausstattung zu deutlich günstigeren Preisen als in der Stadt selbst.

Waimakariri District (Rangiora, Kaiapoi)

Nördlich von Christchurch erstreckt sich dieser landwirtschaftlich geprägte Distrikt mit den Hauptorten Rangiora und Kaiapoi. Die Gegend bietet ländliches Flair bei gleichzeitig guter Anbindung an die Stadt und wachsender eigener Infrastruktur.

Für wen geeignet: Familien und Rentner, die ländliche Ruhe ohne komplette Isolation suchen.

Besonderheit: Deutlich günstigere Grundstückspreise bei vergleichbarer Anbindung wie im Süden der Stadt.

Lyttelton

Der Hafenort auf der anderen Seite der Port Hills ist über einen Tunnel oder die kurvige Küstenstraße mit Christchurch verbunden. Mit seinen bunten Häusern, dem lebendigen Farmers Market und einer starken Künstlerszene hat sich Lyttelton einen eigenen, alternativen Charakter bewahrt.

Für wen geeignet: Kreative, Selbstständige und alle, die dörfliche Nähe mit maritimem Flair schätzen.

Besonderheit: Trotz Nähe zur Großstadt ein eigenständiges, fast schon bohèmehaftes Gemeinschaftsgefühl.

Akaroa und Banks Peninsula

Die Halbinsel südöstlich von Christchurch besticht durch ihre vulkanische Landschaft, tiefe Buchten und das französisch geprägte Küstenstädtchen Akaroa. Das Leben hier ist deutlich ruhiger und stark vom Tourismus sowie kleinteiliger Landwirtschaft geprägt.

Für wen geeignet: Rentner und alle, die Naturnähe über urbane Annehmlichkeiten stellen.

Besonderheit: Einzigartiges französisches Erbe aus der Kolonialzeit prägt Architektur und Stadtbild.

Ashburton District

Etwa eine Autostunde südlich von Christchurch liegt dieser stark landwirtschaftlich geprägte Distrikt. Ashburton selbst ist eine überschaubare Kleinstadt mit solider Grundversorgung, umgeben von den weiten, fruchtbaren Canterbury Plains.

Für wen geeignet: Berufstätige in der Landwirtschaft und Familien, die niedrige Lebenshaltungskosten priorisieren.

Besonderheit: Starke Nachfrage nach Fachkräften in der Agrarwirtschaft, teils mit erleichtertem Visumszugang.

Klima & Naturrisiken

Canterbury hat ein gemäßigtes, kontinental geprägtes Klima mit deutlich ausgeprägten Jahreszeiten – für neuseeländische Verhältnisse eher untypisch, aber für dich als Deutschen angenehm vertraut. Die Sommer von Dezember bis Februar sind warm und trocken mit Temperaturen häufig zwischen 20 und 25 Grad, während die Winter von Juni bis August kühl bis kalt ausfallen und in der Stadt gelegentlich Frost sowie in den umliegenden Bergen reichlich Schnee bringen. Charakteristisch für die Region ist der Nor’wester, ein warmer, trockener Fallwind aus den Southern Alps, der besonders im Frühling und Herbst für plötzliche Temperatursprünge sorgt.

Beim Thema Naturrisiken solltest du realistisch bleiben: Canterbury liegt in einer seismisch aktiven Zone, was die Erdbebenserie von 2010/2011 eindrücklich gezeigt hat. Die Bauvorschriften wurden seither drastisch verschärft, und moderne Gebäude sind auf Erdbebensicherheit ausgelegt, dennoch bleibt ein Grundrisiko bestehen, mit dem die gesamte Südinsel lebt. Überschwemmungen können in tiefer gelegenen Gebieten wie Kaiapoi oder entlang der Flüsse in den Canterbury Plains nach starken Regenfällen auftreten. Trockenperioden im Sommer betreffen vor allem die landwirtschaftlich genutzten Ebenen und führen gelegentlich zu Wasserrestriktionen. Hurrikane oder tropische Wirbelstürme spielen in dieser südlichen Breite praktisch keine Rolle.

Visum & Aufenthalt

Für Deutsche, die dauerhaft nach Canterbury auswandern möchten, führt der klassische Weg meist über ein Arbeitsvisum, das an ein konkretes Jobangebot eines neuseeländischen Arbeitgebers gekoppelt ist. Besonders realistisch sind die Chancen in Berufen, die auf der Green List Neuseelands stehen – dazu zählen unter anderem Fachkräfte im Gesundheitswesen, in der IT sowie in bestimmten Ingenieursberufen, die in Canterbury aufgrund des Wiederaufbaus und der wachsenden Tech-Branche gefragt sind. Nach einigen Jahren mit einem Arbeitsvisum und einem unbefristeten Jobangebot besteht die Möglichkeit, eine Residence über den Skilled Migrant Category Ansatz oder die Green List Straight to Residence Kategorie zu beantragen.

Für Selbstständige und Unternehmer gibt es das Entrepreneur Work Visa, das an einen belastbaren Businessplan und ausreichend Kapital gekoppelt ist – hier lohnt sich eine gründliche Vorbereitung, da die Anforderungen in den letzten Jahren strenger geworden sind. Rentner haben es in Neuseeland grundsätzlich schwerer als etwa in Südostasien, da es kein klassisches Rentner-Visum gibt. Eine Option kann das Parent Category Visa sein, sofern erwachsene Kinder bereits dauerhaft in Neuseeland leben, allerdings ist diese Kategorie zeitweise pausiert oder stark limitiert gewesen, weshalb du dich vorab unbedingt über den aktuellen Stand informieren solltest. Für längere Aufenthalte ohne Arbeitsabsicht kommt ansonsten meist nur das Touristenvisum mit begrenzter Aufenthaltsdauer infrage.

Steuern

Neuseeland und Deutschland haben ein Doppelbesteuerungsabkommen, das verhindert, dass du auf dieselben Einkünfte in beiden Ländern Steuern zahlen musst. Sobald du als steuerlich ansässig in Neuseeland giltst – in der Regel nach mehr als 183 Tagen Aufenthalt innerhalb eines Zeitraums von zwölf Monaten – unterliegst du grundsätzlich der neuseeländischen Einkommensteuer, die progressiv gestaffelt ist und je nach Einkommenshöhe zwischen etwa 10,5 und 39 Prozent liegt.

Ein Vorteil des neuseeländischen Steuersystems ist das Fehlen einer klassischen Kapitalertragsteuer auf die meisten Investitionen, was Canterbury besonders für Selbstständige und Investoren interessant macht, die ihr Kapital langfristig arbeiten lassen möchten. Auch eine Vermögenssteuer oder Erbschaftssteuer gibt es in Neuseeland nicht. Für konkrete Fragen zu deiner individuellen Steuersituation, insbesondere wenn du noch Einkünfte oder Vermögen in Deutschland hast, solltest du dir professionelle steuerliche Beratung mit Erfahrung im deutsch-neuseeländischen Kontext suchen, da die Details je nach persönlicher Situation stark variieren können.

Krankenversicherung

Die deutsche gesetzliche Krankenversicherung greift in Neuseeland nicht, da es kein Sozialversicherungsabkommen zwischen den beiden Ländern gibt, das die Krankenversicherung abdeckt. Neuseeland verfügt über ein öffentliches Gesundheitssystem, zu dem du als Inhaber eines Aufenthaltstitels mit einer Gültigkeit von mindestens zwei Jahren in der Regel Zugang erhältst, allerdings mit teils langen Wartezeiten bei nicht-akuten Behandlungen und planbaren Eingriffen.

Viele Auswanderer in Canterbury entscheiden sich deshalb für eine private Zusatzversicherung, um Wartezeiten zu verkürzen und Zugang zu privaten Kliniken zu erhalten, die es sowohl in Christchurch als auch in kleineren Zentren wie Ashburton gibt. Die Kosten für eine private Krankenversicherung bewegen sich je nach Alter, Gesundheitszustand und Leistungsumfang meist zwischen 100 und 300 Neuseeland-Dollar im Monat für Einzelpersonen. Solltest du bereits vor der Auswanderung eine Absicherung benötigen oder eine Übergangslösung suchen, kann eine internationale Krankenversicherung sinnvoll sein, die dich sowohl während der Übersiedlung als auch in der ersten Zeit vor Ort absichert.

Lebenshaltungskosten

Innerhalb Canterburys gibt es spürbare Unterschiede zwischen den einzelnen Teilregionen. Christchurch selbst liegt bei den Mietpreisen deutlich unter Auckland oder Wellington – eine Zwei-Zimmer-Wohnung in zentraler Lage bewegt sich meist zwischen 450 und 600 Neuseeland-Dollar pro Woche, während du in Vororten wie Riccarton oder im Waimakariri District oft schon ab 350 bis 450 Dollar fündig wirst. Im Selwyn District, insbesondere in Rolleston, sind die Immobilienpreise für Eigentum durch die vielen Neubauprojekte vergleichsweise moderat, was diesen Distrikt für Familien mit Kaufabsicht attraktiv macht.

Im Vergleich zu deutschen Großstädten wie München oder Frankfurt liegen die Lebenshaltungskosten in Christchurch bei Miete und Immobilien insgesamt niedriger, während Lebensmittel, insbesondere importierte Produkte, spürbar teurer ausfallen können. Ein größerer Kostentreiber für viele Auswanderer ist die Notwendigkeit eines eigenen Autos, da der öffentliche Nahverkehr außerhalb der Kernstadt eher ausbaufähig ist – gerade in ländlicheren Gegenden wie Ashburton oder Banks Peninsula ist ein Fahrzeug praktisch unverzichtbar. Ländliche Gebiete wie der Waimakariri District oder Ashburton bieten insgesamt das günstigste Preisniveau der Region, während Fendalton und Merivale zu den teuersten Wohnlagen Christchurchs zählen.

Deutschsprachige Community

Die deutschsprachige Gemeinschaft in Canterbury ist überschaubar, aber aktiv und gut vernetzt. Der Großteil konzentriert sich naturgemäß auf Christchurch selbst, wo sich regelmäßig Stammtische und informelle Treffen deutschsprachiger Auswanderer organisieren, häufig über soziale Netzwerke und lokale Auswanderer-Gruppen koordiniert. Auch im akademischen Umfeld rund um die University of Canterbury triffst du auf deutschsprachige Studierende und Wissenschaftler, was den fachlichen Austausch erleichtert.

Deutschsprachige Dienstleister wie Ärzte, Steuerberater oder Handwerker sind in Canterbury dünner gesät als etwa in Auckland, weshalb du für spezialisierte Anliegen häufig auf englischsprachige Anbieter zurückgreifen musst. Dennoch berichten viele deutsche Auswanderer, dass sich durch die überschaubare Größe der Community schnell persönliche Kontakte ergeben, die den Neustart erleichtern – ein Vorteil, den größere, anonymere Communities in Metropolen wie Auckland nicht immer bieten können.

Autorenkommentar

Canterbury ist eine der Regionen Neuseelands, die ich dir besonders ans Herz legen würde, wenn du nicht nur nach Neuseeland, sondern auch nach einem echten Neuanfang suchst. Der Wiederaufbau von Christchurch hat etwas Besonderes geschaffen: eine Stadt, die sich ihre Identität neu erarbeitet hat, ohne dabei die Bodenständigkeit der Südinsel zu verlieren. Du bekommst hier urbane Strukturen, ohne dich in einer anonymen Großstadt zu verlieren, und gleichzeitig liegen die Berge und das Meer praktisch vor der Haustür.

Was mir bei meinen eigenen Auslandsjahren immer wieder auffällt, ist, wie sehr die Wahl der richtigen Teilregion über dein Lebensgefühl entscheidet. Wenn du mit Familie kommst, schau dir Rolleston und Rangiora genau an – dort bekommst du moderne Infrastruktur zu Preisen, die in Deutschland kaum noch vorstellbar sind. Bist du eher der ruhige, naturverbundene Typ, dann könnte Akaroa oder Lyttelton genau dein Ort sein. Nimm dir die Zeit, mehrere Gegenden vor Ort zu besuchen, bevor du dich festlegst – Canterbury ist groß genug, dass sich diese Mühe lohnt.

Jan Harmening, Expat seit 2005

Hilfen für einen sorglosen Umzug nach Neuseeland

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