Irland vor der Auswanderung gut kennenlernen – die Regionen im Überblick

Wer nach Irland auswandern möchte, tut gut daran, die Insel vorher wirklich zu erkunden – und nicht nur Dublin vom Flugzeugfenster aus zu kennen. Irland ist klein genug, um es in wenigen Reisen zu durchqueren, aber vielschichtig genug, dass jede Region ein anderes Gesicht zeigt. Wo Du lebst, entscheidet maßgeblich über Deinen Alltag: Ländliche Abgeschiedenheit oder Stadtleben, windgepeitschte Atlantikküste oder sanfte Hügellandschaft, traditionell irisches Flair oder internationale Atmosphäre. Bevor Du den Schritt wagst, lohnt es sich, die wichtigsten Regionen zu kennen.

Irland - Chateau
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Dublin und der Osten – Wirtschaftsmotor und Einwanderermetropole

Dublin ist das Herz Irlands – wirtschaftlich, kulturell und infrastrukturell. Als Hauptstadt beherbergt sie die meisten internationalen Unternehmen, Behörden und Universitäten. Wer in der Tech-Branche, im Finanzsektor oder in internationalen Konzernen arbeitet, landet fast zwangsläufig hier.

Die Stadt selbst ist zweigeteilt: das lebhafte Kulturviertel Temple Bar mit seinen Pubs und Galerien, das elegante georgianische Viertel rund um Merrion Square und die modernen Docklands, wo Unternehmen wie Google, Meta und Salesforce ihre europäischen Hauptquartiere haben. Zu den empfehlenswerten Sehenswürdigkeiten zählen das Trinity College mit dem Book of Kells, die IMMA-Kunstgalerie im Royal Hospital Kilmainham und das Guinness Storehouse – weniger Touristenfalle als ein tatsächlich gut gemachtes Museum zur Kulturgeschichte des Bieres.

Nachteil: Die Mietpreise in Dublin sind in den vergangenen Jahren stark gestiegen und gehören zu den höchsten in Europa. Viele Auswanderer weichen daher auf die Vororte oder benachbarte Grafschaften wie Wicklow oder Kildare aus, von wo aus sie pendeln.

Der Südosten – Wexford, Waterford und die sonnigste Ecke Irlands

Der Südosten gilt gemessen an irischen Verhältnissen als vergleichsweise sonnig und mild. Die Grafschaften Wexford, Waterford und Kilkenny bieten eine andere Qualität des Lebens: ruhiger, günstiger, weniger international – aber mit einer lebhaften lokalen Gemeinschaft.

Waterford ist die älteste Stadt Irlands, gegründet von Wikingern im 9. Jahrhundert. Das Waterford Crystal Museum gibt Einblick in irisches Handwerk, und die Küste zwischen Tramore und Dunmore East gehört zu den schönsten im Land. Wer mit Kindern kommt oder das Landleben einer irischen Kleinstadt kennenlernen möchte, findet hier eine solide Basis. Die Region zieht auch Auswanderer an, die Remote-Arbeit mit niedrigeren Lebenshaltungskosten verbinden wollen.

Cork und der Südwesten – liberal, kulinarisch, lebenswert

Cork ist Irlands zweitgrößte Stadt und für viele Auswanderer der heimliche Liebling. Die Stadt hat einen eigenen Charakter: unabhängig, selbstbewusst und mit einer ausgeprägten Lebensmittel- und Restaurantkultur, die weit über irischen Standard hinausgeht. Der English Market in der Stadtmitte ist eine Institution – ein überdachter Markt, der seit dem 18. Jahrhundert in Betrieb ist.

Die Umgebung von Cork ist außergewöhnlich. Die Küste von West Cork mit Städtchen wie Kinsale, Skibbereen und Schull zieht Kreative, Selbstständige und Ruheständler aus ganz Europa an. Wer Sinn für Naturlandschaften hat: Das Ring of Kerry, die Halbinsel Beara und die Mizen Head-Halbinsel gehören zu den beeindruckendsten Küstenlandschaften Westeuropas. Gleichzeitig hat Cork eine Pharmazie- und Technologieindustrie, die Beschäftigung bietet.

Empfehlenswerte Sehenswürdigkeiten: Blarney Castle mit dem berühmten Stein, das Alte Stadttor von Kinsale und die Küstenstraßen rund um Bantry Bay.

Kerry und der Wildwesten – Natur pur, wenig Infrastruktur

Kerry ist Irland, wie viele es sich vorstellen: grüne Hügel, dramatische Klippen, kleine Fischerorte. Der Ring of Kerry, die Halbinsel Dingle und die Skellig Islands – als UNESCO-Weltkulturerbe bekannt – machen die Grafschaft zu einem der meistbesuchten Reiseziele der Insel.

Zum Leben ist Kerry anspruchsvoller. Die Infrastruktur ist dünn, Breitbandinternet auf dem Land noch immer unzuverlässig, und der Arbeitsmarkt ist überschaubar. Wer hier leben will, braucht entweder ortsunabhängige Arbeit oder ist bereit, Kompromisse zu machen. Dafür bietet Kerry eine Lebensqualität, die mit Geld kaum aufzuwiegen ist: Stille, saubere Luft, eine enge Dorfgemeinschaft und das Meer vor der Tür.

Galway und der Westen – Irisch, jung, lebendig

Galway ist die lebhafteste Stadt im Westen und eine der wenigen Städte Irlands, in der die irische Sprache – Gaeilge – aktiv gesprochen wird. Die Stadt ist vergleichsweise jung und studentisch geprägt, hat eine bekannte Universität und ein dichtes Kulturprogramm mit Musikfestivals, Theatern und einer aktiven Pub-Szene.

Das Umland zählt zu den kulturell und landschaftlich bedeutendsten Regionen: Der Burren im County Clare – eine Karstlandschaft mit antiken Megalithgräbern – liegt nur eine Stunde entfernt, die Cliffs of Moher gehören zu den bekanntesten Naturattraktionen der Insel. Die Aran-Inseln vor Galway Bay sind ein Fenster in ein traditionelles Irland, das anderswo verschwunden ist.

Wer in der Westküstenregion lebt, schätzt die Nähe zur Natur und die vergleichsweise entspannte Lebensweise – nimmt dafür aber längere Wege zu internationalen Flughäfen in Kauf.

Der Norden – Limerick, Clare und das Shannon-Gebiet

Limerick hat in der Vergangenheit mit einem schlechten Image gekämpft, hat sich aber in den vergangenen Jahren deutlich gewandelt. Die Stadt am Shannon-Fluss bietet günstigere Mieten als Dublin oder Cork, einen wachsenden Technologiesektor und eine gute Lage zwischen Galway, Cork und dem Shannonflughafen – einem der wichtigsten Flughäfen für Transatlantikflüge.

In der Umgebung lockt das Lough Derg, ein malerischer See an der Grenze zu Tipperary, sowie das Schloss Bunratty mit seinem mittelalterlichen Freilichtmuseum.

Ulster und Nordirland – politisch komplex, landschaftlich großartig

Nordirland ist zwar nicht Teil der Republik Irland, gehört aber zu jeder ernsthaften Auseinandersetzung mit der Insel dazu. Belfast hat sich seit dem Karfreitagsabkommen 1998 stark verändert und ist heute eine lebhafte Stadt mit einer wachsenden Kreativwirtschaft. Das Titanic Museum gilt als eines der besten seiner Art in Europa.

Die Causeway Coast mit dem Giant’s Causeway, dem Carrick-a-Rede-Hängebrückenpfad und den Glens of Antrim gehört zu den spektakulärsten Küstenlandschaften der Britischen Inseln. Als EU-Bürger solltest Du die Besonderheiten der Wohnsitznahme in Nordirland – britisches Recht, aber offene Grenze zur Republik – vor einer Entscheidung sorgfältig prüfen.

Irland selbst entdecken – bevor Du bleibst

Eine Karte zu lesen und Berichte zu lesen ist das eine. Das andere ist, selbst durch die Regionen zu reisen, unterschiedliche Jahreszeiten zu erleben und ein Gespür dafür zu entwickeln, wo Du Dich vorstellen kannst, langfristig zu leben. Irland ist ein Land, das sich zu Fuß, per Fahrrad und vor allem per Auto erschließt – der öffentliche Nahverkehr außerhalb der Städte ist begrenzt.

Eine strukturierte Reise durch mehrere Regionen ist dabei der beste Weg, um fundierte Entscheidungen zu treffen. Wenn Du Dir das selbst nicht zutraust oder einfach nichts dem Zufall überlassen willst, sind organisierte Irland-Rundreisen eine ausgezeichnete Möglichkeit, die wichtigsten Regionen in kurzer Zeit kennenzulernen und ein realistisches Bild vom Leben auf der grünen Insel zu gewinnen – fern von Reiseführer-Klischees.

Irland belohnt diejenigen, die es ernsthaft erkunden. Und wer die Regionen kennt, trifft am Ende bessere Entscheidungen – über den Wohnort, die Lebensweise und die eigene Zukunft.

Mehr zum Leben in Irland und zur Einwanderung findest Du in unserem ausführlichen Irland-Ratgeber auf Auswandern-Info.com.