Wenn du dir Sliema und St. Julian’s auf der Landkarte anschaust, siehst du sofort, warum diese beiden Orte an Maltas Nordostküste zu den beliebtesten Adressen für Auswanderer geworden sind. Hier trifft mediterranes Lebensgefühl auf eine Infrastruktur, die europäischen Standards entspricht – breite Uferpromenaden, moderne Wohnkomplexe, internationale Restaurants und ein Nahverkehrsnetz, das dich in wenigen Minuten nach Valletta oder zu den großen Einkaufszentren bringt. Für viele Deutsche, die den Umzug ins Ausland planen, ist genau diese Mischung aus Insel-Idylle und urbaner Funktionalität der entscheidende Faktor.

Die Stärken dieser Region liegen auf der Hand: Englisch als Amtssprache erleichtert den Alltag enorm, das Klima bietet über 300 Sonnentage im Jahr, und die Gesundheitsversorgung gilt als eine der besten im Mittelmeerraum. Dazu kommt eine der größten internationalen Communitys Maltas – von Rentnern über digitale Nomaden bis hin zu Familien mit Kindern findest du hier praktisch jede Auswanderergruppe vertreten. Wirtschaftlich profitierst du von Maltas Position als EU-Mitglied mit attraktivem Steuersystem, während gleichzeitig eine lebendige Gastronomie- und Freizeitszene für Abwechslung sorgt.
In diesem Artikel nehmen wir dich mit durch die wichtigsten Teilregionen von Sliema und St. Julian’s, damit du herausfinden kannst, welches Viertel am besten zu deinem Lebensstil passt. Anschließend gehen wir auf alle praktischen Fragen ein, die für deine Auswanderung relevant sind: von Klima und Naturrisiken über Visum, Steuern und Krankenversicherung bis hin zu den tatsächlichen Lebenshaltungskosten vor Ort und der deutschsprachigen Community, die dir den Einstieg erleichtert.
Die wichtigsten Teilregionen
Sliema Front (Tigné bis Ferries)
Die Uferpromenade von Sliema, die sich von Tigné Point bis zu den alten Fährterminals zieht, ist das Herzstück des Viertels. Hier reihen sich moderne Apartmentkomplexe mit Meerblick aneinander, dazwischen Cafés, Boutiquen und Fitnessstudios direkt an der Promenade. Abends füllt sich die Uferstraße mit Joggern, Spaziergängern und Familien, die den Sonnenuntergang über der Bucht von Valletta genießen.
Für wen geeignet: Berufstätige und Rentner, die Wert auf Komfort und kurze Wege zu allem Wichtigen legen.
Besonderheit: Freier Blick auf die Skyline von Valletta über das Wasser hinweg – einer der spektakulärsten Ausblicke der Insel.
Tigné Point
Tigné Point ist die durchgeplante, moderne Ecke Sliemas – ein Stadtentwicklungsprojekt mit Hochhäusern, einem großen Einkaufszentrum und gepflegten Grünanlagen. Die Architektur wirkt deutlich neuer und großzügiger als im Rest von Sliema, was sich auch im Preisniveau bemerkbar macht.
Für wen geeignet: Wohlhabende Berufstätige und Familien, die neubauähnlichen Standard mit kurzen Wegen zum Meer verbinden wollen.
Besonderheit: Eigenes Einkaufszentrum mit Kino, Supermarkt und Gastronomie in fußläufiger Entfernung.
Balluta Bay
Balluta Bay markiert den Übergang von Sliema nach St. Julian’s und besticht durch ihre kleine, geschützte Bucht mit historischer Bebauung im Hintergrund. Die Atmosphäre ist ruhiger als im turbulenten Paceville, aber dennoch lebendig genug für einen entspannten Abend am Wasser.
Für wen geeignet: Paare und Rentner, die eine ruhigere, aber dennoch zentrale Lage suchen.
Besonderheit: Die markante Kirche Unserer Lieben Frau vom Berge Karmel prägt das Ortsbild und verleiht der Bucht einen fast südeuropäischen Charme.
Spinola Bay & St. Julian’s Zentrum
Spinola Bay ist das postkartenreife Herz von St. Julian’s: bunte Luzzu-Fischerboote im Hafenbecken, umsäumt von Restaurants mit Terrassen direkt am Wasser. Tagsüber ruhig und fotogen, abends belebt durch die vielen Gastronomiebetriebe, die sich um die Bucht gruppieren.
Für wen geeignet: Genießer und Feinschmecker, die gehobene Gastronomie in unmittelbarer Wohnnähe schätzen.
Besonderheit: Eine der meistfotografierten Buchten Maltas mit dichter Restaurantszene direkt am Hafenbecken.
Paceville
Paceville ist Maltas unangefochtenes Nachtleben-Zentrum – Clubs, Bars und Casinos reihen sich hier auf engstem Raum. Tagsüber wirkt das Viertel unspektakulär, nachts verwandelt es sich in einen der lautesten Flecken der Insel. Wohnen direkt im Kern ist eher etwas für junge, nachtaktive Menschen.
Für wen geeignet: Junge Berufstätige und Studierende, die das Nachtleben schätzen oder zumindest tolerieren.
Besonderheit: Höchste Dichte an Bars und Clubs auf ganz Malta, dazu mehrere Casinos.
Portomaso
Portomaso ist das Business- und Luxus-Segment von St. Julian’s – ein Marina-Komplex mit Yachthafen, dem markanten Portomaso Tower und hochwertigen Apartments. Hier residieren viele internationale Fachkräfte, die für Maltas Finanz- und Gaming-Branche arbeiten.
Für wen geeignet: Gutverdienende Berufstätige, insbesondere aus der Finanz- und iGaming-Branche.
Besonderheit: Eigener Yachthafen mit direktem Zugang zu Hotelanlagen, Spa und gehobener Gastronomie.
St. George’s Bay
St. George’s Bay bietet einen der wenigen echten Sandstrände in unmittelbarer Nähe von St. Julian’s, flankiert von großen Hotelkomplexen und Beach-Clubs. Tagsüber dominiert Strandleben, abends übernehmen Rooftop-Bars mit Meerblick.
Für wen geeignet: Alle, die trotz Stadtlage nicht auf Strandnähe verzichten wollen.
Besonderheit: Einer der wenigen Sandstrände der Region, direkt eingebettet zwischen Hotelanlagen und Bars.
Gzira
Gzira liegt zwischen Sliema und Msida und gilt als das bodenständigere, günstigere Pendant zu seinen glamouröseren Nachbarn. Enge Gassen, traditionellere Wohnhäuser und ein spürbar lokalerer Alltag prägen das Viertel, ohne dass du auf die Nähe zum Meer verzichten musst.
Für wen geeignet: Preisbewusste Auswanderer, die dennoch zentrale Lage und Meernähe wollen.
Besonderheit: Deutlich günstigere Mieten als in Sliema selbst, bei nur wenigen Gehminuten Unterschied zur Uferpromenade.
Klima & Naturrisiken
Malta bietet ein klassisches mediterranes Klima mit heißen, trockenen Sommern und milden, regenreicheren Wintern. Von Juni bis September klettern die Temperaturen regelmäßig auf 30 bis 35 Grad, begleitet von hoher Luftfeuchtigkeit, die die Hitze in Sliema und St. Julian’s oft drückender wirken lässt als die reinen Zahlen vermuten lassen. Der Winter fällt mit Temperaturen zwischen 10 und 16 Grad vergleichsweise mild aus, bringt aber auch den Großteil des jährlichen Niederschlags mit sich, oft in Form kurzer, intensiver Schauer.
Naturkatastrophen im klassischen Sinne spielen auf Malta kaum eine Rolle. Erdbeben sind extrem selten und meist zu schwach, um spürbare Schäden zu verursachen, Hurrikane oder tropische Stürme erreichen die Insel praktisch nie. Die reale Herausforderung ist eher struktureller Natur: Wasserknappheit. Malta verfügt über keine nennenswerten natürlichen Süßwasserquellen und ist stark auf Meerwasserentsalzung angewiesen, was sich gelegentlich in höheren Wasserpreisen und Aufrufen zum sparsamen Verbrauch niederschlägt. Starkregenereignisse im Herbst können zudem lokal zu kurzzeitigen Überflutungen auf Straßen führen, insbesondere in tiefer gelegenen Bereichen – ein Thema, das du bei der Wohnungswahl im Hinterkopf behalten solltest, auch wenn Sliema und St. Julian’s davon selten stark betroffen sind.
Visum & Aufenthalt
Als deutscher Staatsbürger profitierst du von der EU-Freizügigkeit, die dir uneingeschränktes Recht auf Aufenthalt und Arbeit in Malta gibt. Ein Visum brauchst du dafür nicht – du musst dich lediglich nach deiner Ankunft bei Identity Malta registrieren und erhältst eine e-Residence-Karte, sobald du länger als drei Monate bleibst. Für die Registrierung solltest du einen Arbeitsvertrag, einen Nachweis über ausreichende finanzielle Mittel oder eine Selbstständigkeit vorweisen können.
Für Rentner ist Malta besonders attraktiv, weil das Land mehrere spezielle Steuerresidenzprogramme anbietet, etwa das Malta Retirement Programme, das unter bestimmten Voraussetzungen einen pauschalen Steuersatz auf ausländisches Renteneinkommen ermöglicht. Voraussetzung ist in der Regel der Nachweis einer eigenen Immobilie oder eines langfristigen Mietvertrags sowie ein Mindesteinkommen. Für Selbstständige und digitale Nomaden gibt es zudem das Nomad Residence Permit, das dir erlaubt, von Malta aus für ausländische Auftraggeber zu arbeiten, ohne lokal steuerpflichtig für dieses Einkommen zu werden. Realistisch gesehen ist die einfache EU-Registrierung für die meisten Berufstätigen und Familien der unkomplizierteste Weg, während die speziellen Programme vor allem für Rentner und Selbstständige mit höherem Einkommen interessant sind.
Steuern
Malta gilt als eines der steuerlich attraktivsten EU-Länder, allerdings ist das System komplexer, als es auf den ersten Blick wirkt. Für Normalverdiener mit lokalem Einkommen gelten reguläre progressive Einkommensteuersätze, die bis auf 35 Prozent ansteigen können. Interessant wird es für Personen mit ausländischem Einkommen, die als „Non-Domiciled“ gelten: Hier greift oft das sogenannte Remittance-Prinzip, wonach nur das nach Malta überwiesene ausländische Einkommen besteuert wird, während im Ausland verbleibendes Kapital steuerfrei bleiben kann.
Deutschland und Malta haben ein Doppelbesteuerungsabkommen, das grundsätzlich verhindert, dass du auf dasselbe Einkommen zweimal Steuern zahlst. Bei Renten aus der gesetzlichen deutschen Rentenversicherung gilt in der Regel das Kassenstaatsprinzip, wonach Deutschland das Besteuerungsrecht behält, auch wenn du nach Malta auswanderst. Private Renten und andere Einkommensarten können hingegen unter das maltesische Steuersystem fallen. Da die konkrete Ausgestaltung stark von deiner individuellen Situation abhängt, solltest du dir für eine verbindliche Einordnung unbedingt professionelle steuerliche Beratung mit Doppelbesteuerungs-Expertise einholen.
Krankenversicherung
Deine deutsche gesetzliche Krankenversicherung gilt in Malta nicht automatisch weiter, sobald du deinen Wohnsitz endgültig verlagerst. Als EU-Bürger mit Arbeitsvertrag in Malta wirst du in der Regel automatisch Teil des staatlichen maltesischen Gesundheitssystems, das eine solide Grundversorgung bietet und über Sozialversicherungsbeiträge finanziert wird. Rentner können unter bestimmten Voraussetzungen mit dem Formular S1 weiterhin über das deutsche System abgesichert bleiben, während sie in Malta leben.
Viele Auswanderer entscheiden sich dennoch für eine private Zusatzversicherung, weil das öffentliche System zwar solide, aber mit Wartezeiten für bestimmte Behandlungen verbunden sein kann. Private Kliniken in Sliema und St. Julian’s bieten schnellere Termine und oft englischsprachiges Personal auf hohem Niveau. Die Kosten für eine private internationale Krankenversicherung bewegen sich je nach Alter, Leistungsumfang und Vorerkrankungen häufig zwischen 800 und 2.500 Euro pro Jahr, können bei älteren Antragstellern oder umfassendem Deckungsumfang aber auch deutlich darüber liegen.
Lebenshaltungskosten
Innerhalb von Sliema und St. Julian’s gibt es spürbare Preisunterschiede. Tigné Point und Portomaso zählen zu den teuersten Wohnlagen der gesamten Insel, mit Mieten für Ein-Zimmer-Apartments, die schnell bei 1.200 bis 1.800 Euro monatlich liegen können. In den klassischen Wohnvierteln Sliemas oder in Gzira findest du vergleichbare Apartments oft schon für 800 bis 1.200 Euro, während Familienwohnungen mit mehreren Schlafzimmern entsprechend mehr kosten.
Im Vergleich zu deutschen Großstädten wie München oder Frankfurt bewegen sich die Mieten in Sliema und St. Julian’s oft auf ähnlichem oder leicht niedrigerem Niveau, während die Lebensmittelpreise durch die starke Importabhängigkeit Maltas eher über dem deutschen Durchschnitt liegen. Restaurantbesuche und der Ausgang in Paceville oder an der Sliema Front können sich schnell summieren, insbesondere in der touristischen Hochsaison zwischen Juni und September, wenn viele Preise merklich anziehen. Größte Kostentreiber sind neben der Miete vor allem Auto und Mobilität, da das Verkehrsaufkommen auf Malta hoch ist und ein eigenes Fahrzeug für viele dennoch praktisch bleibt.
Deutschsprachige Community
Die deutschsprachige Präsenz in Sliema und St. Julian’s ist im maltesischen Vergleich überdurchschnittlich stark ausgeprägt, wenn auch insgesamt kleiner als etwa die britische oder italienische Community. Viele Deutsche arbeiten in der lokalen iGaming- und Finanzbranche, die stark auf internationales Personal setzt, und konzentrieren sich entsprechend auf die Viertel rund um Portomaso und die Sliema Front. Es gibt regelmäßige informelle Stammtische, die sich meist über soziale Netzwerke und Expat-Gruppen organisieren, sowie punktuell deutschsprachige Dienstleister im Bereich Immobilien, Steuerberatung und Umzugsservice, die sich auf die wachsende Zahl deutscher Auswanderer spezialisiert haben.
Autorenkommentar
Sliema und St. Julian’s zeigen wie unterschiedlich sich Inselleben anfühlen kann, je nachdem, welche Straße du gerade entlangläufst. Innerhalb weniger hundert Meter wechselst du zwischen ruhiger Uferpromenade, lautem Nachtleben und stillen Fischerbuchten – diese Dichte an Kontrasten auf so engem Raum findest du selten anderswo in Europa.
Wenn du überlegst, hierher auszuwandern, rate ich dir, dir vor der endgültigen Entscheidung mehrere Wochen Zeit zu nehmen und die einzelnen Viertel zu unterschiedlichen Tageszeiten zu erleben. Was tagsüber wie ein perfektes Wohnviertel wirkt, kann sich abends völlig anders anfühlen – und genau das entscheidet am Ende darüber, ob du dich hier wirklich zu Hause fühlst.
Jan Harmening, Expat seit 2005 – Mehr über mich
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