Valletta: Auswandern in Maltas historische Hauptstadt

Valletta ist die kleinste EU-Hauptstadt und gleichzeitig eine der dichtesten Ansammlungen an Geschichte, die du in Europa findest. Wenn du an ein Auswanderungsziel denkst, das gleichzeitig Verwaltungssitz, Kulturerbe und lebendiges Stadtzentrum ist, landest du fast zwangsläufig hier. Die gesamte Altstadt steht unter UNESCO-Schutz, du wohnst also praktisch in einem Freilichtmuseum, das gleichzeitig funktionierender Regierungssitz, Wirtschaftsstandort und Wohnort für mehrere tausend Menschen ist.

Malta - Valletta - Hafen
Valletta, Hafen

Die Stärken liegen auf der Hand: Englisch ist Amtssprache, du kommst also ohne Malteserisch-Kenntnisse durch den Alltag. Die EU-Mitgliedschaft sorgt für Personenfreizügigkeit, ein stabiles Rechtssystem und den Euro als Währung. Dazu kommen über 300 Sonnentage im Jahr, kurze Wege – die gesamte Altstadt lässt sich in 20 Minuten zu Fuß durchqueren – und eine Dichte an Cafés, Restaurants und kulturellen Veranstaltungen, die für eine Stadt dieser Größe ungewöhnlich ist. Valletta hat sich in den letzten Jahren von einer nach Feierabend verwaisten Behördenstadt zu einem Ort entwickelt, an dem auch abends noch etwas los ist.

Dieser Artikel nimmt dich mit durch die wichtigsten Teilbereiche von Valletta und der direkt angrenzenden Gartenstadt Floriana, erklärt dir Klima und Naturrisiken, zeigt dir realistische Visa- und Aufenthaltswege für Deutsche, ordnet die steuerliche Situation ein, erklärt die Krankenversicherung, gibt dir eine ehrliche Einschätzung der Lebenshaltungskosten und zeigt dir, wo du auf eine deutschsprachige Community triffst.

Die wichtigsten Teilregionen

City Gate & Republic Street

Die Republic Street ist die Hauptschlagader Vallettas, sie zieht sich vom City Gate am Eingang der Stadt bis zum Fort St. Elmo an der Spitze der Halbinsel. Hier findest du Geschäfte, Behörden, das Parlamentsgebäude und den Hauptteil des Fußgängerverkehrs. Tagsüber ist es geschäftig, abends beruhigt sich die Straße spürbar, weil viele Pendler die Stadt verlassen.

Für wen geeignet: Berufstätige, die kurze Wege zu Behörden, Büros und Geschäften schätzen.

Besonderheit: Direkter Zugang zum Busknotenpunkt vor dem City Gate, von dem aus du die gesamte Insel erreichst.

Merchants Street & Is-Suq tal-Belt

Parallel zur Republic Street verläuft die Merchants Street, das gastronomische Herz der Stadt. Die historische Markthalle Is-Suq tal-Belt wurde aufwendig saniert und beherbergt heute Cafés, Fischstände und Feinkosthändler unter einem Dach. Die Atmosphäre ist urban, etwas trubeliger als in den ruhigeren Ecken der Stadt, dafür lebendig bis in den Abend.

Für wen geeignet: Alle, die Wert auf ein aktives gastronomisches Umfeld direkt vor der Haustür legen.

Besonderheit: Eine der wenigen Adressen in Valletta mit durchgehender Öffnungszeit auch am Wochenende.

Fort St. Elmo & Il-Mandraġġ

Am nordöstlichen Ende der Halbinsel liegt das Fort St. Elmo, eines der markantesten Bauwerke der Stadt. Das angrenzende Viertel Il-Mandraġġ, ursprünglich als Wohngebiet für einfache Handwerker angelegt, zählt zu den ruhigeren und günstigeren Ecken innerhalb der Stadtmauern. Enge Treppengassen prägen das Bild, Autos kommen hier kaum durch.

Für wen geeignet: Wer Wohnraum innerhalb der Stadtmauern sucht, ohne die höchsten Mietpreise zu zahlen.

Besonderheit: Die engen historischen Gassen sorgen für viel Schatten, was im Sommer ein echter Vorteil ist.

Marsamxett Harbourfront & Lower Barrakka Gardens

Auf der Nordwestseite blickt Valletta über den Marsamxett Harbour hinüber nach Sliema und Msida. Die Lower Barrakka Gardens bieten eine der schönsten Aussichtsterrassen der Stadt, die angrenzenden Straßenzüge gehören zu den ruhigeren Wohnlagen mit Wasserblick.

Für wen geeignet: Wer Meerblick und Ruhe sucht, ohne die Stadt verlassen zu müssen.

Besonderheit: Fährverbindung nach Sliema direkt vor der Tür, damit erreichst du das größere Einkaufsangebot der Nachbarstadt in wenigen Minuten.

Upper Barrakka & Castille

Rund um die Upper Barrakka Gardens und den Auberge de Castille konzentrieren sich Regierungsgebäude, historische Palazzi und die Residenz des Premierministers. Das Viertel gilt als repräsentativste Adresse der Stadt, entsprechend hoch liegen hier die Mietpreise für sanierte Wohnungen in historischen Gebäuden.

Für wen geeignet: Wer sich ein hochwertig saniertes Stadthaus in historischer Bausubstanz leisten kann und will.

Besonderheit: Blick über den Grand Harbour bis zu den Three Cities auf der gegenüberliegenden Uferseite.

Valletta Waterfront & Grand Harbour

Am Fuß der Stadtmauern, direkt am Grand Harbour, liegt das Valletta Waterfront mit seinen restaurierten Lagerhäusern aus der britischen Kolonialzeit. Hier legen Kreuzfahrtschiffe an, entsprechend touristisch geprägt ist die Atmosphäre tagsüber. Zum Wohnen ist die unmittelbare Uferzone weniger geeignet, die dahinterliegenden Straßenzüge dagegen profitieren von der Infrastruktur.

Für wen geeignet: Wer gastronomische Vielfalt am Wasser und kurze Wege zur Fähre nach Bormla und den Three Cities sucht.

Besonderheit: Regelmäßige Fährverbindungen erschließen die Three Cities auf der anderen Seite des Grand Harbour als günstigere Wohnalternative.

Floriana

Direkt vor den Toren Vallettas liegt die Gartenstadt Floriana, historisch als Verteidigungsanlage angelegt und heute von breiten Alleen, Parkanlagen und einer deutlich ruhigeren Wohnatmosphäre geprägt. Die Verkehrsanbindung gilt als die beste der ganzen Insel, gleichzeitig bewegst du dich hier eher unter Einheimischen als unter Touristen.

Für wen geeignet: Familien und alle, die Wert auf Grünflächen und Ruhe bei gleichzeitiger Nähe zur Hauptstadt legen.

Besonderheit: Sonntägliche Marktkultur und ein spürbar authentischerer Alltag als im touristischeren Stadtkern.

Msida & Pietà

Auf der anderen Seite des Marsamxett Harbour, über eine kurze Brücke oder Busverbindung erreichbar, liegen Msida und Pietà. Beide Orte gelten als günstigere Alternativen zum Wohnen direkt in Valletta, gleichzeitig bist du in wenigen Minuten in der Stadt. Die Nähe zur University of Malta prägt das studentische Publikum in Msida.

Für wen geeignet: Preisbewusste Auswanderer und alle, die Nähe zur Universität schätzen.

Besonderheit: Deutlich niedrigeres Mietniveau bei fast identischer Fahrzeit ins Zentrum.

Klima & Naturrisiken

Valletta hat ein typisches mediterranes Klima mit heißen, trockenen Sommern und milden, regenreicheren Wintern. Juli und August klettern regelmäßig über 30 Grad, kombiniert mit hoher Luftfeuchtigkeit durch die Nähe zum Meer. Die Wintermonate bleiben mild, selten unter 10 Grad, bringen aber oft tagelangen Regen und starken Wind. Ein Punkt, den viele unterschätzen: Maltesische Gebäude, auch in Valletta, sind traditionell nicht für Kälte gebaut. Zentralheizungen sind selten, meist behilfst du dir mit elektrischen Heizlüftern, wenn es drinnen an regnerischen Wintertagen kühler wird als erwartet.

Nennenswerte Naturrisiken wie Erdbeben, Hurrikane oder Überschwemmungen gibt es auf Malta praktisch nicht. Die Insel liegt außerhalb der aktiven Erdbebenzonen des Mittelmeers, tropische Wirbelstürme erreichen die Region nicht. Die größte klimatische Herausforderung ist eher die sommerliche Trockenheit in Kombination mit begrenzten natürlichen Süßwasserressourcen, was sich aber auf die Wasserversorgung und nicht auf akute Sicherheitsrisiken auswirkt.

Visum & Aufenthalt

Als deutscher Staatsangehöriger brauchst du für die Einreise nach Malta kein Visum, die EU-Personenfreizügigkeit erlaubt dir Einreise, Aufenthalt und Arbeit ohne zusätzliche Genehmigung. Für einen dauerhaften Aufenthalt über drei Monate hinaus meldest du dich bei Identity Malta und erhältst eine eResidence-Karte als EU-Bürger, das ist ein reiner Verwaltungsakt ohne größere Hürden.

Für Rentner und vermögende Auswanderer gibt es zusätzlich spezielle Steuerresidenzprogramme wie das Malta Retirement Programme oder das Global Residence Programme. Diese sind rechtlich keine Visa im klassischen Sinn, sondern Steuerstatus-Programme, die an eine Mindestinvestition in Wohnraum gekoppelt sind, entweder Kauf ab rund 275.000 Euro oder Miete ab knapp 9.600 Euro jährlich. Für die meisten Auswanderer mit durchschnittlichem Einkommen ist das freizügigkeitsbasierte EU-Melderecht der realistischere und einfachere Weg, die Steuerprogramme lohnen sich vor allem für Rentner mit höherem Auslandseinkommen.

Steuern

Wenn du deinen Wohnsitz dauerhaft nach Malta verlegst, wirst du dort grundsätzlich unbeschränkt steuerpflichtig. Das Doppelbesteuerungsabkommen zwischen Deutschland und Malta aus dem Jahr 2001 regelt dabei genau, welcher Staat welche Einkunftsart besteuern darf, und hier lohnt sich ein genauer Blick, denn es gibt eine wichtige Ausnahme vom sogenannten Kassenstaatsprinzip: Renten aus der deutschen gesetzlichen Rentenversicherung bleiben nach dem Abkommen in Deutschland steuerpflichtig, hier greift also nicht automatisch der neue Wohnsitzstaat. Betriebsrenten und private Altersvorsorge werden dagegen in der Regel im Wohnsitzstaat Malta besteuert. Diese Unterscheidung wird häufig durcheinandergebracht, ist für deine persönliche Steuerplanung aber entscheidend.

Für Erwerbstätige und Selbstständige, die in Malta arbeiten, gilt das reguläre progressive maltesische Einkommensteuersystem. Vermögende Auswanderer nutzen teils die genannten Steuerresidenzprogramme mit einem Pauschalsatz von 15 Prozent auf nach Malta überwiesene ausländische Einkünfte, verbunden mit einer Mindeststeuer. Beachte bei einer Auswanderung außerdem die deutsche Wegzugsbesteuerung nach § 6 AStG, falls du wesentliche Beteiligungen an Kapitalgesellschaften hältst. Diese Übersicht ersetzt keine individuelle Steuerberatung, die bei einem Wegzug nach Malta angesichts der DBA-Feinheiten dringend zu empfehlen ist.

Krankenversicherung

Die deutsche gesetzliche Krankenversicherung endet mit der Verlegung deines Wohnsitzes nach Malta, eine dauerhafte Mitgliedschaft aus Deutschland heraus ist für Auswanderer in der Regel nicht vorgesehen. Als EU-Bürger mit Wohnsitz in Malta wirst du grundsätzlich Teil des staatlichen maltesischen Gesundheitssystems, sofern du dort sozialversicherungspflichtig beschäftigt oder entsprechend gemeldet bist. Die Europäische Krankenversicherungskarte deckt lediglich akute Notfälle während eines vorübergehenden Aufenthalts ab, nicht die dauerhafte Versorgung nach dem Umzug.

In der Praxis kombinieren viele Auswanderer die staatliche Absicherung mit einer privaten Zusatzversicherung, um kürzere Wartezeiten und Zugang zu Privatkliniken zu haben. Die Kosten dafür bewegen sich je nach Alter und Leistungsumfang häufig zwischen 50 und 150 Euro monatlich für jüngere Versicherte, mit steigendem Alter deutlich mehr. Wer über die genannten Steuerresidenzprogramme nach Malta zieht, muss ohnehin eine umfassende private Krankenversicherung mit EU-weiter Abdeckung nachweisen, das ist dort Zulassungsvoraussetzung.

Lebenshaltungskosten

Innerhalb Vallettas schwanken die Mieten stark je nach Lage. Für eine sanierte Wohnung in den gefragten Vierteln rund um Castille oder direkt an der Marsamxett-Uferpromenade zahlst du deutlich mehr als in den ruhigeren, weniger restaurierten Gassen rund um Il-Mandraġġ. Wer ins angrenzende Floriana oder ins gegenüberliegende Msida ausweicht, spart spürbar bei fast identischer Anbindung an die Stadt.

Im Vergleich zu deutschen Großstädten liegen die Mieten in Valletta eher im oberen Bereich, während Lebensmittel im örtlichen Handel und die Gastronomie außerhalb der touristischen Kernzonen tendenziell günstiger ausfallen als in vielen deutschen Städten. Größter Kostentreiber ist eindeutig der Wohnraum, gefolgt von Nebenkosten für Strom und Klimatisierung in den Sommermonaten, da die Stromkosten auf Malta im europäischen Vergleich hoch liegen. Wer die touristisch stark nachgefragten Adressen meidet und etwas außerhalb der unmittelbaren Altstadt wohnt, kann die Gesamtkosten spürbar drücken, ohne auf die Nähe zur Hauptstadt zu verzichten.

Deutschsprachige Community

Die deutschsprachige Präsenz in Valletta selbst ist überschaubar, viele Auswanderer aus Deutschland leben eher in Sliema oder St. Julian’s, arbeiten oder verwalten ihre Angelegenheiten aber in der Hauptstadt. Trotzdem gibt es direkt in Valletta zwei feste Anlaufstellen mit langer Tradition: Die evangelisch-ökumenische Andreasgemeinde, überwiegend deutschsprachig, hält ihre Gottesdienste in der St Andrew’s Church in Valletta ab und steht in enger Zusammenarbeit mit der Deutschen Botschaft, die ebenfalls in Valletta ansässig ist. Parallel dazu feiert die deutschsprachige katholische Gemeinde jeden Sonntag um 11:15 Uhr eine deutsche Messe in der Church of St Catherine of Italy direkt neben dem Auberge de Castille.

Beide Gemeinden bieten neben dem kirchlichen Angebot auch Gesprächskreise, gemeinsame Wanderungen und Feste, die sich als informeller Treffpunkt für Neuankömmlinge etabliert haben, unabhängig von der Konfession. Für organisierte Vereinsstrukturen im engeren Sinne lohnt sich zusätzlich der Blick nach Sliema und St. Julian’s, wo sich ein Großteil der deutschsprachigen Geschäftswelt und der internationalen Schulen konzentriert, beides in wenigen Minuten mit der Fähre von Valletta aus erreichbar.

Autorenkommentar

Was Valletta von den meisten anderen Hauptstädten unterscheidet, ist die schiere Kompaktheit. Du lebst hier nicht in einer Metropole, sondern in einem Ort, den du in einer halben Stunde zu Fuß durchquerst, und genau das verändert, wie du deinen Alltag organisierst. Nach Jahren an ganz unterschiedlichen Orten weiß ich, wie sehr kurze Wege den Kopf freimachen für andere Dinge, gerade wenn du gleichzeitig arbeitest und dich in einem neuen Land einrichtest.

Gleichzeitig würde ich dir ehrlich raten, dir vor dem Umzug genau anzuschauen, welches der Viertel wirklich zu deinem Alltag passt, denn die Unterschiede zwischen einer Gasse in Il-Mandraġġ und einer sanierten Wohnung am Castille sind größer, als die geringe Distanz vermuten lässt. Und wer mit Familie kommt, sollte die ruhigeren Optionen in Floriana oder auf der anderen Seite des Hafens ernsthaft in Betracht ziehen, bevor er sich auf die Postleitzahl der Hauptstadt festlegt.

Jan Harmening, Expat seit 2005Mehr über mich

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