Steuersystem Malediven für Auswanderer 2026: Kompletter Guide

Die Malediven – das Traumziel schlechthin mit türkisfarbenem Wasser, weißen Sandstränden und luxuriösen Resorts. Doch wie sieht es steuerlich aus, wenn du nicht nur als Tourist, sondern dauerhaft auf diesem Inselparadies leben möchtest? Das Steuersystem der Malediven unterscheidet sich fundamental von dem, was du aus Deutschland, Österreich oder der Schweiz kennst.

Steuern berechnen auf den Malediven
Steuern berechnen auf den Malediven

Der vielleicht wichtigste Punkt vorweg: Die Malediven erheben keine Einkommensteuer auf Privatpersonen. Es gibt keine Lohnsteuer, keine Kapitalertragsteuer und keine Erbschaftssteuer. Dieses Null-Steuer-Modell für Privatpersonen macht die Malediven auf den ersten Blick zu einem der steuergünstigsten Länder der Welt.

Allerdings muss diese verlockende Aussicht mit einer gehörigen Portion Realität gewürzt werden: Die Malediven sind kein klassisches Auswandererland. Das Land vergibt praktisch keine dauerhaften Aufenthaltsgenehmigungen an Ausländer, der Immobilienerwerb ist stark eingeschränkt, und die Lebenshaltungskosten – besonders auf den Touristeninseln – sind astronomisch hoch. Zudem ist das Land ein streng islamischer Staat mit entsprechenden gesellschaftlichen Einschränkungen.

Für deutsche, österreichische und schweizerische Auswanderer ergibt sich daher ein komplexes Bild: Steuerlich ein Paradies, praktisch jedoch mit erheblichen Hürden verbunden. In diesem Artikel erfährst du alles Wichtige über das maledivische Steuersystem und wie es sich auf verschiedene Auswanderer-Typen auswirkt.

1. Steuerresidenz und Steuerpflicht

Kriterien für unbeschränkte Steuerpflicht

Die Malediven definieren die Steuerresidenz über den gewöhnlichen Aufenthalt. Du wirst steuerlich ansässig, wenn du:

  • Deinen gewöhnlichen Wohnsitz auf den Malediven hast
  • Dich mehr als 183 Tage pro Kalenderjahr im Land aufhältst
  • Den Mittelpunkt deiner Lebensinteressen auf den Malediven hast

Da die Malediven jedoch keine Einkommensteuer für natürliche Personen erheben, hat die Steuerresidenz für Privatpersonen praktisch keine direkten steuerlichen Auswirkungen auf lokaler Ebene. Die Bedeutung liegt vielmehr in der Abgrenzung zur Steuerpflicht in deinem Herkunftsland.

183-Tage-Regel und andere Faktoren

Die 183-Tage-Regel wird auf den Malediven angewandt, jedoch primär im Kontext der Aufenthaltsgenehmigung und nicht für steuerliche Zwecke. Für die Beurteilung, ob du noch in deinem Heimatland steuerpflichtig bist, gelten die dortigen Regelungen. Deutsche Finanzämter prüfen beispielsweise, ob du noch einen Wohnsitz oder gewöhnlichen Aufenthalt in Deutschland hast.

Weitere relevante Faktoren für die Steuerresidenz sind:

  • Familiäre Bindungen (wo lebt deine Familie?)
  • Wirtschaftliche Bindungen (wo sind deine Einkommensquellen?)
  • Soziale Bindungen (wo ist dein Lebensmittelpunkt?)

Doppelbesteuerungsabkommen mit DE/CH/AT

Die Malediven haben kein Doppelbesteuerungsabkommen mit Deutschland, Österreich oder der Schweiz. Dies bedeutet:

  • Es gibt keine vertraglich geregelten Mechanismen zur Vermeidung der Doppelbesteuerung
  • Die Zuweisung von Besteuerungsrechten richtet sich nach nationalem Recht
  • Bei Renten oder anderen Einkünften aus DACH-Ländern kann es zu Komplikationen kommen

Da die Malediven ohnehin keine Einkommensteuer erheben, entsteht in der Praxis keine Doppelbesteuerung – allerdings auch keine Anrechenbarkeit. Für deutsche Rentner bedeutet dies beispielsweise, dass ihre Rente weiterhin in Deutschland besteuert werden kann, ohne Entlastung durch ein DBA.

Wegzugsbesteuerung aus DACH-Ländern

Beim Wegzug aus Deutschland, Österreich oder der Schweiz auf die Malediven können erhebliche Steuerzahlungen anfallen:

Deutschland: Die Wegzugsbesteuerung nach § 6 AStG greift bei Beteiligungen an Kapitalgesellschaften von mindestens 1 %. Die stillen Reserven werden bei Wegzug als realisiert angesehen und besteuert. Bei Wegzug in ein Nicht-EU/EWR-Land wie die Malediven gibt es keine Stundungsmöglichkeit – die Steuer wird sofort fällig.

Österreich: Ähnliche Regelungen gelten für wesentliche Beteiligungen (über 1 %). Die Nichtfeststellungsmöglichkeit der Steuer bei Wegzug in Drittstaaten entfällt, sodass die Steuer sofort zu entrichten ist.

Schweiz: Die Schweiz kennt keine generelle Wegzugsbesteuerung, allerdings können kantonale Besonderheiten relevant sein. Bei der Aufgabe der Ansässigkeit werden laufende Steuern auf das Einkommen bis zum Wegzugstag erhoben.

2. Einkommensteuer

Allgemeine Struktur

Die Malediven erheben keine Einkommensteuer auf natürliche Personen. Dies gilt für:

  • Arbeitseinkommen
  • Selbstständige Einkünfte
  • Kapitalerträge
  • Mieteinnahmen
  • Veräußerungsgewinne

Es gibt daher keine Steuersätze, keine Progressionsstufen und keine Freibeträge – schlicht weil keine Steuer erhoben wird. Das Steuerjahr entspricht dem Kalenderjahr, was für die wenigen steuerlichen Pflichten relevant ist, die Unternehmen betreffen.

Diese Null-Besteuerung für Privatpersonen ist im internationalen Vergleich bemerkenswert und stellt die Malediven in eine Reihe mit anderen Null-Steuer-Jurisdiktionen wie den Vereinigten Arabischen Emiraten, Monaco oder den Bahamas.

Nach Personenkategorie

Arbeitnehmer

Lohnsteuer und Abzugsverfahren: Es gibt keine Lohnsteuer auf den Malediven. Dein Bruttogehalt entspricht deinem Nettogehalt – zumindest was die Einkommensteuer betrifft. Arbeitgeber müssen keine Lohnsteuer einbehalten oder abführen.

Sozialversicherungsbeiträge: Das maledivische Sozialversicherungssystem ist rudimentär. Es existiert ein Maldives Pension Administration Office (MPAO), das ein Rentensystem verwaltet:

  • Arbeitnehmeranteil: 7 % des Bruttogehalts
  • Arbeitgeberanteil: 7 % des Bruttogehalts
  • Gilt primär für maledivische Staatsbürger
  • Ausländische Arbeitnehmer sind in der Regel befreit

Absetzbare Werbungskosten: Da keine Einkommensteuer erhoben wird, gibt es auch kein System zur steuerlichen Absetzbarkeit von Werbungskosten.

Fahrtkosten: Pendlerpauschalen oder Fahrtkostenerstattungen existieren nicht im steuerlichen Sinne, da keine Steuerbemessungsgrundlage vorhanden ist, von der abgezogen werden könnte.

Digitale Nomaden

Besteuerung ausländischer Einkünfte: Die Malediven besteuern keine Einkünfte von natürlichen Personen – weder inländische noch ausländische. Als digitaler Nomade auf den Malediven zahlst du lokal keine Steuern auf deine Freelancer-Einnahmen, Unternehmensgewinne oder Kapitalerträge.

Home-Office-Regelungen: Es gibt keine steuerrechtlichen Home-Office-Regelungen, da keine relevante Steuer existiert.

Relevante Visa und Aufenthaltsprogramme: Hier liegt die größte Herausforderung für digitale Nomaden. Die Malediven haben 2020 während der Corona-Pandemie ein spezielles Programm eingeführt:

  • Remote Work Visa: Erlaubt einen Aufenthalt von bis zu 12 Monaten
  • Keine Einkommensanforderungen im klassischen Sinne
  • Voraussetzung ist die Buchung einer Unterkunft (Hotel, Resort oder Guesthouse)
  • Kosten für Unterkunft sind entsprechend hoch
  • Verlängerung möglich, aber keine dauerhafte Perspektive

Nachweispflichten: Für das Remote Work Visa musst du nachweisen:

  • Gültigen Reisepass
  • Krankenversicherung mit Malediven-Deckung
  • Nachweis der Remote-Arbeit
  • Buchungsbestätigung für Unterkunft
  • Ausreichende finanzielle Mittel

Selbstständige und Unternehmer

Besteuerung von Unternehmensgewinnen: Während natürliche Personen keine Einkommensteuer zahlen, unterliegen Unternehmen auf den Malediven seit 2011 einer Gewinnsteuer (Business Profit Tax – BPT).

Körperschaftsteuer: Die Körperschaftsteuer auf den Malediven beträgt 15 % auf steuerpflichtige Gewinne. Die Steuerpflicht entsteht ab einem jährlichen Gewinn von mehr als 500.000 MVR (ca. 30.000 Euro).

Steuerpflichtige Unternehmen sind:

  • Auf den Malediven registrierte Unternehmen
  • Zweigniederlassungen ausländischer Unternehmen
  • Unternehmen mit Betriebsstätte auf den Malediven

Gewerbesteuer: Eine separate Gewerbesteuer existiert nicht. Die Business Profit Tax ist die primäre Unternehmenssteuer.

Buchführungspflichten: Unternehmen müssen:

  • Ordnungsgemäße Bücher führen
  • Jahresabschlüsse erstellen
  • Unterlagen mindestens 5 Jahre aufbewahren
  • Bei größeren Unternehmen: Wirtschaftsprüfung

Absetzbare Betriebsausgaben: Zu den abzugsfähigen Ausgaben zählen:

  • Gehälter und Löhne
  • Mieten und Pachten
  • Abschreibungen
  • Geschäftsreisekosten
  • Zinsen für Geschäftskredite
  • Werbung und Marketing

Nicht abzugsfähig sind unter anderem:

  • Privatentnahmen
  • Spenden (mit Ausnahmen)
  • Geldbußen und Strafen
  • Bewirtungskosten über bestimmte Grenzen

Finanziell Unabhängige und Investoren

Kapitalertragssteuer: Die Malediven erheben keine Kapitalertragssteuer auf Privatpersonen. Das bedeutet:

  • Zinserträge: steuerfrei
  • Dividenden: steuerfrei
  • Kursgewinne: steuerfrei

Besteuerung von Kursgewinnen: Aktiengewinne, Kryptowährungsgewinne, Fondsgewinne – alle steuerfrei auf den Malediven, solange du als Privatperson handelst.

Immobilienertragsteuer: Gewinne aus dem Verkauf von Immobilien werden auf Ebene der Privatperson nicht besteuert. Allerdings ist der Immobilienerwerb für Ausländer stark eingeschränkt (siehe Kapitel 5).

Freibeträge für Kapitalerträge: Nicht relevant, da keine Steuer erhoben wird.

Besonderheiten bei ausländischen Depots: Die Malediven interessieren sich nicht für deine ausländischen Depots oder Konten. Es gibt keine Meldepflichten für ausländische Vermögenswerte und keine Hinzurechnungsbesteuerung.

Achtung: Wenn du jedoch aus Deutschland, Österreich oder der Schweiz stammst und dort noch beschränkt oder unbeschränkt steuerpflichtig bist, gelten die dortigen Regelungen für ausländische Kapitalerträge weiterhin.

Rentner

Besteuerung gesetzlicher Renten aus DE/CH/AT: Da kein Doppelbesteuerungsabkommen existiert, gilt:

Deutsche Renten: Deutschland behält nach nationalem Recht das Besteuerungsrecht für Renten aus der gesetzlichen Rentenversicherung. Als Rentner auf den Malediven musst du deine deutsche Rente in Deutschland versteuern (beschränkte Steuerpflicht), kannst aber keinen Grundfreibetrag geltend machen.

Österreichische Renten: Ähnliche Situation – Österreich besteuert die Rente nach nationalem Recht.

Schweizer Renten: AHV-Renten werden in der Schweiz grundsätzlich nicht an der Quelle besteuert. Pensionskassenrenten können je nach Situation unterschiedlich behandelt werden.

Besteuerung privater Renten und Pensionen: Private Renten (z. B. Riester, Rürup, private Rentenversicherungen) unterliegen den Besteuerungsregeln des Herkunftslandes. Auf den Malediven selbst werden sie nicht besteuert.

Altersfreibeträge: Da keine Einkommensteuer existiert, gibt es auch keine speziellen Altersfreibeträge.

3. Vermögensteuer

Die Malediven erheben keine Vermögensteuer. Es gibt keine jährliche Abgabe auf Privatvermögen, unabhängig von dessen Höhe oder Zusammensetzung.

  • Existenz: Nein
  • Höhe: Nicht anwendbar
  • Freibeträge: Nicht relevant
  • Bewertungsgrundlagen: Nicht relevant
  • Betroffene Vermögensarten: Keine

Dies steht im Gegensatz zu einigen Kantonen in der Schweiz, die eine Vermögenssteuer erheben. Für vermögende Auswanderer aus der Schweiz kann dies theoretisch ein Vorteil sein – praktisch scheitert es jedoch an den Aufenthaltsbestimmungen.

4. Kapitalertragssteuer

Steuersätze für verschiedene Anlageformen

Die Malediven erheben keine Kapitalertragssteuer auf Privatpersonen. Alle Anlageformen sind steuerfrei:

AnlageformSteuersatz Malediven
Bankzinsen0 %
Dividenden0 %
Aktiengewinne0 %
Anleihegewinne0 %
Fondsgewinne0 %
Kryptowährungen0 %

Quellensteuer

Die Malediven erheben eine Quellensteuer (Withholding Tax) auf bestimmte Zahlungen:

  • Zinsen an Ausländer: 10 %
  • Lizenzgebühren an Ausländer: 10 %
  • Dividenden an Ausländer: 10 %
  • Management- und technische Gebühren: 10 %

Diese Quellensteuer wird von maledivischen Unternehmen einbehalten, wenn sie Zahlungen an ausländische Empfänger leisten. Für in den Malediven ansässige Privatpersonen, die Einkünfte aus ausländischen Quellen beziehen, fällt keine maledivische Steuer an.

Anrechnung ausländischer Quellensteuer

Da die Malediven keine Einkommensteuer erheben, gibt es kein System zur Anrechnung ausländischer Quellensteuern. Wenn du als Malediven-Resident Dividenden aus deutschen Aktien erhältst, wird die deutsche Kapitalertragsteuer (25 % plus Solidaritätszuschlag) einbehalten, ohne dass du diese auf den Malediven anrechnen könntest.

Meldepflichten

Es gibt keine Meldepflichten für Kapitalerträge auf den Malediven. Du musst weder Konten noch Depots noch Kryptowährungsbestände beim maledivischen Fiskus angeben.

5. Immobiliensteuer

Grundsteuer und jährliche Abgaben

Die Malediven erheben keine Grundsteuer (Property Tax) auf Immobilien. Es gibt keine jährliche Abgabe basierend auf dem Immobilienwert.

Allerdings können folgende Abgaben anfallen:

  • Land Rent: Für gepachtetes Land (besonders bei Resorts und kommerziellen Projekten)
  • Lease Fees: Bei langfristigen Pachtverträgen
  • Service Charges: Für kommunale Dienstleistungen

Grunderwerbsteuer beim Kauf

Beim Immobilienerwerb fällt eine Stempelsteuer (Stamp Duty) an:

  • Registrierungsgebühren: variabel
  • Stempelsteuer: zwischen 2 % und 4 % des Transaktionswertes

Einschränkungen für Ausländer

Wichtiger Hinweis: Der Immobilienerwerb ist für Ausländer auf den Malediven stark eingeschränkt:

  • Direkter Grundbesitz ist für Nicht-Malediver grundsätzlich nicht möglich
  • Ausnahme: Langfristige Pachtverträge (Leasehold) bis zu 99 Jahren
  • Investitionen über 1 Million USD können zu speziellen Arrangements führen
  • Immobilien auf Resortinseln sind meist nur über Leashold-Strukturen erwerbbar

Wertzuwachssteuer beim Verkauf

Es gibt keine Spekulationssteuer oder Wertzuwachssteuer auf Immobilienverkäufe für Privatpersonen. Gewinne aus Immobilientransaktionen sind steuerfrei.

Vermietungseinkünfte

Mieteinnahmen von Privatpersonen werden nicht besteuert. Wenn du jedoch als Unternehmen Immobilien vermietest, unterliegen die Gewinne der Business Profit Tax (15 %).

Steuervorteile bei Eigennutzung

Da keine relevanten Immobiliensteuern existieren, gibt es auch keine speziellen Vorteile für Eigennutzer.

6. Erbschafts- und Schenkungssteuer

Erbschaftssteuer

Die Malediven erheben keine Erbschaftssteuer. Vermögen kann ohne steuerliche Belastung vererbt werden.

Schenkungssteuer

Es gibt ebenfalls keine Schenkungssteuer auf den Malediven. Übertragungen zu Lebzeiten sind steuerfrei möglich.

Internationale Aspekte

Wichtig: Auch wenn die Malediven keine Erbschafts- oder Schenkungssteuer erheben, können je nach Situation die Regelungen deines Herkunftslandes greifen:

Deutschland:

  • Unbeschränkte Erbschaftsteuerpflicht, wenn Erblasser oder Erbe in den letzten 5 Jahren in Deutschland ansässig waren
  • Beschränkte Erbschaftsteuerpflicht für Inlandsvermögen

Österreich:

  • Keine Erbschaftssteuer, aber Grunderwerbsteuer auf vererbte Immobilien
  • Stiftungseingangssteuer bei Zuwendungen an Stiftungen

Schweiz:

  • Kantonal unterschiedliche Regelungen
  • Viele Kantone befreien direkte Nachkommen

Ohne DBA mit den Malediven gibt es keine klare Zuweisungsregel, was in komplexen Konstellationen zu Rechtsunsicherheit führen kann.

7. Mehrwertsteuer/Umsatzsteuer

Goods and Services Tax (GST)

Die Malediven erheben seit 2011 eine Goods and Services Tax (GST), die der Mehrwertsteuer entspricht:

  • Allgemeiner Satz: 8 %
  • Tourismussektor: 16 %

Der erhöhte Satz für den Tourismussektor betrifft:

  • Hotelübernachtungen
  • Resort-Aufenthalte
  • Touristische Dienstleistungen
  • Restaurants und Bars in touristischen Einrichtungen

Ermäßigte Sätze und Befreiungen

Bestimmte Waren und Dienstleistungen sind von der GST befreit:

  • Grundnahrungsmittel
  • Medizinische Grundversorgung
  • Bildungsdienstleistungen
  • Finanzdienstleistungen
  • Export von Waren und Dienstleistungen

Kleinunternehmerregelung

Unternehmen mit einem Jahresumsatz unter 1 Million MVR (ca. 60.000 Euro) sind von der GST-Registrierungspflicht befreit, können sich aber freiwillig registrieren.

Umsatzsteuerpflicht für Unternehmer

GST-pflichtige Unternehmen müssen:

  • Sich beim MIRA (Maldives Inland Revenue Authority) registrieren
  • Monatliche GST-Erklärungen abgeben
  • GST auf Rechnungen ausweisen
  • GST-Vorsteuer kann abgezogen werden

Reverse-Charge-Verfahren

Bei bestimmten grenzüberschreitenden Dienstleistungen wird das Reverse-Charge-Verfahren angewandt, bei dem der Leistungsempfänger die GST schuldet.

8. Weitere relevante Steuern

Green Tax (Umweltsteuer)

Die Malediven erheben eine Green Tax für den Tourismussektor:

  • Resorts: 6 USD pro Person und Nacht
  • Hotels: 3 USD pro Person und Nacht
  • Guesthouses: 3 USD pro Person und Nacht
  • Safari-Boote: 6 USD pro Person und Nacht

Diese Steuer soll Umweltschutzmaßnahmen finanzieren.

Tourism Land Rent

Resorts und touristische Einrichtungen zahlen eine Land Rent an den Staat:

  • Die Höhe variiert je nach Insel und Vertragsbedingungen
  • Kann erhebliche Beträge ausmachen

Airport Development Fee

Bei Ausreise per Flugzeug:

  • Economy Class: 30 USD
  • Business Class: 60 USD
  • First Class: 90 USD

Einfuhrzölle

Die Malediven erheben Einfuhrzölle auf viele Waren:

  • Standardsatz: 0 % bis 25 % je nach Warengruppe
  • Besondere Abgaben auf Alkohol (nur für Resorts)
  • Besondere Abgaben auf Tabakwaren

Keine Kfz-Steuer

Es gibt keine separate Kfz-Steuer. Fahrzeuge sind auf den bewohnten Inseln ohnehin selten – die Fortbewegung erfolgt meist zu Fuß, per Boot oder im Resort per Buggy.

9. Steueroptimierung für Auswanderer

Legale Gestaltungsmöglichkeiten

Die wichtigste „Optimierung“ auf den Malediven besteht darin, tatsächlich dort steuerlich ansässig zu werden – was die größte Herausforderung darstellt. Sobald du die steuerliche Ansässigkeit erreicht hast, zahlst du automatisch keine Einkommensteuer.

Strategien für verschiedene Situationen:

  1. Verlagerung der Steuerresidenz: Vollständiger Wegzug aus dem Heimatland mit Aufgabe des Wohnsitzes
  2. Timing: Abstimmung des Umzugszeitpunkts auf steuerlich günstige Momente
  3. Vermögensumstrukturierung vor Wegzug: Realisierung von Gewinnen im Niedrigsteuerland oder Verlagerung von Vermögen

Timing des Umzugs

Günstige Zeitpunkte:

  • Nach Ablauf der Spekulationsfrist für Immobilien
  • Vor größeren Kapitalerträgen oder Veräußerungsgewinnen
  • Nach Ausschüttung von Dividenden (unter Beachtung der Quellensteuer)

Ungünstige Zeitpunkte:

  • Kurz vor dem Vesting von Aktienoptionen
  • Bei laufenden steuerlichen Streitigkeiten
  • Bei noch nicht abgelaufenen Haltefristen

Günstige Unternehmensformen

Für unternehmerisch tätige Auswanderer auf den Malediven:

  • Private Limited Company: Körperschaftsteuer 15 % auf Gewinne über 500.000 MVR
  • Partnership: Steuerlich transparent, Partner werden nicht besteuert
  • Sole Proprietorship: Keine persönliche Einkommensteuer

Nutzung von Steuerfreibeträgen

Da keine Einkommensteuer existiert, sind Freibeträge nicht relevant. Wichtig ist vielmehr die Gestaltung in Bezug auf das Heimatland:

  • Ausnutzen der deutschen Auswandererregelungen
  • Zeitliche Abstimmung von Einkünften
  • Gestaltung von Rentenzahlungen

Holding-Strukturen

Die Malediven sind aufgrund fehlender DBA-Netzwerke und eingeschränkter Unternehmensdienstleistungen nicht als Holding-Standort geeignet. Für internationale Strukturen sind andere Jurisdiktionen vorzuziehen.

10. Steuererklärung und Fristen

Für Privatpersonen

Da keine Einkommensteuer für natürliche Personen erhoben wird, gibt es keine Steuererklärungspflicht für Privatpersonen auf den Malediven.

Für Unternehmen

Business Profit Tax:

  • Steuerjahr: Kalenderjahr (1. Januar bis 31. Dezember)
  • Abgabefrist Jahreserklärung: Innerhalb von 6 Monaten nach Ende des Steuerjahres (30. Juni)
  • Vorauszahlungen: Vierteljährlich
  • Online-Portal: MIRA Online Services (MIRAconnect)

GST-Erklärungen:

  • Frist: 28. Tag des Folgemonats
  • Online-Abgabe: Pflicht über MIRAconnect

Benötigte Unterlagen

Für Unternehmen:

  • Jahresabschluss
  • Gewinn- und Verlustrechnung
  • Buchführungsunterlagen
  • Bankbelege
  • Rechnungen und Quittungen

Notwendigkeit eines Steuerberaters

Für Unternehmer auf den Malediven ist ein lokaler Steuerberater oder Buchhalter empfehlenswert. Die Kosten sind vergleichbar mit anderen asiatischen Ländern, die Verfügbarkeit international erfahrener Berater ist jedoch begrenzt.

Strafen bei Verspätung

  • Verspätete Steuererklärung: Strafzuschläge
  • Verspätete Zahlung: Verzugszinsen
  • Falsche Angaben: Bußgelder und mögliche strafrechtliche Konsequenzen

11. Sozialversicherungsbeiträge

Krankenversicherung

Die Malediven haben ein staatliches Krankenversicherungssystem (Aasandha), das jedoch primär für maledivische Staatsbürger gilt. Ausländer müssen sich privat versichern.

Für Expats empfohlen:

  • Internationale Krankenversicherung
  • Evakuierungsversicherung (wichtig bei der Insellage!)
  • Typische Kosten: 200 bis 800 Euro monatlich je nach Alter und Leistungsumfang

Rentenversicherung

Das Maldives Retirement Pension Scheme (MRPS) gilt primär für maledivische Arbeitnehmer:

  • Arbeitnehmeranteil: 7 %
  • Arbeitgeberanteil: 7 %
  • Ausländische Arbeitnehmer: In der Regel befreit

Es besteht kein Sozialversicherungsabkommen mit Deutschland, Österreich oder der Schweiz.

Arbeitslosenversicherung

Eine staatliche Arbeitslosenversicherung existiert nicht auf den Malediven.

Pflegeversicherung

Es gibt keine Pflegeversicherung. Pflegeleistungen müssen privat organisiert und finanziert werden.

Gesamtbelastung im Vergleich zu DACH-Ländern

AbgabeMaledivenDeutschlandÖsterreichSchweiz
Einkommensteuer0 %bis 45 %bis 55 %bis ca. 40 %
Sozialversicherung (AN)7 %*ca. 20 %ca. 18 %ca. 13 %
Sozialversicherung (AG)7 %*ca. 20 %ca. 21 %ca. 13 %

*Nur für maledivische Staatsbürger; Ausländer meist befreit

12. Vergleich zu Deutschland, Schweiz und Österreich

Tabellarischer Vergleich Steuerbelastung

SteuerartMaledivenDeutschlandÖsterreichSchweiz
Einkommensteuer0 %14 bis 45 %20 bis 55 %ca. 8 bis 40 %
Körperschaftsteuer15 %ca. 30 %25 %ca. 12 bis 24 %
Kapitalertragsteuer0 %25 % + Soli27,5 %Vermögenssteuer
Mehrwertsteuer8 bis 16 %19 %20 %8,1 %
Erbschaftssteuer0 %bis 50 %0 % (GrESt)kantonal
Vermögenssteuer0 %0 %0 %kantonal

Beispielrechnungen für verschiedene Einkommensklassen

Beispiel 1: Angestellter mit 60.000 Euro Jahresbrutto

LandEinkommensteuerSozialversicherungNetto ca.
Malediven0 Euro0 Euro*60.000 Euro
Deutschlandca. 12.000 Euroca. 12.000 Euro36.000 Euro
Österreichca. 13.500 Euroca. 10.800 Euro35.700 Euro
Schweiz (ZH)ca. 7.000 Euroca. 7.800 Euro45.200 Euro

*Ausländer meist von Sozialversicherung befreit

Beispiel 2: Unternehmer mit 200.000 Euro Gewinn

LandSteuerbelastung ca.
Malediven (als Privatperson)0 Euro
Malediven (als Unternehmen)30.000 Euro (15 %)
Deutschland (GmbH + Ausschüttung)ca. 95.000 Euro
Österreich (GmbH + Ausschüttung)ca. 90.000 Euro
Schweiz (Zürich)ca. 65.000 Euro

Beispiel 3: Rentner mit 2.500 Euro monatlich

SituationSteuerlast ca.
Auf Malediven lebend, deutsche RenteBeschränkte Steuerpflicht DE: ca. 3.500 Euro/Jahr
In Deutschland lebendca. 2.200 Euro/Jahr
In Österreich lebend0 Euro (mit DBA)

Pro und Contra aus steuerlicher Sicht

Vorteile Malediven:

  • Keine Einkommensteuer für Privatpersonen
  • Keine Kapitalertragssteuer
  • Keine Vermögenssteuer
  • Keine Erbschafts- und Schenkungssteuer
  • Niedrige Körperschaftsteuer (15 %)
  • Keine komplexe Steuererklärung für Privatpersonen

Nachteile Malediven:

  • Keine DBA mit DACH-Ländern (Besteuerung von Renten!)
  • Keine Anrechenbarkeit ausländischer Steuern
  • Wegzugsbesteuerung aus DACH-Ländern greift
  • Schwierigkeit, überhaupt Aufenthalt zu erlangen
  • Extrem hohe Lebenshaltungskosten relativieren Steuervorteile
  • Begrenzte Infrastruktur für vermögende Privatpersonen

Fazit

Für welche Auswanderer-Typen lohnen sich die Malediven steuerlich?

Theoretisch attraktiv für:

  • Hochverdiener mit mobilen Einkünften
  • Investoren mit großen Portfolios
  • Digitale Nomaden mit hohen Einnahmen
  • Unternehmer, die remote arbeiten können

Praktisch problematisch wegen:

  • Keine dauerhaften Aufenthaltsgenehmigungen für Ausländer
  • Extrem hohe Lebenshaltungskosten (2.000 bis 10.000 Euro monatlich für Unterkunft)
  • Streng islamischer Staat (kein Alkohol außerhalb von Resorts, Religionsfreiheit eingeschränkt)
  • Begrenzte Infrastruktur (Gesundheitsversorgung, Bildung)
  • Isolation (kleine Inseln, begrenzte Sozialkontakte)

Wichtigste Punkte zusammengefasst

  1. Keine Einkommensteuer für Privatpersonen – das ist das Alleinstellungsmerkmal
  2. Körperschaftsteuer von 15 % für Unternehmen
  3. GST von 8 % (allgemein) bzw. 16 % (Tourismus)
  4. Keine DBA mit Deutschland, Österreich oder Schweiz
  5. Aufenthalt ist das eigentliche Problem – keine dauerhafte Immigration möglich
  6. Remote Work Visa als temporäre Option für digitale Nomaden
  7. Lebenshaltungskosten neutralisieren einen Großteil der Steuervorteile

Empfehlung zu professioneller Beratung

Aufgrund der komplexen internationalen Zusammenhänge – insbesondere der fehlenden Doppelbesteuerungsabkommen und der Wegzugsbesteuerung – ist professionelle Beratung unverzichtbar:

  • Vor dem Wegzug: Steuerberater in Deutschland/Österreich/Schweiz mit internationaler Erfahrung
  • Auf den Malediven: Lokaler Berater für Aufenthaltsrecht und ggf. Unternehmensgründung
  • Laufend: Koordination zwischen beiden Seiten

Die Malediven sind kein klassisches Auswanderungsland und für die meisten DACH-Auswanderer eher ein Traumziel als eine realistische Option. Wer jedoch beispielsweise in einem Resort arbeitet oder als digitaler Nomade temporär dort lebt, kann von der Steuerfreiheit profitieren – sollte aber die hohen Lebenshaltungskosten und praktischen Einschränkungen im Blick behalten.

Hilfen für einen sorglosen Umzug auf die Malediven

Nachfolgend findest du alle Hilfen für deine sorglose Auswanderung auf die Malediven, vom ersten Schritt bis zur erfolgreichen Integration. Die Links führen zu den jeweiligen Angeboten, Hilfen und Dienstleistungen.

FAQ

Muss ich auf den Malediven Steuern auf mein deutsches Gehalt zahlen, wenn ich von dort aus remote arbeite?

Nein, die Malediven erheben keine Einkommensteuer auf Privatpersonen. Allerdings musst du prüfen, ob du weiterhin in Deutschland steuerpflichtig bist. Ein Remote Work Visa allein beendet nicht automatisch deine deutsche Steuerpflicht – dafür müsstest du deinen deutschen Wohnsitz komplett aufgeben.

Werden meine Kryptowährungsgewinne auf den Malediven besteuert?

Nein, es gibt keine Kapitalertragssteuer für Privatpersonen. Kryptogewinne sind auf den Malediven steuerfrei. Beachte jedoch, dass du bei einem späteren Rückzug nach Deutschland dort möglicherweise steuerpflichtig werden könntest.

Kann ich als Rentner dauerhaft auf die Malediven ziehen?

Das ist äußerst schwierig, da die Malediven keine Rentner-Visa oder dauerhafte Aufenthaltsgenehmigungen für Ausländer anbieten. Ein langfristiger Aufenthalt ist praktisch nur über Arbeitsvisa (bei Anstellung in einem Resort) oder das temporäre Remote Work Visa möglich.

Gibt es ein Doppelbesteuerungsabkommen mit Deutschland?

Nein, die Malediven haben kein DBA mit Deutschland, Österreich oder der Schweiz. Das bedeutet, dass deine deutsche Rente weiterhin in Deutschland besteuert wird, ohne Anrechnungsmöglichkeit auf den Malediven.

Wie hoch sind die Lebenshaltungskosten auf den Malediven wirklich?

Für Ausländer extrem hoch. Eine Unterkunft auf einer lokalen Insel kostet ab 800 bis 1.500 Euro monatlich, auf Touristeninseln oder in Malé deutlich mehr. Mit Verpflegung, Krankenversicherung und Transport solltest du mit mindestens 3.000 bis 5.000 Euro monatlich rechnen – ohne größeren Luxus.

Kann ich auf den Malediven ein Unternehmen gründen, um Steuern zu sparen?

Ja, die Körperschaftsteuer beträgt nur 15 % und greift erst ab 500.000 MVR Gewinn. Allerdings ist die Gründung für Ausländer mit Auflagen verbunden, und du benötigst in vielen Branchen einen lokalen Partner. Zudem bleiben die Aufenthaltsprobleme bestehen.

Was passiert mit meiner deutschen Krankenversicherung, wenn ich auf die Malediven ziehe?

Die gesetzliche Krankenversicherung endet bei dauerhaftem Wegzug. Du benötigst eine internationale private Krankenversicherung. Wichtig: Eine Evakuierungsversicherung ist dringend empfohlen, da die medizinische Versorgung auf den Malediven begrenzt ist und schwere Fälle nach Sri Lanka, Indien oder Singapur ausgeflogen werden müssen.

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Zuletzt aktualisiert: 2. Januar 2026 von Jan Harmening (2005 ausgewandert)